HHLA / Hamburg Waltershof Containerschiff am Burchadkai

Weniger Container, höhere Erlöse: Warum HHLA trotzdem die Prognose senkt

Lesezeit 9 Min.

Bei der HHLA laufen Mengen und Umsatz derzeit in entgegengesetzte Richtungen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden weniger Container umgeschlagen und transportiert, dennoch stiegen die Erlöse. Das operative Ergebnis brach dagegen deutlich ein. Besonders die Hamburger Terminals stehen unter Druck - durch laufende Automatisierung, höhere Kosten, Baustellen im Schienennetz und veränderte Warenströme. Das Intermodalgeschäft erweist sich hingegen als vergleichsweise stabil.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Containerumschlag: minus 6,7 Prozent auf 2,959 Mio. TEU; an den Hamburger Terminals sogar minus 7,3 Prozent.
  • Umsatz: plus 3 Prozent auf 910,9 Mio. Euro – unter anderem durch höhere Lagergelderlöse, Preisanpassungen und einen veränderten Umsatzmix.
  • Ergebnis: Das Konzern-EBIT sank um 35,3 Prozent auf 51,3 Mio. Euro; im Containersegment brach es um 59,9 Prozent ein.
  • Ausblick: HHLA erwartet 2026 nur noch ein Konzern-EBIT von 150 bis 170 Mio. Euro, hält aber an Investitionen von 430 bis 480 Mio. Euro fest.

Hamburg verliert deutlich mehr Volumen

Von Januar bis Juni 2026 schlug die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) nach eigenen Angaben konzernweit 2,959 Millionen TEU um. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang von 6,7 Prozent.

Das Minus kommt vor allem aus Hamburg. An den dortigen Containerterminals sank der Umschlag um 7,3 Prozent auf 2,786 Millionen TEU.

Als Ursachen nennt die HHLA neben dem starken Wintereinbruch zu Jahresbeginn die laufenden Modernisierungsarbeiten an den Terminals. Hinzu kamen die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, Veränderungen internationaler Warenströme sowie Verschiebungen infolge der Neuordnung der Reedereiallianzen.

Bei den Überseeverkehren gingen insbesondere die Mengen mit Nordamerika und Fernost, vor allem China, zurück. Zuwächse bei Verkehren mit Australien, dem Mittleren Osten sowie anderen europäischen Hochseehäfen konnten diese Entwicklung nur teilweise ausgleichen.

Auch bei den Feederverkehren verschoben sich die Ströme. Laut Halbjahresbericht gingen insbesondere die Mengen aus Skandinavien, Litauen und Großbritannien zurück. Zuwächse gab es dagegen bei Verkehren aus Deutschland, den Niederlanden und Polen. Die Feederquote blieb mit 19,5 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau.

Hamburg schwächelt in einem ohnehin schwierigen Nordrange-Markt

Der Rückgang fällt in eine Phase, in der sich die europäischen Hafenregionen sehr unterschiedlich entwickeln. Die von HHLA im Halbjahresbericht zitierten Drewry-Daten zeigen für Nordwesteuropa ein deutlich schwächeres Bild als für andere Teile Europas.

Für das zweite Quartal 2026 wurde für Nordwesteuropa ein Rückgang des Containeraufkommens um 1,6 Prozent erwartet. Für Europa insgesamt lag die Prognose dagegen bei einem Plus von 6,1 Prozent. Besonders dynamisch entwickelten sich demnach das östliche Mittelmeer und das Schwarze Meer.

Auch der Vergleich mit den großen Nordrange-Häfen ist aufschlussreich: Rotterdam kam im ersten Halbjahr laut HHLA mit sieben Millionen TEU nahezu auf das Vorjahresniveau, Antwerpen-Brügge lag 1,5 Prozent darunter.

Odessa wächst gegen den Trend

Innerhalb des HHLA-Netzwerks ergibt sich ebenfalls kein einheitliches Bild. Während Hamburg deutlich verliert, steigerten die internationalen Containerterminals ihren Umschlag um 4,6 Prozent auf 173.000 TEU.

Ausschlaggebend war nach Angaben des Unternehmens vor allem ein deutlich höherer wasserseitiger Umschlag am Container Terminal Odessa. Die Terminals in Estland und Italien verzeichneten dagegen Rückgänge. In Estland belastete laut HHLA die schwierige wirtschaftliche Situation das Geschäft, im Mittelmeer wirkten sich unter anderem veränderte Routen infolge der geopolitischen Spannungen aus.

