Damian Krzywosądzki von der Raben Group über Kapazitätsengpässe und die Verbesserung der Beziehungen zu Subunternehmern

Die starken Nachfrageschwankungen in den letzten 18 Monaten haben sich für die Logistikbranche als Herausforderung erwiesen. Während die Lockdowns den E-Commerce boomen ließen, brachte das Ende der Lockdowns erhebliche Nachfrageverschiebungen mit sich, die die Kapazitäten wohl noch stärker in den Fokus rückten. Jetzt, da die vorweihnachtliche Hochsaison bevorsteht, stehen die großen Unternehmen der Branche vor der noch größeren Herausforderung, genügend Kapazitäten zu sichern, um die Nachfrage ihrer Kunden zu befriedigen.

Damian Krzywosądzki von der Raben Group über Kapazitätsengpässe und die Verbesserung der Beziehungen zu Subunternehmern
Raben Group

Zu den großen Namen, die sich dieser Herausforderung stellen wollen, gehört die Raben Group, deren kürzliche Übernahme von BAS Logistics dazu beitragen wird, mehr Kapazitäten in der Benelux-Region zu schaffen.

Wir sprachen mit Damian Krzywosądzki, Group Business Development Director bei der Raben Group, darüber, was die Raben Group angesichts des Kapazitätsmangels unternimmt, wie das Unternehmen seine Beziehungen zu Subunternehmern ausbauen will und welche Pläne es für die Zukunft hat.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit uns bei Trans.INFO zu sprechen, Damian.

Trotz aller Herausforderungen, die das Jahr 2020 mit sich brachte, hat Raben das Jahr mit einem Umsatz von über 1,26 Milliarden Euro abgeschlossen. Auch wenn das Jahr 2021 für die Logistikindustrie nicht gerade am einfachsten war, scheinen die Dinge mit Blick auf das vierte Quartal wieder positiver zu werden. Erwarten Sie, dass Sie den Erfolg des letzten Jahres noch übertreffen können?

2020 war nicht einfach – nicht nur für Raben, sondern für alle Transportunternehmen und alle LSPs auf dem Markt. Aber wir haben es geschafft, im Jahr 2020 5 % mehr Umsatz zu erzielen als in 2019. Das war eine gute Leistung unsererseits.

In diesem Jahr stehen wir auch vor Herausforderungen, aber sie sind ein bisschen anders. Die Kapazität des LSP-Marktes ist das größte Thema. Wir haben uns auf zwei Schlüsselbereiche konzentriert: zum einen auf die Sicherung des Geschäfts unserer Kunden und zum anderen auf die zukünftigen Bedürfnisse der Kunden in den kommenden Monaten.

Bei Raben haben wir eine gesunde Aufteilung des Kundenportfolios. Wir bedienen sowohl FMCG-Kunden als auch Kunden aus den Bereichen Technologie, Einzelhandel, Automobil, Chemie und andere. Wenn wir uns darauf konzentrieren, die Zusammenarbeit mit unseren Kernkunden weiter zu stärken und ihre Geschäfte zu sichern, dann müssen wir Dienstleistungen von höchster Qualität bieten. Ich würde sagen, das gelingt uns, wir schauen uns nach neuen Möglichkeiten auf dem Markt um. Wir beobachten den Markt genau, und wir sehen, dass die Volumina im B2C-Bereich wirklich boomen. Dieser Trend spiegelt sich auch in unserem eigenen Netzwerk wider.

In der ersten Jahreshälfte waren die Zahlen von Raben und anderen wichtigen Marktteilnehmern im Vergleich zu 2020 wirklich gut – insbesondere im B2C-Bereich.

Unser Hauptziel für dieses Jahr ist es, das Wachstum und den Umsatz zu verbessern, und in dieser Hinsicht sieht es für uns trotz aller Schwierigkeiten gut aus für 2021.

Im Juli dieses Jahres gab Raben die Übernahme der BAS-Gruppe bekannt, die 50.000 m2 Lagerkapazität und die BAS-eigene LKW- und Anhängerflotte mit sich bringt. War der Wunsch nach mehr Kapazität einer der Faktoren, die Ihre Entscheidung zur Übernahme des Unternehmens beeinflusst haben? Welche weiteren Vorteile sehen Sie in der Übernahme für die Raben Group?

