Quelle: Zoll (Symbolbild)

Zolltrends 2026: Warum Unternehmen ihr Zollmanagement neu denken müssen

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Zölle, Handelshemmnisse und neue Vorschriften bleiben auch 2026 ein zentraler Unsicherheitsfaktor für den internationalen Warenverkehr. Die Customs Support Group benennt fünf Zolltrends, die Unternehmen frühzeitig in ihre Lieferkettenstrategie einbeziehen sollten. Welche Trends Unternehmen 2026 besonders im Blick behalten sollten, ordnet John Wegman, CEO der Customs Support Group, in einem Gastbeitrag für trans.iNFO ein.

2025 war für viele Unternehmen ein Jahr des Reagierens. Zölle wurden kurzfristig erhöht, Lieferketten unterbrochen, neue Vorschriften eingeführt. Wer im internationalen Handel tätig ist, hat erlebt, wie schnell sich Rahmenbedingungen ändern können und wie begrenzt die eigenen Handlungsspielräume oft sind. 2026 wird diese Unsicherheit nicht verschwinden. Im Gegenteil: Sie wird zum dauerhaften Begleiter.

Aus meiner Sicht wird 2026 das Jahr, in dem sich Zollmanagement endgültig von einer administrativen Pflichtaufgabe zu einem strategischen Steuerungsinstrument entwickelt. Unternehmen, die Zoll weiterhin nur als operative Abwicklung betrachten, werden an Belastbarkeit verlieren. Wer dagegen Daten, Fachwissen und Abgabenstrategien systematisch zusammenführt, kann Lieferketten stabilisieren und Kosten aktiv steuern.

Die fünf Zolltrends 2026 im Überblick

Trend 1: Zollexpertise wird zum Wettbewerbsfaktor

Unternehmen können die äußeren Rahmenbedingungen zwar weder kontrollieren noch vorhersagen, aber sie können sich vorbereiten, indem sie ein starkes Fundament im Zollmanagement legen, um Turbulenzen zu begegnen. Entsprechend rücken Zoll- und Außenhandelsabteilungen näher an die Unternehmensleitung. Entscheidungen über Beschaffung, Lieferantenwechsel, Routenführung, Gesamtkostenkalkulation und Risikosteuerung hängen zunehmend von der fachlichen Bewertung durch Zollspezialistinnen und -spezialisten ab, beispielsweise zu Warenursprung, Wert, Tarifierung, Genehmigungen, Abgabengestaltung und internationalen Übereinkommen.

Diese wachsende Bedeutung verschärft den Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Unternehmen müssen daher 2026 verstärkt in ihr eigenes Zollfachwissen investieren kombiniert mit der Zusammenarbeit mit erfahrenen Zolldienstleistern oder der vollständigen Auslagerung der Zollabwicklung an spezialisierte Partner.

Trend 2: Zentralisierung von Zollabwicklung und Datentransparenz

Digitale Transparenz, vorausschauende Analysen, Echtzeit-Tracking und lückenlose Übersichten gelten in vielen Branchen längst als Standard für widerstandsfähige Lieferketten. Zolldaten bilden dabei jedoch häufig noch eine Lücke: Sie sind über verschiedene Dienstleister, Formate und Systeme verteilt und damit nur schwer ganzheitlich auszuwerten.

Die Lösung ist die Zentralisierung der Zollabwicklung, nicht nur operativ, sondern auch durch ein einheitliches Zollabfertigungsmodell. Die Zusammenarbeit mit einem Anbieter, der mehrere Länder abdeckt und moderne digitale Lösungen sowie idealerweise eine durchgängige Steuerungsplattform bietet, stellt sicher, dass alle Zolldaten einheitlich erfasst, angereichert und in Kernsysteme für Stammdatenverwaltung, Analysen und Planung integriert werden.

Trend 3: Compliance-Komplexität – mehr nichttarifäre Handelshemmnisse

2025 war das Jahr der Zölle. Gleichzeitig sehen sich Unternehmen mit einem Trend konfrontiert, der vor einigen Jahren begann und sich 2026 noch verstärken wird: die Zunahme nichttarifärer Handelshemmnisse. Weltweit entstehen neue Regelwerke, Genehmigungspflichten und Sorgfaltsanforderungen. So verschärft China seine Ausfuhrkontrollen für kritische Rohstoffe und Hochtechnologie, Europa führt Klimaschutzinstrumente wie CBAM und Sorgfaltspflichten in Lieferketten ein, und die USA erhöhen die Anforderungen an den inländischen Wertschöpfungsanteil und begrenzen den Export bestimmter Technologien.

