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Logistikriesen wachsen, doch Europas Straßentransport bleibt schwach

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Europas größte Logistikkonzerne beendeten das Jahr 2025 mit einer ähnlichen Erkenntnis: Der Markt im Straßengüterverkehr bleibt fragil, und die Verteidigung der Margen hängt zunehmend von Größe, Kostendisziplin und Technologie ab, weniger von einer Erholung der Frachtraten.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Bei DSV wurde das Jahresergebnis stark von der Übernahme von Schenker geprägt, die die Position des Konzerns im Straßentransport und in der Kontraktlogistik neu definiert hat. Gleichzeitig bezeichnete DSV Europa weiterhin als einen Markt mit schwacher Aktivität und niedrigen Frachtraten, wobei insbesondere der inländische Sammelgutverkehr die Auslastung belastete.

Kuehne+Nagel meldete eine weitgehend stabile Umsatzentwicklung, jedoch einen deutlichen Rückgang der Profitabilität. Das Unternehmen reagierte mit einem strukturellen Kostensenkungsprogramm über 200 Millionen Schweizer Franken. In der Sparte Road Logistics sank das EBIT auf 58 Millionen Franken, vor allem aufgrund einer schwächeren Nachfrage nach Landtransportaktivitäten in Europa.

In der Kontraktlogistik zeigte GXO erneut, warum Lagerhaltung und Fulfilment in einem Niedrigratenzyklus widerstandsfähiger sein können: Der Jahresumsatz stieg auf 13,2 Milliarden Dollar, das bereinigte EBITDA erhöhte sich auf 881 Millionen Dollar, getragen von fortgesetzter Automatisierung und der Integration von Wincanton.

Die Ergebnisse von C.H. Robinson spiegelten unterdessen die geringere Europa-Exponierung wider, nachdem das Unternehmen seinen Geschäftsbereich Europe Surface Transportation verkauft hatte. Stattdessen rückten Produktivität und „Lean AI“ in den Mittelpunkt der Strategie, während der Umsatz auf 16,23 Milliarden Dollar zurückging.

Auch die DHL Group liefert eine weitere Variante derselben Entwicklung: Der Umsatz sank auf 82,9 Milliarden Euro, während das EBIT auf 6,1 Milliarden Euro stieg. Netzwerksteuerung und strikte Kostendisziplin konnten schwächere Frachtmärkte teilweise kompensieren, während das Forwarding-Geschäft weiterhin auf verhaltene Bedingungen im europäischen Straßentransport hinwies.

Zentrale Finanzkennzahlen (Gesamtjahr 2025)

Unternehmen Umsatz EBIT / Betriebsergebnis Wichtigster Treiber
DSV DKK 247,3 Mrd. (+51,3%) DKK 19,6 Mrd. (+24,8%) Schenker-Übernahme und schnelle Integration
Kuehne+Nagel CHF 24,5 Mrd. (-1,3%) CHF 1,24 Mrd. (-24,9%) Negative Währungsumrechnung und volatile Raten
GXO 13,2 Mrd. $ (+12,5%) 881 Mio. $ (Adj. EBITDA) Rekord bei neuen Geschäftsabschlüssen und Übernahmen
C.H. Robinson 16,2 Mrd. $ (-8,4%) 795 Mio. $ (+18,8%) „Lean AI“-Strategie und aggressive Kostenoptimierung
DHL Group 82,9 Mrd. € (-1,6%) 6,1 Mrd. € (+3,7%) Effizienzprogramm „Fit for Growth“ und aktives Kapazitätsmanagement

DSV: Schenker-getriebene Größe – Europas Straßengeschäft bleibt „herausfordernd“

DSV schloss 2025 mit einem Umsatz von 247,3 Milliarden DKK, einem Bruttogewinn von 66,9 Milliarden DKK und einem EBIT vor Sondereffekten von 19,6 Milliarden DKK ab (2024: 16,1 Milliarden DKK).

Strategisch steht weiterhin die Integration von Schenker im Mittelpunkt. DSV zufolge waren 2025 bereits mehr als 30 Prozent der Integration abgeschlossen; der Gesamtprozess soll bis Ende 2026 beendet sein. Die jährlichen Synergien werden auf rund 9 Milliarden DKK geschätzt, wobei die volle finanzielle Wirkung ab 2027 erwartet wird.

Gerade im Straßengüterverkehr zeigt das Reporting jedoch, wie schwierig der europäische Markt weiterhin ist. Die Road-Division erzielte einen Bruttogewinn von 16,6 Milliarden DKK (+116 Prozent) und ein EBIT vor Sondereffekten von 2,74 Milliarden DKK (+46,5 Prozent). Das Management führt den Anstieg vor allem auf den Beitrag von Schenker zurück.

DSV beschreibt die Marktbedingungen 2025 weiterhin als geprägt von schwacher wirtschaftlicher Aktivität und makroökonomischen Unsicherheiten – insbesondere in Europa. Dies habe zu geringerer Nachfrage und niedrigen Frachtraten geführt. Besonders der inländische Sammelgutverkehr belastete Auslastung und Profitabilität.

