Ein Beitrag von „rbb24 Brandenburg aktuell“ begleitete eine Nachtschicht der Autobahnpolizei aus Fürstenwalde. Im Fokus stehen Park- und Rastanlagen auf der Strecke von der polnischen Grenze Richtung Berlin. Die Beamten achten auf beschädigte Auflieger, auffällige Personen sowie Transporter, die sich für den schnellen Abtransport gestohlener Ware eignen könnten.
Kontrollen rund um Mitternacht
Eine Station ist der Rastplatz Kersdorfer See an der A12. Gegen Mitternacht stehen die Lkw dicht an dicht – die Fahrer versuchen, ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten bestmöglich zu nutzen. Parallel laufen Polizisten mit Taschenlampen die Reihen ab und prüfen Planen und Aufliegerseiten auf Spuren von Aufbrüchen.
An einem Auflieger fiel ein typischer, halbkreisförmiger Schnitt auf. Solche Öffnungen reichen aus, um einen Blick ins Innere zu werfen, ohne den gesamten Aufbau zu öffnen. In diesem Fall dürfte die Ladung für die Täter nicht interessant gewesen sein – der Schnitt war später von innen abgeklebt worden.
Die Täter schlagen meist zu, wenn die Fahrer schlafen. Ein kleiner Schnitt kann zunächst nur ein „Test“ sein – bevor es zum eigentlichen Diebstahl kommt.”
Während einer Schicht kontrolliert ein Zweierteam etwa sechs Parkplätze. Zusätzlich achten die Beamten auf auffällig abgestellte Transporter: Mit ihnen lassen sich Kartons oder Paletten in kurzer Zeit umladen und abtransportieren.
Weniger Fälle – deutlich höhere Schäden
Die Statistik aus Brandenburg wirkt auf den ersten Blick beruhigend: 2025 wurden 55 Fälle registriert, bei denen Planen von Curtainsidern aufgeschlitzt wurden. 2024 waren es 65 – ein Rückgang um rund 15 Prozent.
Finanziell zeigt sich jedoch ein anderes Bild: 2024 lagen die Schäden knapp unter 10.000 Euro, 2025 stiegen sie auf knapp 167.000 Euro. Das bedeutet: weniger Taten, aber im Schnitt deutlich wertvollere Beute.
Zum Vergleich: 2020 zählte die Polizei in Brandenburg 144 solcher Delikte. Die Zahl der Anzeigen ist seither zwar gesunken, verschwunden ist das Risiko aber nicht. Dass die Schadenssummen steigen, kann darauf hindeuten, dass Täter gezielter vorgehen und besser vorbereitet sind – das ist jedoch eine Einordnung auf Basis der Zahlen und keine von der Polizei bestätigte Täterbeschreibung.
Aufklärung nur in etwa jedem dritten Fall
Auch bei der Aufklärung bleibt die Bilanz überschaubar: Von den 55 Fällen in Brandenburg im Jahr 2025 wurden 20 aufgeklärt. Damit konnten Verdächtige nur in etwas mehr als einem Drittel der Fälle ermittelt werden.
Die Täter während der Tat zu stellen, ist besonders schwierig. Rastplätze sind groß, zwischen den Fahrzeugen bleibt kaum Raum, und ein Streifenteam mit zwei Personen kann nicht Dutzende Lkw gleichzeitig im Blick behalten. Am von rbb24 besuchten Standort standen rund 40 Fahrzeuge.
Hinzu kommt laut Polizei die oft schlechte Ausleuchtung: In der Dunkelheit lässt sich leichter zwischen Aufliegern bewegen – und ebenso leichter unter einem Fahrzeug verstecken oder verschwinden, bevor eine Streife vor Ort ist.
Nicht nur Ladung: Auch Alkohol und Kleidung geraten ins Visier
Wie präsent das Thema ist, zeigen auch mehrere gemeldete Diebstähle Anfang Juli an Autobahnparkplätzen rund um Berlin.
Am Rastplatz Ladeburger Heide an der A11 wurde in der Nacht in den Anhänger beziehungsweise Sattelauflieger von zwei Lkw eingebrochen, während die Fahrer schliefen. Entdeckt wurde der Diebstahl gegen 3.15 Uhr.