Das ist ein wichtiger Schritt für unsere Aktivitäten in den Benelux-Ländern. Raben wurde bekanntlich 1931 in den Niederlanden gegründet, das Unternehmen hat also eine 90-jährige Tradition.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir, als sich die Gelegenheit bot, die Übernahme von BAS logistics abgeschlossen haben. Ziel der Übernahme ist es, unsere Position und unser Netzwerk in der Benelux-Region zu stärken.

BAS logistics hat seine Standorte im Westen, in Rozendaal und Etten-Leur. Das gibt uns neue Möglichkeiten für die Entwicklung unseres Netzwerks – nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Belgien und Luxemburg. Das haben wir natürlich stark in Betracht gezogen.

BAS Logistics bietet uns zum Beispiel neue Möglichkeiten für Verbindungen von den Niederlanden nach Italien, da es zwischen diesen beiden Ländern einen intermodalen Verkehr gibt.

Wir möchten ihre Erfahrung im intermodalen Verkehr nutzen. Einer der anderen Hauptgründe war natürlich die Erweiterung der Lagerkapazitäten. Sie bringen zusätzliche Quadratmeter in die Raben Group ein, was nicht nur für uns, sondern vor allem für unsere Kunden eine große Chance ist.

Es handelt sich um ein mittelgroßes und sehr dynamisches Unternehmen. Wir sind glücklich über die Übernahme und freuen uns auf die Entwicklung des Benelux-Geschäfts in den kommenden Jahren.

Einer der Bereiche, der in der Industrie derzeit viel Aufmerksamkeit erregt, ist natürlich die Kapazität. Sehen Sie in den kommenden Monaten, während der vorweihnachtlichen Hochsaison, einen Kapazitätsengpass in Europa voraus? Wenn ja, wie können Straßentransport- und Logistikunternehmen wie Raben dieses Problem abmildern? 

Wie ich bereits erwähnt habe, war die erste Jahreshälfte bereits eine Herausforderung für LSPs. Alle großen Akteure hatten mit Problemen zu kämpfen. Die Sommerferien haben uns dann einen Moment Zeit zum Durchatmen gegeben.

Wir gehen davon aus, dass die Volumina in der Vorweihnachtszeit sicher steigen werden, so wie es jedes Jahr der Fall ist – sogar im letzten Jahr mitten in einer Covid-Welle. In diesem Jahr rechnen wir mit etwas Ähnlichem. Wir beobachten das Problem sehr genau und überwachen unsere Aktivitäten ständig.

Im letzten Jahr haben wir neue Cross Docks in Polen, Rumänien und Ungarn eröffnet und unsere Anlagen in Deutschland ausgebaut. Diese Investitionen wurden getätigt, um näher am Kunden zu sein; jedes Cross Dock bedeutet, dass unsere Lkw weniger Kilometer zurücklegen.

Ein weiterer Punkt ist, dass wir unser internationales Netz und unsere Vertriebslinien ständig überwachen. So haben wir zum Beispiel neue Strecken von Polen nach Deutschland eröffnet. Auf einigen dieser Strecken bieten wir unseren Service 24 Stunden am Tag an. Natürlich sind wir auch weiterhin in Mittel- und Osteuropa aktiv, wo wir täglich mehr als 110 internationale Linienverkehre durchführen.

Um die von unseren Kunden an uns gelieferten Waren rechtzeitig ausliefern zu können, müssen wir auch die Zusammenarbeit mit unseren Subunternehmern pflegen. Wir müssen über interne Ressourcen, einschließlich der Kapazitäten der Subunternehmer, verfügen, um die Herausforderung bewältigen zu können. Um diese Zusammenarbeit zu verbessern, haben wir ständig ein offenes Ohr für ihre Anregungen, Verbesserungsvorschläge usw. Wir legen Wert auf Partnerschaft und offenen Dialog, damit wir gemeinsam die Erwartungen des wettbewerbsorientierten Marktes erfüllen können.

Dieser Wert ist unbestreitbar auch für die Kommunikation mit unseren Kunden von großer Bedeutung. Wir laden sie dazu ein, gemeinsam die Prozesse zu betrachten, sie abzubilden und über mögliche Optimierungen nachzudenken.

