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Öltanker verdienen mehr als 500.000 Dollar täglich – Diesel unter Druck

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Der Transport von Rohöl auf dem Seeweg war noch nie so teuer: Anfang Oktober lagen die durchschnittlichen Tageserlöse von Rohöltankern weltweit bei mehr als 500.000 US-Dollar – dem Zehnfachen des Durchschnittswerts von 2025. Zusammen mit den hohen Raffineriemargen könnte das den Basispreis für einen Liter Diesel um mehr als 50 US-Cent erhöhen. Für Transportunternehmen bleibt der Konflikt im Nahen Osten damit auch an der Zapfsäule spürbar.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Die wichtigsten Punkte

  • Die weltweiten Durchschnittserlöse von Rohöltankern überstiegen Anfang Oktober 500.000 US-Dollar pro Tag – zehnmal mehr als im Durchschnitt von 2025.
  • Der Transport von Rohöl aus Saudi-Arabien nach Rotterdam kostete im September mehr als 35 US-Dollar pro Barrel. 2025 waren es rund 2 US-Dollar.
  • Zusammen mit den hohen Raffineriemargen könnten die gestiegenen Kosten den Basispreis für einen Liter Diesel laut ING um mehr als 0,50 US-Dollar erhöhen.
  • In Großbritannien erreichte Diesel Anfang Oktober mit 199,52 Pence pro Liter einen neuen Rekord.

Die Zahlen stammen aus einer Analyse von Rico Luman, dem leitenden Branchenökonomen für Transport und Logistik bei ING. Der am 7. Oktober veröffentlichte Bericht basiert auf Daten von Clarksons.

Warum die Tankerraten stark steigen

Laut ING kommen derzeit mehrere Faktoren zusammen:

  • der anhaltende Krieg mit Iran sowie Störungen in der Straße von Hormus, im Bab al-Mandab und im Golf von Aden,
  • ein Wettlauf um verfügbare Schiffskapazitäten, weil Händler nach alternativen Routen und Lieferanten suchen – darunter zunehmend Anbieter aus den USA,
  • ein geschützter Korridor durch omanische Gewässer, Shuttle-Verkehre rund um die Straße von Hormus und Umladungen von Schiff zu Schiff außerhalb der Engstelle,
  • extrem hohe Versicherungsprämien für Einsätze in Kriegsgebieten,
  • ein knappes Schiffsangebot infolge des Rekordtiefs bei den Bestellungen in den Jahren 2022 und 2023 sowie der Verlagerung älterer Schiffe in Russlands Schattenflotte.

„Dieser Anstieg übertrifft alle bislang bekannten Niveaus“, schreibt ING. Besonders stark verteuerten sich die Frachtraten für Suezmax-Tanker und sehr große Rohöltanker, sogenannte VLCCs, die bis zu 2 Millionen Barrel transportieren können.

Transportkosten steigen von 2 auf mehr als 35 US-Dollar pro Barrel

Die Auswirkungen auf die Transportkosten sind erheblich. Für die Route von Ras Tanura in Saudi-Arabien nach Rotterdam wurden 2025 rund 2 US-Dollar pro Barrel fällig. Im September 2026 waren es bereits mehr als 35 US-Dollar.

Gleichzeitig erzielen Raffinerien Rekordmargen. Der sogenannte Diesel-Crack-Spread – also die Differenz zwischen dem Diesel- und dem Rohölpreis – lag in Europa laut ING etwa zweieinhalbmal so hoch wie im Durchschnitt von 2025. Zusammen könnten die höheren Frachtkosten und Raffineriemargen den Basispreis für einen Liter Diesel um mehr als 0,50 US-Dollar erhöhen.

Auch die Erlöse von Produktentankern, die raffinierte Kraftstoffe wie Diesel transportieren, haben sich gegenüber 2025 verdreifacht. Der Anstieg fällt allerdings moderater aus als bei den Rohöltankern.

Wo die Ölpreise aktuell stehen

Die Rohölpreise liegen weiterhin deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde EIA lag der durchschnittliche Brent-Kassapreis im September 2026 bei 114,16 US-Dollar pro Barrel. 2025 waren es im Jahresmittel 69,14 US-Dollar. Am 6. Oktober wurde Brent mit 125,44 US-Dollar gehandelt. Die Terminkurse liegen niedriger: Für das vierte Quartal 2026 erwartet die EIA einen durchschnittlichen Brent-Preis von 105 US-Dollar, für 2027 von 84 US-Dollar.

Die Versorgung bleibt angespannt. In ihrem Septemberbericht erklärte die Internationale Energieagentur, die Transporte durch die Straße von Hormus seien „weiterhin stark eingeschränkt“. Die Diesel- und Gasölexporte aus der Golfregion lägen bei etwa einem Viertel des Vorkriegsniveaus. Mit einer vollständigen Erholung rechnet die Agentur erst ab 2027.

Für europäische Transportunternehmen ist das besonders relevant, weil Europa auf Dieselimporte angewiesen ist. Wie bereits berichtet, bezieht Europa Diesel inzwischen aus bis zu 19.000 Kilometern Entfernung, da sich die Lieferwege immer weiter verlängern.

Was Transportunternehmen an der Zapfsäule bezahlen

An den Tankstellen sind die Folgen bereits deutlich sichtbar. In Großbritannien stieg der durchschnittliche Dieselpreis in der Woche vom 5. Oktober auf 199,52 Pence pro Liter. Damit erreichte er den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen, wie Daten der britischen Regierung zeigen. Zu Jahresbeginn hatte der Preis noch bei 144,19 Pence gelegen.

Eine schnelle Entlastung ist nicht in Sicht

Laut ING dürfte sich die Lage kurzfristig kaum verbessern. Die Bestellungen für neue Rohöltanker haben sich in diesem Jahr verdoppelt. Ihr Umfang entspricht inzwischen 28 Prozent der Flotte – nach 14 Prozent zuvor. Viele dieser Schiffe werden jedoch erst 2028 oder 2029 ausgeliefert, also vermutlich dann, wenn die aktuelle Hochpreisphase bereits vorbei ist.

„Entscheidend sind die geopolitische Lage und die weitere Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten“, schreibt ING. Der Tankermarkt könnte deshalb auch 2027 noch solide laufen.

Was das für Unternehmen im Straßengüterverkehr bedeutet

  • Nicht auf sinkende Dieselpreise verlassen: Selbst wenn die Rohölpreise nachgeben, können hohe Frachtkosten und Raffineriemargen den Dieselpreis weiter nach oben treiben.
  • Treibstoffklauseln prüfen: Verträge mit Kunden sollten eine schnelle Weitergabe steigender Kraftstoffkosten ermöglichen.
  • Kraftstoffeffizienz verbessern: Fahrerschulungen, weniger Leerlauf, eine sorgfältige Routenplanung und der richtige Reifendruck machen sich bei diesen Dieselpreisen besonders bemerkbar.

Für Transportunternehmen dürften die Folgen des Konflikts auf den Schifffahrtsrouten daher zunächst an der Zapfsäule spürbar bleiben.

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