Lieferketten sind, um effizient und wirtschaftlich zu sein, meist sehr komplex und nicht selten modalitätsübergreifend. Vor allem bei grenzüberschreitenden Lieferungen ist deshalb ein gut organisiertes und transparentes Supply Chain Management wichtig. Denn oft gilt: Je länger der Weg und so häufiger der Verkehrsträger gewechselt wird, umso größer die Gefahr von Störungen. Eine erhöhte digitale Supply Chain Visibility schafft da mehr Zuverlässigkeit im Warentransport.

Im Digitalzeitalter ist der Zugriff auf globale Angebote, nicht nur von Konsumgütern, deutlich einfacher geworden. Alles was das Herz begehrt, ist meist nur einen Mausklick entfernt. Welche Wege die Warenbestellung dabei auf sich nimmt ist für viele Menschen grundsätzlich vorstellbar. Aber die Aufgabe bleibt selbst für einige Beteiligte eines Transports in ihrer Tiefe nicht immer komplett fassbar.

Die logistische Meisterleistung bei Just-in-Time-Lieferungen, also der Zulieferung innerhalb eines knapp angegebenen Zeitfensters beim Endkunden, ist eine sehr praktische Lösung für Kunden, die ihre Pakete gerne persönlich übernehmen und einem möglichen Rückversand aus dem Weg gehen wollen. Die enormen Herausforderungen, die dabei für den Logistiker auf der letzten Meile entstehen, sind häufig schwer zu koordinieren. Dieses Risiko ist oft noch höher bei jenen Transportprozessen, die die Güter zur letzten Station der Zwischenlagerung bringen – insbesondere beim Hauptlauf. Denn das Gefährdungspotenzial wächst selbstverständlich auf längeren Strecken und bei häufigeren Umschlägen.

Führen wir uns die Importzahlen Deutschlands beispielsweise mit einem seiner wichtigsten Handelspartner, der Volksrepublik China, vor Augen, so wurden im Jahr 2020 Waren im Wert von 116,3 Milliarden Euro eingeführt. Die Strecke, die diese Endprodukte oder Halbfertigmaterialien zurücklegen müssen, um beim deutschen Verbraucher oder in den dortigen Fabriken anzukommen, sind beachtlich und in aller Regel nur durch intermodale Lieferketten realisierbar. So muss die Ware in vielen Fällen vom Ausgangslager der Produktionsstätte auf einen Lkw verladen und zum nächsten Hafen transportiert werden. Dort umgeladen geht die Reise mit einem Containerschiff weiter. In Deutschland angekommen, gibt es einen erneuten Wechsel der Transportmodalität auf das Binnenschiff oder nicht selten auf die Schiene. Der Container mit der Ware wird so per Güterzug zum nächstgelegenen Bahnhof gefahren und dort wieder auf einen Lkw verladen, um in ein Zwischenlager zu gelangen. Da Lagerzeit Geld kostet, ist es das Ziel, die Ware schnellstmöglich an die Endkunden auszuliefern. Dazu geht die Reise der Ware auf besagter letzter Meile per Kleinlaster weiter – in einigen Städten teilweise auf den finalen Metern auch schon durch Lastenfahrräder.

Störfaktoren verhindern reibungsloses Supply Chain Management

Durch den häufigen Wechsel der Transportmodalitäten sind intermodale Lieferketten besonders anfällig gegenüber externen Störungen. Die durch dichten Verkehr, gar Staus an Grenzübergängen und Umschlagterminals sowie ebenso Unfällen auf der Strecke entstehenden Verzögerungen wirken sich direkt auf die angenommene Ankunftszeit (Estimated Time of Arrival [ETA]) aus. Wenn die Kommunikation zwischen allen Beteiligten der Lieferkette nicht einwandfrei funktioniert, können diese Verschiebungen nicht übermittelt werden. Verpasste Anschlüsse verursachen weitere Wartezeiten, da die Organisation einer neuen Transportoption zusätzliche Zeit beanspruchen kann. Eine weitere Störquelle bilden die Wetterbedingungen. Die sind zwar durch Vorhersagen gut einzuschätzen, den Transport und damit den Zeitplan können sie aber nichtsdestotrotz durch ihr Auftreten gehörig ins Wanken bringen.

Intermodale Ende-zu-Ende-Überwachung

Um diesen unvorhergesehenen und plötzlichen Unterbrechungen proaktiv mit mehr Informationen entgegenzuwirken, bedarf es digitaler Lösungen. Die meisten Transportbewegungen werden schon digital erfasst und übermittelt. Wieso hakt es also bei der ganzheitlichen Ende-zu-Ende-Überwachung der Transportkette über alle Modalitäten hinweg? Das größte Hindernis stellen inkompatible Informationen dar, da Beteiligte der Lieferkette teils alternierende Anwendungen nutzen oder auf einem unterschiedlichen Niveau des Digitalisierungsgrades agieren. Die gesammelten Datensätze können so nicht reibungslos ausgetauscht werden. Es entstehen sogenannte Datensilos, die es zu vernetzen gilt, um aus allen greifbaren Informationen einen Mehrwert zu generieren.

Durch die Auswertung der Transportdaten und öffentlich verfügbaren Informationen zu Verkehrslage und Wetterbedingungen können Routen optimiert und bei plötzlichen Störungen angepasst werden. Unter normalen Voraussetzungen ist diese Auswertung sehr aufwendig, denn es müssen durch Analytiker erst alle möglichen Störfaktoren identifiziert werden. Weiterhin wird ein freier Kommunikationsfluss zwischen den Beteiligten der Supply Chain benötigt, denn faktenbasierte Entscheidungshilfen sind dann von elementarer Bedeutung, um durch rasches, dabei steuerndes Eingreifen die Verzögerungen auf ein Minimum zu reduzieren.

Stabile intermodale Lieferketten durch transparente Prozesse

Das Potsdamer Start-up Synfioo bietet eine effiziente Lösung: Mittels Künstlicher Intelligenz (KI) werden historische und aktuelle Daten zu Störungen aus über 70 externen Quellen analysiert. Es werden also sowohl öffentliche Informationen zur Wetterlage, Fährzeiten, Staus und Wartezeiten, auch an Grenzübergängen, als auch aktuelle Positionen des Schiff-, Flug- und Zugverkehrs verarbeitet. Durch Machine Learning (Maschinelles Lernen [ML]) lassen sich daraus zuverlässige und präzise ETA-Vorhersagen ableiten. Gerade bei komplexen intermodalen Lieferketten wird die Organisation der Modalitätswechsel erleichtert und sehr viel effektiver gestaltet, da der Einsatz von KI und ML entscheidende Zeitersparnis bringt.

Mit der Track-&-Trace-Anwendung, die Synfioo bereitstellt, haben alle Beteiligten der Lieferkette außerdem jederzeit Zugriff auf die aktuellen Standortdaten des Transports in Echtzeit. Das erleichtert nicht nur die Kommunikationsprozesse, sondern ermöglicht auch eine abgestimmte und kurzfristige Reaktionszeit, um Transportrouten bei Störungen schnell modifizieren zu können. Die Technik, um intermodales Supply Chain Management zu unterstützen, existiert. Wird sie genutzt, minimiert sich der Zufallsfaktor in multimodalen Lieferketten. Logistische Prozesse laufen so reibungsloser ab

Foto: pxfuel.com

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