Das internationale Wachstum kann das Hamburger Minus aufgrund der wesentlich kleineren Mengenbasis allerdings nicht kompensieren.

Weniger Container – aber zusätzliche Lagergelder

Finanziell zeigt das Halbjahr einen zunächst widersprüchlichen Effekt. Obwohl die HHLA weniger Container umschlug, blieb der Umsatz des Containersegments mit 426,6 Millionen Euro praktisch auf Vorjahresniveau.

Ein Grund dafür waren zusätzliche Lagergelderlöse infolge längerer Verweildauern von Containern. Auch die Entwicklung der internationalen Terminals wirkte sich positiv aus.

Auf Konzernebene stiegen die Erlöse sogar um 3 Prozent auf 910,9 Millionen Euro. Neben den zusätzlichen Lagergeldern nennt die HHLA dafür Preisanpassungen und einen veränderten Umsatzmix im Intermodalgeschäft.

Für die Beurteilung des Halbjahres ist deshalb weniger der Umsatz als die Entwicklung der Profitabilität entscheidend.

Das Konzern-EBIT sank von 79,4 auf 51,3 Millionen Euro – ein Rückgang um 35,3 Prozent. Die EBIT-Marge verringerte sich von 9 auf 5,6 Prozent. Nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter entfiel auf die Anteilseigner ein Ergebnis von minus 4,2 Millionen Euro; im Vorjahreszeitraum waren es plus 19,1 Millionen Euro.

Containersegment verliert fast 60 Prozent EBIT

Besonders deutlich zeigt sich die Belastung an den Terminals. Im Containersegment sank das EBIT um 59,9 Prozent von 42,8 auf 17,2 Millionen Euro. Die EBIT-Marge fiel von 10 auf nur noch 4 Prozent.

Dahinter stehen nicht nur die geringeren Mengen.

Die HHLA verweist auf höhere Personalkosten infolge der Tarifentwicklung und auf zusätzlichen Personaleinsatz aus dem Pool des Gesamthafenbetriebs. Gleichzeitig belasteten die Umbaumaßnahmen und die Einführung automatisierter Transportfahrzeuge am Container Terminal Burchardkai die Produktivität.

Auch höhere Abschreibungen nach der Inbetriebnahme neuer Großgeräte sowie gestiegene Treibstoffkosten wirkten sich auf das Ergebnis aus.

Automatisierung bremst heute – und soll morgen Kapazität schaffen

Dass die Modernisierung kurzfristig Geld und Produktivität kostet, nimmt die HHLA bewusst in Kauf. Der Konzern baut seine Hamburger Anlagen während des laufenden Terminalbetriebs umfangreich um.

Am Container Terminal Altenwerder sind inzwischen 20 batterieelektrische Zugmaschinen im Einsatz. Nach Unternehmensangaben ist damit die Elektrifizierung der dortigen Hinterlandflotte abgeschlossen.

Drei neue Zwei-Katz-Containerbrücken wurden im April 2026 in Betrieb genommen. Weitere Brücken befinden sich in Montage beziehungsweise sind bereits beauftragt.

Am Container Terminal Burchardkai wird gleichzeitig die automatisierte Abfertigung mit Automated Guided Vehicles (AGV) ausgebaut. Sie wurde inzwischen auf die Liegeplätze 3 und 4 erweitert.

Die Kehrseite dieses Umbaus zeigt sich im Halbjahresergebnis: Die Eingriffe in die laufenden Abläufe fallen stärker aus als ursprünglich erwartet.

HHLA-Chef Jeroen Eijsink hält dennoch am Kurs fest. Die Modernisierung der Hamburger Containerterminals sei eine entscheidende Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Ziel sei es, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Netzwerks langfristig zu erhöhen.

Intermodal bleibt die stabilere Säule

Deutlich robuster als das Terminalgeschäft entwickelte sich der Hinterlandtransport.

Die HHLA-Gesellschaften transportierten im ersten Halbjahr insgesamt 985.000 TEU, 1,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Bahntransporte gingen lediglich um 1 Prozent auf 855.000 TEU zurück. Auf der Straße sank das Volumen um 2,4 Prozent auf 130.000 TEU.

Belastend wirkten laut Unternehmen vor allem geringere Verkehre mit den Adriahäfen und im deutschsprachigen Raum. Hinzu kamen die schwierigen Witterungsbedingungen zu Jahresbeginn, Baustellen auf wichtigen Transportstrecken sowie die hohe Auslastung der norddeutschen Seehäfen.

