Ich habe Unternehmer aus Aschgabat in Frankfurt, Moskau und Warschau getroffen. Ich habe nie geglaubt , dass ich eines Tages in dieses hermetische Land kommen würde – dies war jedoch dank einer Einladung zu einer Logistikkonferenz im September 2018 möglich. Turkmenistan wollte de, Transport-und Logistikgewerbe den neu errichteten Hafen Turkmenbaszi am Kaspischen Meer vorstellen.

In Gesprächen mit Logistikinteressierten aus elf Ländern habe ich verstanden, dass die meisten von ihnen die Gelegenheit genutzt haben. Die Konferenz war ein guter Weg, um ein Visum zu bekommen. Sie kamen, um zu erleben, was Turkmenistan wirklich ist. Aber alles der Reihe nach …

Ein paar Worte zur Logistik

Turkmenische Logistik und Wirtschaft sind von der Politik abhängig. Einerseits massive Investitionen in Hafen, Straßen, Flughafen, Fabriken und andererseits schlechte Beziehungen zu den Nachbarländern. Beispielsweise ist es aufgrund des Konflikts mit dem Iran unmöglich oder sehr schwierig und teuer, Waren über die iranische Grenze in das Land zu bringen. Ein georgischer Partner erzählte mir, wie kürzlich mehrere Wagen der tadschikischen Eisenbahnen in Georgien beladen wurden. In der Zwischenzeit verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Turkmenistan und Tadschikistan, und die Wagen, die mit der Fähre über das Kaspische Meer zum Hafen von Turkmenbaszi gebracht wurden, durften gerade wegen ihres Zulassungslandes nicht in das Land einreisen. Der Absender musste die Wagen mit der Fähre zum Hafen von Alyat in Aserbaidschan zurückbringen, die Waren auf andere Wagen umladen und zurückschicken.

LKW-Fahrer reisen gerne von Europa nach Turkmenistan – eine sehr lange Strecke, man viel Neues zu sehen bekommen : ein völlig anderes Leben, andere Landschaften, unbekannte Gerichte, interessante Menschen. Jede Tour ist für sie ein Abenteuer. Eine weitere Attraktion sind Kamele, die auf den Straßen spazieren und in die Kabinenfenster schauen. Es gibt auch Hindernisse: Es ist schwierig, ein Visum zu bekommen und es dauert ziemlich lange, da es ein sehr restriktives Zollgesetz gibt. Wir haben von einem Fahrer gehört, der für sieben Monate wegen Zigarettenschmuggels ins Gefängnis musste. Außerdem wurde der Lastwagen beschlagnahmt. Der neue Hafen von Turkmenbaszi, den wir während der Konferenz besucht haben, bietet enorme logistische und kommerzielle Möglichkeiten, aber dort passiert bisher wenig. Kleine Fähren fahren unter aserbaidschanischer Flagge zwischen dem Hafen von Alyat in der Hauptstadt Aserbaidschans Baku und Turkmenbaszi. Nach östlicher Tradition gibt es keine genaue Plan: Wenn sie ankommt, dann fahren wir. Dsa kann sogar 1 bis 7 Tage dauern.

Ich fragte einen Spediteur: Machen Lkw-Fahrer auf dieser Fähre Party ? – Sicher, aber nicht wie auf der Fähre zwischen Georgien und der Ukraine. Einmal hat ein georgischer Kunde unserem Fahrer Wein übergeben, der brachte aber nicht mit – antwortete er lachend.

Seit einigen Jahren habe ich auch von Plänen gehört, dass eine Fähre zwischen dem Hafen von Turkmenbaszi und dem russischen Hafen von Makhachkala gelauncht werden soll. Diese Verbindung würde die Strecke in Richtung Europa um Tausende von Kilometern verkürzen, die zurückgelegt werden müssen, wenn man von Turkmenistan auf dem Landweg durch Usbekistan und Kasachstan reist. Der Startschuss soll  Anfang 2020 fallen. Ich weiß, dass sich die Projektgruppen beider Länder treffen und arbeiten. Wir warten das Endergebnis ab.

Unternehmertum

Was die Wirtschaft und das Geschäft anbelangt, so ist zu erwähnen, dass der Wohlstand des Landes vom Verkauf von Gas abhängt. Die Kündigung des Vertrages mit Russland führte zu einem drastischen wirtschaftlichen Rückgang. Derzeit ist die Situation im Land schwierig, obwohl China Gas kauft. Die meisten davon sind Staatsunternehmen. Es entstehen große moderne Produktionsanlagen, die diese Produktion jedoch nicht immer verkaufen können.

Es gibt zwei Wechselkurse. Es gibt fast keine Währungsumrechnung, was in der Praxis bedeutet, dass eine Währung von einem Unternehmen im Ausland mit einem Fremdwährungszufluss offiziell gekauft werden kann.

Beim Import geht die Ware zwecks Prüfungsverfahren ins Labor. Ein Kosmetikimporteur muss nach Eintreffen der Waren noch eine Woche auf die Testergebnisse warten, bevor er die Produkt auf den Markt bringt. Ein anderer Geschäftsmann, dessen Produkte aus Europa Teilspuren von GMO enthalten hatten, wurde  zwei Wochen lang verhört. Er wurde beschuldigt, das turkmenische Volk vergiften zu wollen. Am Ende musste er sich von den Waren verabschieden, die utilisiert wurden. Er war froh, auf freiem Fuß zu sein. Dort passieren so viele seltsame Dinge.

Generell haben Geschäftsleute von dort ein gemeinsames Merkmal – Mut, ich bewundere ihre Stärke. Turkmenische Unternehmer sollten bewusst, geduldig und weise Beziehungen aufbauen und dabei die dortige Kultur und Traditionen berücksichtigen.

Der Weg zur Konferenz

Eine Freundin, die Turkmenistan ein Jahr zuvor auf ihrem Weg in den Iran besucht hatte (es ist einfacher, ein Transitvisum zu erhalten als direkt in das Land), gab mir einige Tipps, wie ich mich vor Ort verhalten sollte:

1. Machen Sie keine Bildaufnahmen

2. Tauschen Sie Währung vorzugsweise über einen turkmenischen Partner

3. Sie bezahlen doppelt so viel im Fall Kartenzahlung

4. Kleiden Sie sich angemessen

 

5. Bitte wundern Sie sich nicht.

 

Foto: Wikimedia/Bjørn Christian Tørrissen CC SA 4.0

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