Foto: Tevva Truck / Marcel De Rycker, Head of EU Sales

Tevva Truck über Wachstumspläne in Deutschland und Schlüsseltechnologien für die Dekarbonisierung des Transportsektors

Gehören E-Fahrzeuge der Vergangenheit an? Viele hoffen auf Wasserstoff und Brennstoffzelle als Alternative zum Verbrenner. Im Gespräch mit Tevva Truck erfahren wir mehr über die Schlüsseltechnologien für die Dekarbonisierung des Transportsektors, die Wachstumspläne in Deutschland und das Produktportfolio des Unternehmens.

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Tevva Truck – ein neuer Marktteilnehmer aus Großbritannien mischt bei der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie in Europa mit. Um mehr über das Konzept und die Wachstumspläne des Fahrzeugherstellers zu erfahren, haben wir uns mit Marcel De Rycker von Tevva Truck unterhalten.

Wie lange ist Tevva Truck auf dem Markt und stimmt es, dass Tevva ein Start-up ist?

Wir existieren schon seit 2013 und haben mittlerweile 300 Mitarbeiter. Momentan befinden wir uns im nächsten Wachstumsschritt, somit würde ich uns eher als ein Scale-up bezeichnen. Beispielsweise sind wir gerade dabei unsere dritte Generation der Elektro-Fahrzeuge auf dem Markt zu bringen. In Großbritannien haben wir in den letzten Jahren mehrere Kunden beliefert, die unsere Trucks weiterhin in Betrieb haben.

Welche Nutzfahrzeuge bietet Tevva Truck an?

Wir haben heute zwei 7,5 Tonnen Fahrzeuge Varianten, die bereits bestellt werden können. Ein Fahrzeugmodell ist voll elektrisch und wird derzeit an Kunden in Großbritannien ausgeliefert. Das zweite Fahrzeugmodell bezieht die Energie aus einer Wasserstoff-Brennstoffzelle und ist zudem mit einer intelligenten Software ausgestattet, die wir selbst entwickelt haben. Die Software berechnet vor der Fahrt nach Eingabe der Strecke, wo es am besten und effizientesten ist den Wasserstoff zu nutzen, um die Batterie aufzuladen.

Überdies befinden sich noch zwei zusätzliche Modelle in der Entwicklung. Auf der IAA Transportation haben wir unsere Weltpremiere vorgestellt: Einen 19-Tonner mit einem Batterie-Wasserstoffbrennstoffzellen-Antrieb und einer Reichweite von über 400 Kilometern. An Kunden wird das Fahrzeug im September 2023 ausgeliefert. Das zweite Modell ist ein Verteiler-LKW mit 12 Tonnen, den wir 2024 auf den Markt bringen werden.

Können Sie uns mehr über Ihre Weltpremiere sagen. Kann der 19-Tonner auf allen Strecken eingesetzt werden? Wie sehen die Reichweite, Ladekapazität und die Gesamtbetriebskosten aus?

Unserer 19-Tonner ist ein Prototyp mit einer vorgesehenen Reichweite von ca. 400 Kilometern. Jedoch haben wir bei den Reichweiten einen gewissen Spielraum. So können wir beispielsweise bei Wasserstoff mit vier und mehr Tanks Kapazitäten entwickeln, mit denen man 500 oder 600 Kilometer fahren kann. Je mehr Tanks, desto geringer wird aber hier natürlich die Ladekapazität.

Wir werden wie bei allen herkömmlichen 19-Tonnern, die gleiche Ladekapazität haben, angepasst an den Kunden natürlich, ob dieser einen Kastenwagen, einen Kran oder ein Kühlsystem haben möchte.

Wenn es um die Gesamtbetriebskosten (TCO) geht, so ist unser Ziel diese innerhalb von vier Jahren zu senken, so dass wir im Vergleich zum Dieselantrieb billiger ausfallen. Gegenüber dem Dieselantrieb haben wir auch den Vorteil, dass der Restwert der Dieselfahrzeuge in den nächsten Jahren dramatisch zusammenbrechen wird, da man mit diesen bereits heute kaum noch in der City fahren darf. Das bedeutet, dass wir mit unseren Fahrzeugen gegenüber den Dieselfahrzeugen bereits jetzt sehr gut dastehen.

