Die wichtigsten Punkte
- Der irische Kompromissvorschlag für den EU-Haushalt 2028–2034 sieht 8 % weniger vor als der Entwurf der Europäischen Kommission.
- Nach Einschätzung der IRU könnten im Verkehrsteil der Connecting Europe Facility rund 5 Milliarden Euro fehlen.
- Die Kommission hat 51,5 Milliarden Euro für Verkehr und militärische Mobilität vorgesehen. Die Verkehrsbranche fordert mindestens 100 Milliarden Euro.
- Mit den CEF-Mitteln werden grenzüberschreitende Korridore, sichere Lkw-Parkplätze und Infrastruktur für emissionsfreie Fahrzeuge finanziert.
Die IRU machte den irischen Vorschlag am 14. Oktober öffentlich. Nach Angaben der Organisation würde der Kompromiss des irischen Ratsvorsitzes für den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen der EU das von der Kommission vorgeschlagene Gesamtbudget um 8 % reduzieren. Für den Verkehrsteil der Connecting Europe Facility wären demnach rund 5 Milliarden Euro weniger vorgesehen.
„Wir bedauern diese Absicht“, erklärte Raluca Marian, EU-Direktorin der IRU. Europa brauche kontinuierliche Investitionen, die sich nicht allein aus den nationalen Haushalten finanzieren ließen.
Was für den Straßengüterverkehr auf dem Spiel steht
Die Connecting Europe Facility ist das zentrale EU-Förderinstrument für Verkehrsinfrastruktur von europäischer Bedeutung. Für den Straßengüterverkehr fließen daraus laut IRU Mittel in:
- grenzüberschreitende Verkehrskorridore,
- Infrastruktur für emissionsfreie Fahrzeuge, darunter Lkw-Ladestationen,
- sichere und geschützte Lkw-Parkplätze,
- digitale und intelligente Verkehrsinfrastruktur.
Gerade in diesen Bereichen bestehen aus Sicht der Transportunternehmen die größten Lücken. Europa verfügt weiterhin über zu wenige sichere Lkw-Parkplätze. Auch Unternehmen, die auf Elektro-Lkw umsteigen wollen, finden entlang ihrer Routen nur schwer leistungsstarke Ladestationen.
Die Nachfrage nach CEF-Fördermitteln übersteigt laut IRU bereits heute das verfügbare Budget. Eine Kürzung würde die bestehende Finanzierungslücke daher noch vergrößern.
51,5 Milliarden Euro geplant, 100 Milliarden Euro gefordert
Im Juli 2025 legte die Europäische Kommission ihren Vorschlag für die Connecting Europe Facility im Zeitraum 2028–2034 vor. Insgesamt sind 81,4 Milliarden Euro vorgesehen: 51,5 Milliarden Euro für Verkehr und militärische Mobilität sowie 29,9 Milliarden Euro für Energie.
Für die Verkehrsbranche reicht dieser Ansatz allerdings nicht aus. Im Februar 2026 wandten sich 45 europäische Verkehrsorganisationen, darunter die IRU, in einem gemeinsamen offenen Brief an die Mitgliedstaaten. Sie forderten mindestens 100 Milliarden Euro. Allein für das TEN-T-Kernnetz seien bis 2030 Investitionen von rund 500 Milliarden Euro erforderlich.
Eine Kürzung um 5 Milliarden Euro würde den EU-Haushalt noch weiter von diesem Bedarf entfernen.
Auch Kraftstoffpreise, Zahlungsverzug und Fahrermangel sind Thema
Der Finanzrahmen ist nicht das einzige Thema, das die IRU mit Irland bespricht. Am 15. Oktober trafen sich die IRU und die Irish Road Haulage Association mit Sean Canney, Irlands Staatsminister für Verkehr. Dabei ging es unter anderem um:
- hohe Kraftstoffkosten infolge der Verwerfungen rund um die Straße von Hormus. Viele Unternehmen arbeiten mit Margen von lediglich 1 bis 2 %,
- eine geplante EU-Regelung, nach der Rechnungen ohne Ausnahmen innerhalb von 30 Kalendertagen bezahlt werden müssten,
- Gewichte und Abmessungen, den kombinierten Verkehr sowie den Emissionshandel,
- die Gewinnung neuer Fahrer sowie eine Modernisierung der Berufszugangsbescheinigung (CPC).
Wie es weitergeht
Der Mehrjährige Finanzrahmen muss von den Mitgliedstaaten einstimmig beschlossen und anschließend vom Europäischen Parlament gebilligt werden. Die vorgeschlagenen Summen können sich im weiteren Verfahren daher noch verändern. Die IRU will die Verhandlungen gemeinsam mit den EU-Institutionen und den nationalen Regierungen weiter begleiten.
Für Transportunternehmen wird das Ergebnis entscheidend sein: Es legt fest, wie viele neue sichere Lkw-Parkplätze und Ladehubs für Elektro-Lkw ab 2028 mit EU-Mitteln kofinanziert werden können.