In der Geschichte von Raben haben wir immer versucht, ein Partner für unsere Kunden zu sein. Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass wir uns mit unseren Kunden zusammensetzen, um zu sehen, wo wir uns verändern können und wie unsere Kunden ihre internen Prozesse verändern können, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.

Darüber hinaus würde ich sagen, dass weitere Investitionen in die Prozessoptimierung entscheidend sind. Nicht nur im operativen Bereich, sondern auch auf der Ebene der Büros. Das ist sehr wichtig, ebenso wie die Digitalisierung. Das ist etwas, dem wir sehr viel Aufmerksamkeit schenken.

Ein Schlüsselaspekt des Frachtkapazitätsmanagements soll der Aufbau und die Pflege von Beziehungen zu Subunternehmern sein. Wie stellt Raben sicher, dass diese Beziehungen gesund und nachhaltig sind?

Ich würde sagen, das ist der wichtigste Punkt.

Wenn wir über Marktherausforderungen sprechen, wie wir sie derzeit in Großbritannien erleben, ist die Zusammenarbeit mit Subunternehmern und Fahrern von entscheidender Bedeutung. Nicht nur für Raben, sondern auch für andere Akteure auf dem Markt.

Bei der Raben Group sind wir Partner einer Kooperationsplattform mit dem Namen Responsible Trucking, die aus 12 führenden Unternehmen besteht, sowohl Transportkäufer als auch Transportlieferanten wie BMW, H&M, IKEA, Maersk und andere.

Unser Ziel ist es, eine gemeinsame Strategie für die Zusammenarbeit mit unseren Subunternehmern umzusetzen. Deshalb haben wir die Truck Transport Social Guidelines eingeführt, um die Arbeitsbedingungen unserer Fahrer zu verbessern. Dabei geht es darum, Themen wie Arbeits- und Ruhezeiten der Fahrer, Gesundheit und Sicherheit sowie Vereinigungsfreiheit und Nichtdiskriminierung zu berücksichtigen.

Dies ist eine Aktivität, die wir entwickeln, und wir wollen diese Zusammenarbeit auch in Zukunft gemeinsam mit unseren Kunden fortsetzen. Der nächste Schritt wäre die Entwicklung einer Art Stichprobenkontrolle, die es ermöglicht, die Fahrer selbst sprechen zu lassen. Das ist im Moment für alle auf dem Markt sehr wichtig.

Außerdem führen wir Leasingprogramme für unsere Subunternehmer durch, um sie zu ermutigen, in schadstoffarme Flotten zu investieren und so unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. In Polen wollen wir zum Beispiel den Einsatz von Anhängern mit Emissionsnormen unterhalb der Euro-5- und Euro-6-Norm unterbinden.

Schließlich klären wir den Markt auf und geben unser Know-how in Webinaren, Schulungen und Workshops weiter. Vor kurzem haben wir ein Webinar mit einer jungen polnischen Lkw-Fahrerin und Influencerin organisiert. Dank dieser Initiative konnten unsere Kunden und Geschäftspartner die Arbeit der Fahrerin aus ihrer Perspektive sehen und erfahren, wie ein Tag in einem Lkw aussieht. Das war wirklich aufschlussreich, denn es gibt nur wenige weibliche Lkw-Fahrer in der Branche.

Der viel zitierte Fahrermangel betrifft nicht nur das Vereinigte Königreich, sondern auch eine Reihe anderer europäischer Länder. Das bedeutet zwangsläufig, dass es wichtiger denn je ist, dafür zu sorgen, dass die Lkw-Kapazität so optimal wie möglich ist. Ein Nebeneffekt davon ist natürlich auch eine Reduzierung der CO2-Emissionen, was Raben sehr am Herzen liegt. Wie stellt Raben sicher, dass das Unternehmen das Beste aus seinen Fahrern und seiner Ausrüstung herausholt?

Nun, einer der Nebeneffekte von Covid war die Beschleunigung der LSP-Optimierung. Das hat sich wirklich positiv ausgewirkt. Jeder steht vor ähnlichen Problemen, und wir haben bei Raben erkannt, dass wir uns als Gruppe nicht weiterentwickeln werden, wenn wir uns nicht auf Optimierungen und Digitalisierung konzentrieren.

