Ab dem 1. Juli 2026 tritt in den Niederlanden eine kilometerabhängige Lkw-Abgabe in Kraft. Sie bedeutet eine zusätzliche Kostenbelastung für den Straßentransport. Nach Berechnungen der Sektorgruppe Transport & Logistik der niederländischen Beratungsorganisation SRA würde die durchschnittliche Betriebsmarge der Branche von derzeit 7,11 Prozent auf nur noch 1,52 Prozent fallen – sofern Transportunternehmen die Mehrkosten vollständig selbst tragen.
Die Analyse basiert auf Finanzdaten aus „Branche in Zicht 2024“, ergänzt um offizielle Statistiken sowie Kostenprognosen für 2025 und 2026. Grundlage ist ein Szenario, in dem die Abgabe bereits gilt und keine Preisanpassungen erfolgen.
Auf einem Margenniveau von 1,52 Prozent verbleibt den Unternehmen faktisch kein wirtschaftlicher Puffer mehr. Steuern, Finanzierungskosten oder notwendige Investitionen lassen sich unter diesen Bedingungen kaum noch abbilden. Auch kurzfristige Umsatzschwankungen oder weitere Kostensteigerungen wären nur schwer aufzufangen.
Begrenzte Widerstandsfähigkeit in einem ohnehin angespannten Markt
Laut SRA unterstreichen die Ergebnisse die Anfälligkeit der Branche für strukturelle Kostensteigerungen. Die Margen im Straßentransport stehen bereits unter Druck, während Betreiber mit steigenden Kosten für Arbeit, Ausrüstung und Compliance konfrontiert sind. Vor diesem Hintergrund könnte die Lkw-Abgabe die finanzielle Widerstandsfähigkeit vieler Unternehmen deutlich schwächen, wenn die Preisstrukturen unverändert bleiben.
Die Analyse geht nicht von Verhaltensänderungen der Kunden oder einer sofortigen Neuverhandlung von Verträgen aus und verdeutlicht damit das Risiko für Spediteure, die in langfristigen Vereinbarungen ohne Mechanismen zur Kostenanpassung gebunden sind.
Appell an Verlader und Frachtführer
Als Reaktion auf die Ergebnisse hat TLN Frachtführer und Verlader aufgefordert, rechtzeitig vor der Einführung der Abgabe Gespräche über Frachtraten und langfristige Zusammenarbeit zu beginnen. Nach Ansicht der Organisation ist es nicht realistisch, von Transportunternehmen zu erwarten, die zusätzlichen Kosten innerhalb der bestehenden Margen aufzufangen.
TLN argumentiert, dass ein frühzeitiger Dialog entscheidend sei, um eine Situation zu vermeiden, in der die Abgabe in Kraft tritt, während Verträge und Frachtraten die tatsächliche Kostenbasis des Straßentransports nicht mehr widerspiegeln.
Obwohl die Lkw-Abgabe erst Mitte 2026 wirksam wird, warnen SRA und TLN, dass der Zeitplan nur begrenzten Spielraum für Anpassungen lässt. Heute vereinbarte Verträge könnten bei Einführung der Abgabe noch gelten und damit die Reaktionsfähigkeit der Spediteure einschränken, sobald die zusätzlichen Kosten tatsächlich anfallen.
Die Risikoanalyse dient als Warnung: Ohne frühzeitiges kommerzielles Handeln könnte die Lkw-Abgabe die ohnehin dünnen Margen im niederländischen Straßentransport bis nahe an die Gewinnschwelle oder darunter drücken.