Trotz des Mengenrückgangs stieg der Umsatz des Intermodalsegments um 6,3 Prozent auf 425,5 Millionen Euro. HHLA führt das vor allem auf Preisanpassungen und einen veränderten Umsatzmix zurück.

Das EBIT gab lediglich um 1,6 Prozent auf 47,5 Millionen Euro nach. Die EBIT-Marge erreichte 11,2 Prozent. Zum Vergleich: Im Containersegment waren es nur noch 4 Prozent.

Der Bahnanteil an den HHLA-Containertransporten liegt inzwischen bei 86,8 Prozent.

Personal- und Abschreibungskosten ziehen an

Warum steigende Erlöse nicht beim Ergebnis ankommen, zeigt ein Blick auf die Kostenstruktur.

Die operativen Aufwendungen des Konzerns erhöhten sich laut Halbjahresbericht um 6,8 Prozent auf 893,6 Millionen Euro und damit deutlich stärker als der Umsatz.

Allein der Personalaufwand stieg um 8,3 Prozent auf 368 Millionen Euro. Neben Tariferhöhungen nennt die HHLA die Belastungen im Zusammenhang mit den Modernisierungs- und Umbauarbeiten sowie die Geschäftsausweitung im Intermodalverkehr.

Noch kräftiger erhöhten sich die Abschreibungen: um 22,3 Prozent auf 105 Millionen Euro. Darin enthalten ist eine außerplanmäßige Wertberichtigung von 9,4 Millionen Euro bei der Softwaretochter omoqo. Deren Geschäftsbetrieb soll nach einem Vorstandsbeschluss zum 30. September 2026 dauerhaft eingestellt werden.

Investitionen bleiben hoch, Free Cashflow rutscht ins Minus

Trotz der schwächeren Ergebnisentwicklung tritt HHLA bei den Investitionen nicht auf die Bremse.

Im ersten Halbjahr investierte der Konzern 221,8 Millionen Euro. Das Geld floss unter anderem in Containerbrücken und Großgeräte für die Hamburger Terminals, in die Modernisierung der internationalen Standorte sowie in Lokomotiven, Containertragwagen und Hinterlandterminals der Metrans-Gruppe.

Gleichzeitig verschlechterte sich der Free Cashflow deutlich. Nach plus 6,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum lag er Ende Juni 2026 bei minus 99,8 Millionen Euro. Die verfügbare Liquidität betrug 149,5 Millionen Euro gegenüber 302,4 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Nach Angaben der HHLA traten bis zum Bilanzstichtag keine Liquiditätsengpässe auf.

An der Investitionsplanung für das Gesamtjahr hält der Konzern fest: Vorgesehen sind weiterhin 430 bis 480 Millionen Euro, davon 400 bis 450 Millionen Euro für die Hafenlogistik.

HHLA kann Winterverluste nicht mehr vollständig aufholen

Bei der Ergebnisprognose hat der Vorstand dagegen bereits reagiert.

Die Auswirkungen der Terminalumbauten und der umfangreichen Infrastrukturarbeiten im Schienennetz seien stärker als zunächst erwartet. Gleichzeitig geht die HHLA inzwischen davon aus, die Folgen des Wintereinbruchs zu Jahresbeginn im weiteren Jahresverlauf nicht vollständig kompensieren zu können.

Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen deshalb nun mit einem leichten Rückgang des Containerumschlags. Beim Containertransport wird weiterhin ein leichter Anstieg erwartet.

Für den Teilkonzern Hafenlogistik wurde die EBIT-Prognose von ursprünglich 160 bis 180 Millionen Euro auf 135 bis 155 Millionen Euro reduziert. Auf Konzernebene erwartet der Vorstand nun 150 bis 170 Millionen Euro statt zuvor 175 bis 195 Millionen Euro.

Die entscheidende Frage für die zweite Jahreshälfte ist damit nicht, ob HHLA weiter modernisiert – daran lässt der Konzern keinen Zweifel. Entscheidend wird sein, wie schnell die neuen Anlagen und Prozesse stabil genug laufen, damit aus den Investitionen tatsächlich wieder höhere Produktivität wird. Denn während das Intermodalgeschäft die Belastungen bislang vergleichsweise gut abfedert, zeigt das Containersegment bereits deutlich, wie teuer der Umbau im laufenden Betrieb sein kann.

Tags:

Auch lesen