Bis 2050 hat sich die EU zur Klimaneutralität im Straßenverkehr verpflichtet. Sind Ihrer Meinung nach die Ziele realistisch?

Ja, meiner Meinung nach sind die Ziele realistisch. Noch vor fünf Jahren staunten wir über Elektroautos, heute sind diese bereits Alltag. Die Innovationen erscheinen viel schneller und neue Technologien gehen zügig voran. Auch Wasserstoff wird kommen und das sehr schnell.

Wir sind momentan stark auf die Letzte Meile orientiert. Und das ist auch unser Ziel, wo wir hin möchten. Wenn wir aber langfristig in die Zukunft blicken, so überlegen wir auch auf die größeren LKW für den Fernverkehr zu setzen. Das ist natürlich stark von der Ladeinfrastruktur abhängig. Und wenn das besagte EU-Projekt hinsichtlich der Ladeinfrastruktur in Kraft anläuft, in Rahmen dessen alle 250 Kilometer eine Wasserstoffladestation aufgebaut werden soll, dann wird es auch viel einfacher für uns Hersteller sein, die Ziele zu realisieren.

Was unterscheidet Sie von anderen Nutzfahrzeug-Herstellern ?

Was wir wirklich anders machen, ist die ganze Technologie, die wir entwickelt haben. Manche Hersteller stürzen sich nicht sofort auf die Wasserstoffantriebe, wir hingegen sind die Vorreiter in diesem Bereich.

Zudem sind wir innovativ und leben nach dem Motto „Embrace Innovation“. Wenn es eine Innovation gibt, so stellen wir uns nicht die Frage, ob sie gut oder schlecht ist, sondern wir nutzen sie zum Vorteil für unsere Kunden und für die Umwelt.

Wir sind sehr umweltgeprägt. Das hört sich zwar an wie ein Trend, aber Tevva gibt es schon seit neun Jahren und wir nehmen das Thema tatsächlich ernst. Ein gutes Beisiel dafür sind unsere Batterien, die wir selbst bauen.

Zudem bieten wir ein TAAS-System (Truck as a Service) an und auch Qualität wird bei uns großgeschrieben. Bei uns geht nichts raus, was nicht passt und unsicher ist. Unsere Trucks durchlaufen solide Tests in allen Wetterlagen, bevor sie an den Kunden ausgeliefert werden.

Welche Wachstumspläne hat Tevva Truck und auf welche Märkte zielen Sie besonders ab?

Im Fokus steht derzeit Deutschland für uns, da es der größte LKW-Markt in Europa ist und daher auch ein fantastischer Markt für Tevva darstellt. Deutschland fokussiert sich sehr auf die Wasserstoffentwicklung und meiner Meinung nach wird Deutschland in Zukunft zu einem Wasserstoff-Land werden.

Aus diesem Grund bauen wir derzeit ein starkes Team in Deutschland auf und möchten richtig Gas geben. Zurzeit sind wir in der Verhandlungsphase mit diversen Partnern, mit denen wir kooperieren möchten – sei es im Vertriebsbereich oder im Servicebereich. Ich möchte dabei aber betonen, dass der Service in diesem Geschäft essenziell ist und sogar wichtiger als der Vertrieb. Ein richtiger Einstig in den deutschen Markt ist für Anfang 2023 geplant. In Spanien sind wir bereits vertreten und in Frankreich und Italien haben wir unser Geschäft gerade gelauncht.

Ich habe viele Jahre in Deutschland und bei deutschen Herstellern gearbeitet und aus Erfahrung kann ich sagen, dass wir ziemlich schnell in Deutschland Fuß fassen werden. Und in fünf Jahren erhoffen wir uns einen Marktanteil von 3 bis 4 Prozent.

Tevva TruckKlimaschutz und Nachhaltigkeit in Transport und Logistik

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