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Wenn der günstigste Frachtführer zur teuersten Wahl wird

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Ein niedriger Frachtpreis wirkt zunächst attraktiv. Doch sobald eine Ladung verschwindet, zeigt sich, wie teuer eine allein am Preis orientierte Entscheidung werden kann. Ladungsdiebstähle sind zunehmend auf lückenhafte Abläufe, unzureichende Partnerprüfungen und hohen Zeitdruck zurückzuführen – nicht allein auf fehlende Ortungstechnik. Für Verlader zählt deshalb vor allem eine Frage: Welcher Transportpartner schützt das eigene Geschäft zuverlässig?

Niedrigstes Angebot, größtes Risiko: Was Ladungsdiebstähle über die Frachtführerwahl lehren

  • Wer den günstigsten Frachtführer beauftragt, ohne dessen Sicherheitsstandards zu prüfen, kann das Diebstahlrisiko deutlich erhöhen.
  • Schlösser und GPS-Ortung bringen wenig, wenn geschulte Mitarbeitende fehlen und Nachunternehmer entlang der Lieferkette nicht gründlich kontrolliert werden.
  • Sichere Transporte erfordern bereits bei der Planung die erforderlichen Ressourcen von Verladern, Speditionen und Frachtführern.

Daher sollte eine einfache Frage selbstverständlich sein: Bedeutet das günstigste Angebot tatsächlich, dass man einen sicheren Transport einkauft? Lange Zeit setzten viele Unternehmen Transportsicherheit im Wesentlichen mit GPS-Ortung, einem Aufliegerschloss und einer Transportversicherung gleich.

Heute ist klar, dass diese Maßnahmen allein nicht ausreichen. Transportkriminalität macht sich häufig Schwachstellen in Abläufen, unzureichende Prüfungen von Geschäftspartnern, fehlende Vorgaben und den Druck, Zeit zu sparen, zunutze. Selbst die beste Technik schützt eine Ladung nicht, wenn Mitarbeitende oder interne Kontrollen versagen.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Frachtführer. Verlader erwarten zeitgemäße Überwachungssysteme, gut geschulte Fahrer, eine Routenplanung mit eingeplanten sicheren Parkmöglichkeiten, geprüfte Nachunternehmer und Schutzmaßnahmen, die aktuellen Bedrohungen gerecht werden. Diese Erwartungen sind berechtigt. Sicherheit entsteht jedoch nicht automatisch, sondern durch kontinuierliche Investitionen.

100 Euro sparen – oder 300.000 Euro riskieren?

Ein typisches Szenario macht das Dilemma deutlich: Ein Hersteller muss Waren im Wert von 300.000 Euro transportieren und erhält mehrere Angebote. Der günstigste Anbieter liegt rund 100 Euro unter den übrigen Angeboten. Gerade in einem Markt, in dem jede Ausgabe kritisch geprüft wird, scheint diese Wahl zunächst vernünftig.

Doch wer fragt tatsächlich, ob der Frachtführer seine Fahrer regelmäßig über neue Methoden von Kriminellen schult? Gibt es ein verlässliches Verfahren zur Prüfung von Nachunternehmern? Werden Pausen ausschließlich auf gesicherten Parkplätzen eingeplant? Wissen die Mitarbeitenden, wie sie reagieren müssen, wenn jemand versucht, die Ladung durch Täuschung zu übernehmen oder sich als beauftragter Frachtführer ausgibt?

Wenige Tage später ist die Sendung verschwunden. Die Ermittlungen beginnen, der Kunde verlangt Erklärungen und der Versicherer prüft, ob alle vorgeschriebenen Abläufe eingehalten wurden. Das Unternehmen muss mit Verzögerungen, finanziellen Einbußen und schwierigen Gesprächen rechnen.

Die Ersparnis betrug 100 Euro. Der Schaden kann mehrere hunderttausend Euro erreichen. Hinzu kommen möglicherweise ein Vertrauensverlust bei Kunden, Unterbrechungen der Lieferfähigkeit, zusätzliche Prüfungen, höhere Versicherungsprämien und der langwierige Wiederaufbau des beschädigten Rufs. Sicherheit ist deshalb kein gewöhnlicher Kostenpunkt, sondern eine Investition in die Geschäftskontinuität.

Diese Fragen sollten Sie Ihrem Frachtführer stellen

Immer mehr Unternehmen erkennen diesen Zusammenhang. Einkaufsteams erkundigen sich nach Sicherheitsstandards für Ladungen, vorhandenen Zertifizierungen, Verfahren zur Prüfung von Frachtführern und Erfahrungen im Umgang mit besonders wertvollen Gütern. Das markiert einen wichtigen Wandel: Sicherheitsaspekte sollten von Beginn an in die Lieferantenauswahl einfließen und nicht erst nach Vertragsabschluss berücksichtigt werden.

Das bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen automatisch die teuerste verfügbare Lösung wählen muss. Entscheidend ist vielmehr, dass Beschaffungsentscheidungen dem tatsächlichen Risikoniveau entsprechen.

Der Preis ist nur ein Teil der Entscheidung. Verlader sollten ebenso prüfen, wie ein Frachtführer Sicherheitsrisiken steuert, seine Fahrer schult, Geschäftspartner kontrolliert und im Ernstfall reagiert.

Für die Sicherheit der Ladung ist nicht allein der Frachtführer verantwortlich. Hersteller, Speditionen, Logistikdienstleister und Transportunternehmen tragen gemeinsam dazu bei. Wer ein hohes Schutzniveau erwartet, muss Sicherheitsmaßnahmen deshalb bereits in Planung und Einkauf verankern – statt sie später als optionalen Zusatz zu behandeln.

Die wichtigste Frage lautet daher nicht mehr: „Welcher Frachtführer ist am günstigsten?“ Sinnvoller ist: „Welcher Transportpartner kann mein Geschäft am besten schützen?“

Dieser Beitrag ist Teil einer fortlaufenden Serie über die zunehmende Gefahr von Ladungsdiebstählen und Sicherheitsrisiken in der Transportbranche. Die Reihe zeigt, wie kriminelle Gruppen vorgehen und wie Unternehmen ihre Sendungen und Fahrer besser schützen können. Alle Beiträge finden Sie unter dem Hashtag #TransportSecurityInsights.
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