Daher sind Unternehmen gefordert, strukturierte, risikobasierte Programme zur Einhaltung von Außenhandels- und Zollvorschriften aufzubauen und diese in ihre täglichen Abläufe zu integrieren. Nur wenn Prozesse, IT-Systeme und Fachwissen zusammenspielen, bleibt die zusätzliche Regelvielfalt beherrschbar.

Trend 4: Proaktives Zollmanagement

2025 haben viele Unternehmen vor allem reagiert auf kurzfristige Zollerhöhungen, neue Maßnahmen oder Störungen in Lieferketten. 2026 ist der ideale Zeitpunkt, um diesen Ansatz gezielt weiterzuentwickeln und eine systematische Abgabenstrategie zu etablieren.

Im Mittelpunkt steht dabei der Aufbau eines global ausgerichteten Zollkostenmanagements. Es macht die gesamte Zollbelastung eines Unternehmens transparent, identifiziert Einsparpotenziale und Erstattungsmöglichkeiten, nutzt bestehende Handelsabkommen und Sonderverfahren konsequent, optimiert Ursprungsstrategien und verankert Zölle als festen Bestandteil der Kosten- und Preisplanung. Auf dieser Basis entsteht ein klarer Handlungsrahmen für alle zollrelevanten Entscheidungen von der Beschaffung über die Standortwahl bis hin zur Gestaltung von Lieferketten. Unternehmen, die ihre Zölle nicht länger nur verwalten, sondern aktiv steuern, können die Auswirkungen von Abgaben deutlich begrenzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel stärken.

Trend 5: Warenklassifizierung – die Grundlage für Widerstandsfähigkeit

Trotz zunehmender Komplexität bleibt die korrekte Warenklassifizierung das Rückgrat eines widerstandsfähigen Zoll- und Handelsmanagements. Sie bestimmt Zollsätze, Kontrollen, Genehmigungspflichten und Dokumentationsanforderungen und beeinflusst somit die Gesamtkosten jedes Produkts.

In einem Umfeld mit häufigen Änderungen von Zollsätzen, Sanktionen und handelspolitischen Maßnahmen ermöglicht eine korrekte und aktuelle Warenklassifizierung eine schnelle Bewertung neuer Vorgaben und eine fundierte Anpassung von Preisgestaltung, Beschaffungswegen und Transportentscheidungen. Regelmäßige Überprüfungen der Klassifizierung und die enge Verknüpfung mit Stammdaten und Analyseinstrumenten sind unerlässlich, um Risiken vorzubeugen.

Fazit: 2026 wird zum Prüfstein für das Zollmanagement

Die fünf Trends machen deutlich, dass Zoll längst kein reines Abwicklungsthema mehr ist, sondern sich zu einem zentralen Steuerungsinstrument für Kosten, Sicherheit und die Verlässlichkeit internationaler Lieferketten entwickelt hat. Wer seine Zollorganisation jetzt gezielt stärkt, erhöht die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens gegenüber politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. Investitionen in qualifizierte Fachkräfte, klare Strukturen, zentrale Datenhaltung und vorausschauende Abgabenstrategien schaffen 2026 einen spürbaren Vorsprung fachlich, finanziell und organisatorisch.

Über den Autor

John Wegman ist CEO der Customs Support Group. Er verfügt über mehr als 20 Jahre internationale Erfahrung in der Entwicklung von B2B-Dienstleistungen, im Zoll- und Außenhandel sowie in datengetriebenen Geschäftsmodellen. Wegman war in leitenden Funktionen auf vier Kontinenten tätig, unter anderem in technologie- und SaaS-geprägten Unternehmen, und berät regelmäßig Unternehmensleitungen zu Wachstum, Transformation und Lieferkettenstrategie.

Über die Customs Support Group

Die Customs Support Group (CSG) ist ein europäischer Dienstleister für Zollabwicklung und Außenhandelsprozesse. Das Unternehmen ist in 14 europäischen Ländern vertreten und unterstützt Unternehmen bei der operativen Abwicklung sowie bei der Einhaltung zoll- und handelsrechtlicher Vorgaben. Nach eigenen Angaben beschäftigt CSG rund 1.700 Zollexperten und arbeitet für mehr als 60.000 Kunden aus unterschiedlichen Branchen.

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