In der Nacht davor traf es den Rastplatz Kranichberge an der A10: Aus einem Fahrzeug verschwanden mehr als 20 Kartons mit alkoholischen Getränken, jeweils mit sechs Flaschen pro Karton. Der Schaden wurde im vierstelligen Bereich angesetzt. Aus einem weiteren Lkw wurden sieben Kartons mit Kleidung entwendet; hier sprach die Polizei von einem Schaden im fünfstelligen Bereich. Es wurde geprüft, ob die Taten zusammenhängen.
Auch Fahrer selbst können Opfer werden
Die Polizei weist darauf hin, dass es nachts nicht immer nur um die Ladung geht. Wer die Kabine während der Pause nicht abschließt, riskiert den Verlust von Dokumenten, Bargeld oder persönlicher Ausrüstung.
Der rbb24-Bericht zeigt außerdem: Viele Fahrer fühlen sich vor allem auf schlecht beleuchteten Rastanlagen unwohl. Ein Fahrer auf Tour von Poznań nach Dortmund sagte, er sei selbst noch nicht betroffen gewesen, habe aber zahlreiche Berichte von Kollegen gehört.
Wer in der Kabine schläft, hört oft weder den Schnitt in die Plane noch das Verräumen von Kartons. Auffällig wird der Diebstahl häufig erst, wenn es weitergehen soll.”
Niedersachsen: Schäden steigen auf neun Millionen Euro
Ein ähnliches Muster zeigt sich auch in Niedersachsen, einer der wichtigsten Logistik- und Transitregionen Deutschlands: Die Zahl der Fälle ging zurück – zugleich erreichte der Wert der Schäden einen Höchststand.
2025 lag der Wert der durch sogenannte Planenschlitzer beschädigten oder gestohlenen Ware bei rund 9 Mio. Euro. Zum Vergleich: 2024 wurden 5,58 Mio. Euro erfasst, 2023 waren es 4,81 Mio. Euro.
Viele Taten wurden entlang der A2 und A7 im Raum Hannover registriert, wo zentrale Transportachsen zusammenlaufen. Die Region gilt als besonders anfällig – unter anderem wegen der Anbindung an Seehäfen, der hohen Dichte an Verteilzentren und des starken Transitverkehrs.
Das Vorgehen ähnelt dem in Brandenburg: Zunächst wird die Plane nur klein geöffnet, um die Ladung zu prüfen. Wirkt sie wertvoll, versuchen die Täter, in den Auflieger zu gelangen und Ware zu entnehmen – oft während der Fahrer noch seine Pause macht.
Nach Angaben von Branchenvertretern sind vor allem Elektronik, Lebensmittel, industrielle Halbfertigprodukte und andere hochwertige Güter gefährdet. Unternehmen investieren in widerstandsfähigere Planen, Überwachung sowie Ortungs- und Trackingsysteme – doch das senkt das Risiko nur, es beseitigt es nicht. Verbände fordern deshalb erneut mehr bewachte und überwachte Lkw-Stellplätze entlang der Hauptkorridore.
Gesicherte Stellplätze bleiben Mangelware
Nachtstreifen können abschrecken und helfen, beschädigte Auflieger schneller zu entdecken – sie ersetzen aber keine durchdacht gesicherten Rastanlagen. Gute Beleuchtung, kontrollierte Zufahrten, Videoüberwachung und regelmäßige Sicherheitspräsenz erschweren es Tätern, sich unbemerkt an Lkw heranzuschleichen.
Die Kontrollen an der A12 zeigen zugleich die Grenzen reiner Polizeiarbeit: Zwei Beamte, die mehrere Plätze anfahren, können nicht jedes Fahrzeug die ganze Nacht schützen. Ist die Streife weitergezogen, können Täter zurückkehren.
Die Zahlen aus Brandenburg und Niedersachsen deuten auf denselben Effekt hin: Die Fallzahlen können sinken, doch einzelne Taten werden teurer. In Brandenburg stiegen die Schäden von knapp 10.000 Euro auf knapp 167.000 Euro, in Niedersachsen wurde mit 9 Mio. Euro ein Höchstwert registriert.
Damit geht es um mehr als eine aufgeschlitzte Plane: Die eigentlichen Kosten entstehen durch fehlende Ware, Standzeiten, Reparaturen, Versicherungsabwicklung und gestörte Lieferketten. Ohne deutlich mehr gesicherte Parkkapazitäten können Nachtkontrollen und technische Schutzmaßnahmen der Unternehmen das Risiko nur verringern – nicht aus der Welt schaffen.