In Ländern, in denen es gesetzlich erlaubt ist (z.B. in der Tschechischen Republik, den Niederlanden und Deutschland, Skandinavien), setzt die Raben Group auch einen Lastzug in der „Jumbo”-Version ein, auch bekannt als Gigaliner oder Riesen-Lkw- es handelt sich dabei um eine große Zugmaschine, die zwei Wechselbrücken-Container und einen traditionellen Doppelstock-Sattelauflieger hinter sich herzieht. Die Nutzlast eines solchen Fahrzeugs steigt auf bis zu 102 EURO-Paletten. Das ist eine wirklich kostensparende Lösung für regelmäßige Routen. Es liegt auf der Hand, dass der CO2-Ausstoß pro Palette geringer ist, wenn wir mehr Paletten zwischen unseren Terminals transportieren.

Um solche Lösungen in anderen Ländern einzuführen, sind jedoch europäische Vorschriften erforderlich. Das ist keine leichte Aufgabe. Wir hoffen wirklich, dass sich der Gesetzgebungsprozess in naher Zukunft beschleunigt, denn grüne Themen stehen derzeit ganz oben auf der Tagesordnung.

Außerdem wenden wir uns an unsere Kunden und fragen sie, wie wir gemeinsam das Volumen verbessern und die Routen optimieren können. So analysieren wir beispielsweise gemeinsam die Art und Weise, wie Paletten vorbereitet werden, und prüfen die Möglichkeiten des Einsatzes von Doppelstockanhängern. Wenn wir mit unseren Empfehlungen erfolgreich sind, werden wir die CO2-Emissionen pro Palette senken.

Darüber hinaus verfügen wir in Polen und Deutschland bereits über CNG-LKWs – mittelgroße LKWs für den lokalen und Nahbereich. Um die Transportwege zu verkürzen, setzen wir Tools wie Smart Tour ein – ein automatisiertes Tool, das die Routen für unsere Lkw vorbereitet und uns die Möglichkeit gibt, die Anzahl der Stopps zu begrenzen.

„Looking forward”: Was sind die Pläne und Ambitionen von Raben für die nahe Zukunft und darüber hinaus?

Bei Raben blicken wir immer in die Zukunft und freuen uns auf neue Herausforderungen. „Looking forward” ist nicht nur ein Marketing-Slogan – es ist wirklich Teil unserer DNA.

Wir betrachten uns selbst als „Menschen mit Antrieb”. Jeder von uns hat den inneren Antrieb zur Logistik. Seit den Anfängen von Covid haben wir uns gesagt, dass diese Situation keine Bedrohung für uns sein sollte, da sie jeden auf dem Markt betrifft. Deshalb war es unser Ziel, nach Möglichkeiten zu suchen, um ganz nah am Kunden zu sein. Und das ist auch unser Ziel für die Zukunft – wir wollen unsere Kunden und ihre Geschäfte unterstützen und sichern, indem wir qualitativ hochwertige Dienstleistungen erbringen.

Wir werden auch alles daran setzen, unsere Position als Vorreiter für eine nachhaltige Entwicklung im Transport- und Logistiksektor zu stärken. Dies hat für uns oberste Priorität. Auf diese Weise werden wir zweifellos unsere Position auf dem Markt stärken und die Ressourcen zurückgewinnen.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, unsere Handelswege weiter auszubauen und den Volumenfluss zwischen den Ländern, in denen wir tätig sind, zu verbessern.

Und nicht zuletzt geht es um Automatisierung und Digitalisierung. Dies ist eine weitere Priorität auf unserer Agenda – die Bereitstellung neuer technologischer Lösungen wie ETA. Wir waren der erste Sammelladungsanbieter in Mittel- und Osteuropa, der seinen Kunden in Echtzeit Auskunft darüber geben konnte, wo sich der Fahrer und eine Palette befinden.

Die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen wird die Arbeit unserer Fahrer, Lagerhäuser und Büroangestellten verbessern und die Kommunikation beschleunigen. Die papierlose Logistik ist die Zukunft, und wir wollen in diesem Bereich wirklich der Trendsetter sein. Dies würde uns unbestreitbar zu einem bevorzugten Kooperationspartner machen, nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für unsere Subunternehmer.

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