Quelle: Baumann Spedition/Facebook

Baumann Spedition setzt auf Insolvenzplan. Betrieb an drei Standorten läuft weiter

Lesezeit 4 Min.

Die 1994 gegründete Baumann Spedition befindet sich im eröffneten Eigenverwaltungsverfahren. Der auf Frischwarenlogistik spezialisierte Betrieb mit Standorten in Dresden, Mochau und Erfurt arbeitet nach Unternehmensangaben ohne Unterbrechung weiter. Ziel ist eine Sanierung über einen Insolvenzplan. Auslöser der Krise waren vor allem der Verlust von drei Hauptkunden, nicht kostendeckende Touren und fehlender Spielraum für notwendige Preiserhöhungen.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Amtsgerichte Dresden und Chemnitz haben die Eigenverwaltungsverfahren eröffnet.
  • Betroffen sind die Baumann Spedition Dresden GmbH und die Baumann Spedition Mochau GmbH.
  • Das Unternehmen beschäftigt 71 Mitarbeiter an drei Standorten.
  • Der Geschäftsbetrieb läuft weiter.
  • Drei Hauptkunden gingen verloren; die Umsatzausfälle konnten nicht ersetzt werden.
  • Die Sanierung soll über einen Insolvenzplan erfolgen.

Drei Großkunden verloren

Die Baumann Spedition Dresden GmbH und die Baumann Spedition Mochau GmbH befinden sich seit Anfang August im eröffneten gerichtlichen Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Die zuständigen Amtsgerichte in Dresden und Chemnitz haben die Verfahren nach Prüfung der Sanierbarkeit eröffnet.

Nach Unternehmensangaben geriet die Spedition trotz einer grundsätzlich breiten Kundenbasis und eines operativ funktionierenden Kerns in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Als Ursachen nennt Baumann die schwache Konjunktur, die Konsolidierung im Lebensmitteleinzelhandel und den Verlust von drei Hauptkunden.

Die weggebrochenen Umsätze konnten nicht durch neue Aufträge ausgeglichen werden. Gleichzeitig seien zahlreiche Touren nicht mehr kostendeckend gewesen. Notwendige Preissteigerungen hätten sich häufig nicht durchsetzen lassen. Eine Einstellung defizitärer Verkehre war dem Unternehmen zufolge ebenfalls problematisch, weil bei Nichterfüllung Vertragsstrafen drohten.

Diese Entwicklung belastete zunächst das Ergebnis und schließlich die Liquidität.

Geschäftsführung bleibt in der Verantwortung

Im Eigenverwaltungsverfahren behält Geschäftsführer Jörg Baumann die Kontrolle über den laufenden Betrieb. Anders als in einem regulären Insolvenzverfahren wird das Unternehmen nicht von einem Insolvenzverwalter geführt.

Unterstützt wird die Geschäftsführung von Sanierungsexperten. Rechtsanwalt Stefan Ettelt von der Kanzlei Kulitzscher & Ettelt begleitet das Verfahren als Generalbevollmächtigter gemeinsam mit Rechtsanwältin Julia Schilling.

Für die kaufmännische Sanierung, die Liquiditätsplanung und die Entwicklung weiterer Maßnahmen ist ein Team um Ronny Baar von ABG Consulting-Partner eingebunden. Die Interessen der Gläubiger überwacht der gerichtlich bestellte Sachwalter Dr. Nils Freudenberg von Tiefenbacher Insolvenzverwaltung und Restrukturierung.

Seit mehr als 30 Jahren in der Frischelogistik

Die Baumann Spedition wurde 1994 in Dresden gegründet. Der Standort Mochau bei Döbeln kam 2011 hinzu. Heute arbeitet das Unternehmen an drei Standorten in Dresden, Mochau und Erfurt und beschäftigt insgesamt 71 Mitarbeiter.

Baumann ist auf temperaturgeführte Transporte und Lagerlogistik für Lebensmittel spezialisiert. Zum Leistungsspektrum gehören nationale Kühlverkehre im Teil- und Komplettladungsbereich, die Feinverteilung von Lebensmitteln zwischen zwei und sieben Grad Celsius sowie Tiefkühltransporte und -lagerung bis minus 28 Grad.

Transportiert werden unter anderem Obst, Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte, Feinkost, Tiefkühlware und Trockensortimente. Beliefert werden Märkte des Lebensmitteleinzelhandels, Gastronomiebetriebe, Kliniken und Großküchen. Die Transporte erfolgen mit eigenem Fuhrpark und teilweise über Subunternehmer.

Betrieb wurde nicht unterbrochen

Nach Angaben des Unternehmens lief der Geschäftsbetrieb bereits im vorläufigen Verfahren lückenlos weiter. Auch zentrale Kunden und Geschäftspartner hielten der Spedition bislang die Treue.

Die Löhne und Gehälter waren für die Monate Mai, Juni und Juli durch vorfinanziertes Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Inzwischen würden die Personalkosten wieder aus dem operativen Geschäft erwirtschaftet.

Geschäftsführer Jörg Baumann erklärte:

Unser Team steht trotz der besonderen Lage auch im eröffneten Verfahren weiter zu uns. Es ist enorm wichtig, dass unsere Leute den Sanierungskurs mittragen. Denn am Ende sind sie es, die dafür sorgen, dass der Geschäftsbetrieb ohne Abstriche weiterläuft und wir einen gangbaren Weg finden.“

Insolvenzplan als Sanierungsweg

In den vergangenen Wochen wurden nach Unternehmensangaben verschiedene Sanierungsoptionen geprüft. Weiterverfolgt wird nun eine Lösung über einen Insolvenzplan.

Ziel ist eine Einigung mit den Gläubigern und eine wirtschaftliche Neuaufstellung der drei Standorte. Dafür muss Baumann vor allem die weggefallenen Kundenvolumen ersetzen, defizitäre Touren neu kalkulieren und seine Kostenstruktur an die geringeren Umsätze anpassen.

Dass der Betrieb weiterläuft und die Löhne nach Ablauf des Insolvenzgeldzeitraums wieder selbst finanziert werden, verbessert die Ausgangslage. Ob die Sanierung gelingt, hängt nun davon ab, ob das Unternehmen ausreichend neue Aufträge gewinnt und die Gläubiger dem Insolvenzplan zustimmen.

Tags:

Auch lesen