Gleichzeitig sieht DSV gegen Jahresende erste Stabilisierungssignale, „insbesondere in Europa“ – eine Beobachtung, die für viele Marktteilnehmer entscheidend ist.

Kuehne+Nagel: Gewinnrückgang löst Kostensenkungsprogramm aus

Die Zahlen von Kuehne+Nagel zeigen ein Unternehmen mit stabilen Umsätzen, aber rückläufiger Profitabilität.

Der Konzern meldete einen Umsatz von 28,1 Milliarden Franken (+2,8 Prozent), einen Nettoumsatz von 24,5 Milliarden Franken (-1,3 Prozent) und einen Bruttogewinn von 8,8 Milliarden Franken (+1,5 Prozent). Das EBIT fiel jedoch deutlich auf 1,24 Milliarden Franken (-24,9 Prozent).

Als Gründe nennt das Management ein volatiles Logistikumfeld, Handelszölle, Währungseffekte und steigenden Kostendruck. Als Reaktion startete das Unternehmen im vierten Quartal ein strukturelles Kostensenkungsprogramm über 200 Millionen Franken.

Besonders relevant für den europäischen Straßengüterverkehr: Das EBIT der Sparte Road Logistics sank auf 58 Millionen Franken (2024: 98 Millionen). Hauptursache sei die schwächere Nachfrage nach Landtransportaktivitäten in Europa gewesen.

Strategisch erweiterte Kuehne+Nagel zudem sein europäisches Netzwerk durch die Übernahme der TDN Group in Spanien, wodurch das paneuropäische Sammelgutnetz gestärkt wurde.

GXO: Kontraktlogistik wächst – Automatisierung als Schlüssel

GXO entwickelt sich strukturell anders als klassische Speditionen, da das Unternehmen ausschließlich im Bereich Kontraktlogistik tätig ist.

2025 meldete GXO einen Umsatz von 13,2 Milliarden Dollar (+12,5 Prozent) bei einem organischen Wachstum von 3,9 Prozent. Der Nettogewinn sank auf 36 Millionen Dollar, während das bereinigte EBITDA auf 881 Millionen Dollar stieg.

Das Unternehmen hebt insbesondere künstliche Intelligenz, Robotik und Automatisierung als zentrale Treiber für Effizienz und zukünftiges Wachstum hervor. Gleichzeitig läuft die Integration des britischen Logistikdienstleisters Wincanton planmäßig.

DHL Group: Gewinn steigt trotz schwächerer Frachtmärkte

Die Ergebnisse der DHL Group zeigen eine leicht andere Entwicklung im selben Marktumfeld: Der Umsatz sank zwar, die Profitabilität verbesserte sich jedoch.

Der Konzern meldete für 2025 einen Umsatz von 82,9 Milliarden Euro (2024: 84,2 Milliarden Euro), was DHL vor allem auf negative Währungseffekte in Höhe von 1,7 Milliarden Euro zurückführt. Gleichzeitig stieg das EBIT auf 6,10 Milliarden Euro (2024: 5,89 Milliarden Euro), wodurch sich die EBIT-Marge auf 7,4 Prozent erhöhte.

Für Beobachter des Straßengüterverkehrs liegt der wichtigste Druckpunkt im Bereich Global Forwarding, Freight. Der Umsatz der Division sank auf 18,64 Milliarden Euro (-5,1 Prozent), während das EBIT auf 756 Millionen Euro (-29,6 Prozent) zurückging. DHL führt dies auf niedrigere Forwarding-Raten und einen weiterhin schwachen europäischen Straßentransportmarkt zurück, in dem hohe Kosten, steigende Löhne und begrenzte Kapazitäten die Einkaufspreise erhöhen.

Das Expressgeschäft zeigt dagegen, wie Profitabilität auch bei schwankenden Volumina stabil bleiben kann. Der Umsatz sank auf 24,43 Milliarden Euro (-2,8 Prozent), während die internationalen zeitkritischen Sendungen pro Tag um 9,4 Prozent zurückgingen – vor allem aufgrund geringerer Volumen in Richtung USA nach Änderungen der US-Handels- und Zollpolitik. Dennoch stieg das EBIT im Expressbereich auf 3,16 Milliarden Euro (+2,5 Prozent), gestützt durch Kapazitätssteuerung und Produktivitätsgewinne.

Die Sparte Supply Chain entwickelte sich stabilisierend: Der Umsatz lag bei 17,78 Milliarden Euro (+0,5 Prozent), beziehungsweise +3,7 Prozent ohne Währungseffekte. Das EBIT stieg auf 1,16 Milliarden Euro (+8,7 Prozent). Langfristige Lagerverträge und Automatisierung wirken hier als Puffer gegenüber schwächeren Spot-Frachtraten.

Insgesamt bestätigen die Zahlen der DHL Group ein zentrales Branchenthema: Die Frachtnachfrage bleibt uneinheitlich, während Leistung zunehmend durch Kostendisziplin, Netzwerksteuerung und Automatisierung bestimmt wird – mit dem europäischen Straßengüterverkehr weiterhin als strukturellem Schwachpunkt.

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