Die wichtigsten Punkte:
- Der MAN TGE des Modelljahrs 2027 erhält eine Kreuzungsassistenz, die bei unmittelbarer Kollisionsgefahr automatisch bremsen kann.
- Eine weiterentwickelte Müdigkeits- und Aufmerksamkeitsüberwachung gehört künftig bei allen neuen TGE-Fahrzeugen zur Serienausstattung.
- Die vorausschauende Geschwindigkeitsregelung ist ausschließlich für N1-Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen erhältlich.
- Der elektrische MAN eTGX der nächsten Generation soll als 4×2 bis zu 660 Kilometer und in der geplanten Variante 6×2-4 bis zu 720 Kilometer Reichweite bieten.
- Der Verkauf des neuen eTGX soll Anfang April 2027 starten. Die Produktion ist für den Sommer 2027 vorgesehen.
MAN hat die Neuerungen für den TGE am 22. September 2026 vorgestellt. Die Fertigung der Fahrzeuge für das Modelljahr 2027 ist Anfang September im MAN-Werk im polnischen Września angelaufen. Im Mittelpunkt stehen Situationen, die im Lieferverkehr besonders anspruchsvoll sind: das Durchfahren von Kreuzungen, lange Einsatzzeiten am Steuer und Strecken mit häufig wechselnden Tempolimits.
Mit dem Modelljahr 2027 erhöhen wir das Niveau der aktiven Sicherheit im MAN TGE erneut deutlich. Unsere Assistenzsysteme unterstützen Fahrer genau dort, wo das Unfallrisiko besonders hoch ist, sagt Martin Imhoff, bei MAN Truck & Bus für Marketing und Produktmanagement im Transportersegment verantwortlich.
Kreuzungsassistent warnt und bremst bei Gefahr
Zu den wichtigsten Neuerungen im MAN TGE gehört ein Kreuzungsassistent. Er erkennt Querverkehr, sobald der Transporter in eine Kreuzung einfährt.
Registriert das System ein Fahrzeug oder einen anderen Verkehrsteilnehmer, von dem eine Kollisionsgefahr ausgehen könnte, erhält der Fahrer frühzeitig eine Warnung. Die Warnungen erfolgen in mehreren Stufen. Wird ein Zusammenstoß unmittelbar wahrscheinlich, kann der TGE selbstständig eine Bremsung einleiten.
MAN weist jedoch darauf hin, dass die Funktion von der technischen Erkennung und den jeweiligen Straßenbedingungen abhängt. Sie ersetzt weder die Aufmerksamkeit des Fahrers noch dessen eigene Reaktion.
Besonders im Stadtverkehr kann der Assistent hilfreich sein. Lieferfahrzeuge passieren auf ihren Touren zahlreiche Kreuzungen, etwa auf dem Weg zu Geschäften, Lagern, Paketstationen und Kunden.
Kamera im Rückspiegel überwacht die Aufmerksamkeit
Auch die Überwachung von Aufmerksamkeit und Müdigkeit hat MAN überarbeitet.
Eine Multifunktionskamera im Innenspiegel analysiert unter anderem die Blickrichtung und die Augenaktivität des Fahrers. Erkennt das System Anzeichen von Ermüdung oder Ablenkung, kann es eine Warnung ausgeben.
Die weiterentwickelte Aufmerksamkeits- und Müdigkeitsüberwachung gehört bei allen MAN TGE des Modelljahrs 2027 zur Serienausstattung.
Nach Angaben von MAN wertet das System ausschließlich Signale zur Aufmerksamkeit des Fahrers aus. Persönliche Daten werden dabei nicht gespeichert.
Vorausschauende Regelung berücksichtigt Kurven und Tempolimits
Die Überarbeitung umfasst außerdem die adaptive Geschwindigkeitsregelung. Ihre neue vorausschauende Funktion greift auf Navigationsdaten, Verkehrsinformationen und von der Kamera erkannte Verkehrszeichen zurück.
Auf dieser Grundlage kann das System frühzeitig erkennen, wann eine niedrigere Geschwindigkeit erforderlich ist. Vor Kurven, Kreuzungen oder Strecken mit reduziertem Tempolimit passt es das Tempo bereits vor der betreffenden Stelle an.
