Kernaussagen:
- Rhenus verzeichnet im Jahresvergleich ein Wachstum von mehr als 30 Prozent bei den Exportmengen von Spanien nach Lateinamerika.
- Der Anstieg betrifft sowohl die Luftfracht als auch den Seeverkehr.
- Rohstoffe und Chemikalien machen mehr als 60 Prozent des seeseitigen Exportvolumens auf dieser Verbindung aus.
- Rhenus beobachtet zunehmend mittelständische spanische Industrieunternehmen, die in Lateinamerika aktiv werden.
- Die Zahlen beziehen sich auf die Aktivitäten von Rhenus und nicht auf die spanischen Exporte in die Region insgesamt.
In einer am 22. September veröffentlichten Mitteilung bezeichnete Rhenus Spanien als einen der am schnellsten wachsenden europäischen Märkte in seinem Lateinamerika-Netzwerk. Das Unternehmen nannte weder die Tonnage noch die Zahl der Sendungen oder den genauen Vergleichszeitraum. Auch eine Aufschlüsselung nach Zielländern fehlt. Die Zahl lässt daher keinen Rückschluss darauf zu, dass die spanischen Exporte nach Lateinamerika insgesamt im gleichen Maß gestiegen sind.
Industriegüter treiben das Seefrachtvolumen
Waren aus Industriezweigen machen einen erheblichen Teil der von Rhenus abgewickelten Güterströme aus. Rohstoffe und Chemikalien entfallen auf mehr als 60 Prozent des seeseitigen Exportvolumens von Spanien nach Lateinamerika.
Diese Angabe bezieht sich ausschließlich auf den Seetransport. Für die Luftfracht hat Rhenus keine vergleichbare Aufschlüsselung veröffentlicht und auch keine wichtigsten Zielländer für diese Güter genannt.
Nach Angaben des Unternehmens hängt die stärkere Nachfrage damit zusammen, dass spanische Unternehmen ihre internationale Präsenz ausbauen und ihre Abhängigkeit von wenigen Absatzmärkten verringern wollen.
Immer mehr spanische Unternehmen nehmen Lateinamerika in ihre Wachstumsstrategien auf. Dass Luft- und Seefracht gleichzeitig zulegen, zeigt, dass ihr Geschäft in der Region an Dynamik gewinnt, sagt Monica Ruebenkoenig, Leiterin der Routenentwicklung bei Rhenus Air & Ocean.
Mittelständler nehmen Lateinamerika stärker ins Visier
Auch bei den Kundengruppen beobachtet Rhenus Veränderungen. Neben großen internationalen Konzernen planen immer mehr mittelständische spanische Industrieunternehmen die Expansion in lateinamerikanische Märkte.
Diese Internationalisierung verändert laut Rhenus die Anforderungen an die Lieferkette. Unternehmen, die in mehreren Ländern tätig sind, wünschen sich eine bessere Sendungstransparenz, schnelle Reaktionsmöglichkeiten bei Störungen und skalierbare Abläufe. Sie wollen vermeiden, für jeden Markt eine eigene Lieferkette aufbauen zu müssen.
Nach Angaben von Marc Ortega, Vertriebsleiter von Rhenus Air & Ocean in Spanien, benötigen diese Kunden mehr als reine Transportkapazitäten. Sie wollen ihre Lieferkette enger steuern und ihre Abläufe flexibel an das weitere Unternehmenswachstum anpassen können.
Wie viele mittelständische Unternehmen ihren Export mit Rhenus aufgenommen haben oder welchen Anteil sie am Mengenwachstum ausmachen, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
EU-Mercosur-Abkommen könnte neue Handelsströme fördern
Der von Rhenus gemeldete Anstieg des Sendungsaufkommens fällt zeitlich mit der vorläufigen Anwendung des Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Mercosur ab dem 1. Mai 2026 zusammen. Das Abkommen soll die Handelsbarrieren zwischen der EU und den vier von ihm erfassten südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay verringern.
Rhenus geht davon aus, dass eine engere wirtschaftliche Verflechtung neue Handelsströme fördern und Exporteuren wie Importeuren auf beiden Seiten des Atlantiks zusätzliche Möglichkeiten eröffnen könnte.
Beide Entwicklungen dürfen jedoch nicht gleichgesetzt werden. Lateinamerika ist ein größerer Markt als der Mercosur-Raum. Zudem zeigen die veröffentlichten Rhenus-Zahlen nicht, welcher Anteil des Wachstums auf die vier Länder des Abkommens entfällt. Ebenso lässt sich daraus nicht ableiten, dass die vorläufige Anwendung des Abkommens den von Rhenus gemeldeten Anstieg verursacht hat.
Die verfügbaren Angaben zeigen bislang nur einen klaren Trend: Rhenus transportiert mehr Fracht von Spanien nach Lateinamerika – auf dem Luft- und Seeweg, mit Industriegütern als wichtigem Teil des Volumens. Wie sich der spanische Außenhandel insgesamt entwickelt, muss anhand offizieller Exportstatistiken bewertet werden.









