links: EU-Kommissar für Nachhaltigen Verkehr und Tourismus, Apostolos Tzitzikostas, rechst: MAN-CEO Alexander Vlaskamp (Foto: MAN)

MAN-Chef fordert Kurskorrektur bei CO₂-Regulierung – EU-Kommissar zeigt Gesprächsbereitschaft

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Beim ersten Deutschlandbesuch des neuen EU-Kommissars für Nachhaltigen Verkehr, Apostolos Tzitzikostas, stand ein zentrales Thema im Fokus - die CO₂-Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge.

Beim Deutschland-Besuch in Münchnen diskutierte der Verkehrs-Kommissar Tzitzikostas mit dem MAN-Vorstand über die Herausforderungen und Chancen für die Nutzfahrzeugbranche – vor allem im Hinblick auf die ambitionierten Klimaziele der EU und die dringend notwendige Ladeinfrastruktur.

MAN sieht CO₂-Vorgaben als Gefahr für Industrie

MAN-CEO Alexander Vlaskamp bezeichnete den von der EU-Kommission vorgestellten Aktionsplan zur Stärkung der Automobilindustrie zwar als „Schritt in die richtige Richtung“, doch die aktuellen CO₂-Regelungen für LKW seien nach seiner Ansicht überzogen. Die vorgeschriebenen Reduktionsziele bis 2030 seien nur mit massiver Ladeinfrastruktur erreichbar – andernfalls drohen Strafzahlungen, die 25-mal höher ausfallen als im PKW-Bereich.

Vlaskamp warnte, dass diese Strafandrohungen die Wettbewerbsfähigkeit gefährden, Investitionen blockieren und Arbeitsplätze kosten könnten. Die Industrie sei bereit, ihren Beitrag zu leisten – doch ohne die richtige Infrastruktur sei das Erreichen der Klimaziele außerhalb ihrer Kontrolle.

Wir bekennen uns klar zu dem Ziel, den Ausstoß der Neufahrzeugflotte bis 2030 um 45 Prozent zu reduzieren. Wir brauchen aber schnellstmöglich eine Neubewertung der CO2-Regulierung. Denn die Gesetzgebung muss anerkennen, dass es nicht mehr in unserer Hand als Hersteller liegt, ob wir die Klimaziele erreichen oder nicht. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, werden aber womöglich trotzdem bestraft” – so Vlaskamp.

Ladeinfrastruktur als Engpass

Um die Emissionsziele zu erreichen, brauche es bis 2030 europaweit rund 50.000 öffentliche Ladepunkte für LKW, davon 30.000 mit Megawatt-Leistung – aktuell existieren gerade einmal 1.200. Dazu kämen weitere 300.000 Ladepunkte in Depots. Der schleppende Ausbau sei das größte Hindernis auf dem Weg zur emissionsfreien Logistik.

EU-Kommission sichert Unterstützung zu

Tzitzikostas betonte in München, die EU stehe an der Seite der Industrie. Der Aktionsplan der Kommission ziele darauf ab, die Branche gleichzeitig klimafreundlich, innovativ und global wettbewerbsfähig zu halten. Dabei seien faire Bedingungen, Innovationsförderung, Fachkräftesicherung und eine verlässliche Infrastruktur die Schlüssel.

Europa schätzt und unterstützt seine Automobilindustrie und Deutschland ist das größte Automobil-Zentrum in Europa“, sagte Tzitzikostas – und betonte: Ziel sei es, dass die nächste Generation von Fahrzeugen in Europa produziert werde, mit europäischen Technologien und Werten.

Der Aktionsplan ist Teil des Strategischen Dialogs zur Zukunft der europäischen Automobilindustrie, der von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Januar angestoßen wurde. Ziel ist es, die Industrie im Wandel zu begleiten – ohne sie im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen geraten zu lassen.

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