Nach Einschätzung von MAN soll das für einen gleichmäßigeren Fahrverlauf sorgen, Bremsvorgänge reduzieren und sowohl den Fahrer als auch das Fahrzeug entlasten.
Bei der Verfügbarkeit gibt es allerdings eine Einschränkung: Die vorausschauende Geschwindigkeitsfunktion wird nur für TGE-Fahrzeuge der Klasse N1 mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen angeboten. Für die gesamte Transporterpalette von MAN ist sie damit nicht erhältlich.
Elektrischer eTGX soll bis zu 720 Kilometer schaffen
Parallel baut MAN sein Angebot für den schweren Güterverkehr aus. Der eTGX der nächsten Generation erhält eine aerodynamisch optimierte Auslegung, mehr nutzbare Batterieenergie und eine verbesserte Rekuperation beim Bremsen.
Der Verkauf des neuen eTGX soll Anfang April 2027 beginnen, die Produktion im Sommer 2027 anlaufen. MAN weist darauf hin, dass sich dieser Zeitplan noch ändern kann.
In der 4×2-Sattelzugmaschine liefern sechs Batteriepakete eine Nennkapazität von bis zu 552 kWh. Laut MAN reicht das für bis zu 660 Kilometer ohne Ladestopp.
Noch weiter soll die geplante dreiachsige Variante 6×2-4 kommen. Mit einem siebten Batteriepaket steigt die Nennkapazität auf 644 kWh, während die angegebene maximale Reichweite auf 720 Kilometer wächst.
Die genannten Werte gelten laut Hersteller für bestimmte Einsatzbedingungen. Wie weit der Lkw tatsächlich zwischen zwei Ladestopps kommt, hängt unter anderem vom Zuggesamtgewicht, der Strecke, der Außentemperatur und der Fahrweise ab. Im typischen Fernverkehr soll die Version 6×2-4 nach Angaben von MAN mehr als 600 Kilometer bewältigen können.
Mehr Reichweite mit unveränderten Batterieabmessungen
Die neue Batteriegeneration soll bis zu 10 Prozent mehr nutzbare Energie als das Vorgängermodell bereitstellen. Gewicht und Abmessungen der Module bleiben dabei unverändert.
Das Leergewicht der 4×2-Sattelzugmaschine gibt MAN mit rund 10,7 Tonnen an. Zusammen mit einem Standardauflieger soll das Gespann laut Hersteller bis zu 25 Tonnen Nutzlast bieten können und damit auf einem ähnlichen Niveau wie ein Dieselgespann liegen.
Die überarbeitete Frontpartie des Fahrerhauses soll den Luftwiderstand reduzieren. Zusammen mit der effizienteren Rückgewinnung von Bremsenergie und der neuen Batteriegeneration ergibt sich laut MAN eine um bis zu 3 Prozent höhere Energieeffizienz als bei der vorherigen eTGX-Generation.
Laden während der gesetzlich vorgeschriebenen Pause
Auch beim Megawattladen will MAN neue Einsatzmöglichkeiten schaffen. Die Fahrzeuge können das MCS-System mit einer Ladeleistung von bis zu 750 kW nutzen. Ist die entsprechende Infrastruktur vorhanden, lässt sich die Batterie in etwa 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent laden.
Mit der neuen eTGX-Generation ist diese Technik allerdings nicht erstmals verfügbar. MAN produziert bereits seit Juli 2026 eTGX- und eTGS-Lkw mit MCS-Ausstattung.
Der Hersteller sieht vor, den Ladevorgang während der vorgeschriebenen Fahrerpause einzuplanen. Ob sich die technischen Möglichkeiten im Alltag vollständig nutzen lassen, hängt jedoch von ausreichend leistungsfähigen Ladepunkten entlang der Güterverkehrsrouten ab.
TGE und eTGX setzen damit unterschiedliche Schwerpunkte. Beim Transporter stehen mehr Sicherheit im Stadt- und Regionalverkehr im Vordergrund. Der elektrische eTGX zielt dagegen auf höhere Reichweiten, einen niedrigeren Energieverbrauch und eine bessere Eignung für den Fernverkehr.









