Das ändert sich ab Juni 2026 im Überblick:
- Deutschland regelt die Vollstreckung von Fahrverboten bei Fahrern mit ausländischem Führerschein neu; die Vorgaben gelten ab 1. Juni 2026.
- Frankreich erhöht den Mindestlohn, der auch als Basis für die Vergütung entsandter Fahrer dient.
- Norwegen führt zusätzliche Pflichten zur Ladungssicherung ein – einschliesslich verpflichtender Nachweise für ausgewählte Hochrisiko-Transporte.
In der Summe weisen die Massnahmen in eine Richtung: mehr formalisiertes Compliance-Management und engere Kontrollmechanismen im Strassengüterverkehr.
Deutschland: Kennzeichnung ausländischer Führerscheine entfällt
In Deutschland steht im Juni ebenfalls eine Umstellung an. Künftig wird die Vollstreckung von Fahrverboten bei Fahrern mit Führerscheinen aus anderen EU- und EWR-Staaten anders gehandhabt.
Bislang wurden ausländische Führerscheine von Behörden teilweise mit speziellen Vermerken gekennzeichnet – bekannt sind etwa Aufkleber mit einem durchgestrichenen „D“. Diese Praxis wurde vom Gerichtshof der Europäischen Union infrage gestellt.
Mit dem Gesetz FVVollEUG, das ab 1. Juni 2026 gilt, wird die Vollstreckung künftig über das Fahreignungsregister (FAER) in Flensburg abgebildet.
Fahrverbote laufen künftig über das zentrale Register
Ab Juni werden Fahrverbote und Entziehungen von Fahrberechtigungen elektronisch erfasst. Die deutschen Vollzugsbehörden greifen über das zentrale System auf die Daten zu; zudem ist vorgesehen, die Informationen an den Wohnsitzstaat des Fahrers weiterzugeben.
Praktisch bedeutet das: Erhält ein Fahrer mit rumänischem Führerschein in Deutschland ein Fahrverbot, soll dies auch im Informationsaustausch zwischen EU- und EWR-Staaten abgebildet werden.
Ziel der Änderungen ist es, klarer festzulegen, ab wann Sanktionen gelten, und zugleich rechtliche Unsicherheiten zu beseitigen, die durch das physische Markieren von Dokumenten anderer Mitgliedstaaten entstanden sind – ein Punkt, der in der Praxis auch Prozesse im Fuhrparkmanagement zusätzlich belastet. In diesem Zusammenhang sind für Speditionen zudem weitere Anpassungen rund um Berufskraftfahrer relevant, etwa für Planung und Einsatzsteuerung.
Frankreich: Mindestlohn steigt
Eine zentrale Änderung betrifft Frankreich: Dort wird der SMIC zum 1. Juni 2026 angehoben. Die Regierung kündigte ein Plus von 2,41 % an. Damit steigt der monatliche Brutto-Mindestlohn auf 1.867,02 Euro; der Brutto-Stundenlohn liegt dann bei 12,31 Euro.
Für Unternehmen, die internationale Transporte oder Kabotage in Frankreich durchführen, ist das unmittelbar relevant. Nach den Vorgaben des EU-Mobilitätspakets müssen entsandte Fahrer mindestens nach den Lohnuntergrenzen des Landes vergütet werden, in dem die Transportleistung tatsächlich erbracht wird.
Hinzu kommt in Frankreich ein Mechanismus zur unterjährigen Anpassung, sobald die Inflation eine festgelegte Schwelle überschreitet. Die aktuelle Anpassung wurde ausgelöst, nachdem die Verbraucherpreise die Marke von 2 % Anstieg überschritten hatten. Für die Branche bedeutet das: ein weiterer Kostenanstieg bei Personalkosten auf einem der wichtigsten Transportkorridore Europas.
Norwegen: mehr Verantwortung bei der Ladungssicherung
Auch Norwegen setzt zum 1. Juni 2026 neue Anforderungen in Kraft. Die norwegische Strassenverwaltung aktualisiert die Regeln zur Ladungssicherung für Transporte mit Fahrzeugen über 3,5 Tonnen.
Zentral ist der neue § 3-2a, der die Organisationsverantwortung des Transportunternehmens dafür konkretisiert, wie ein Auftrag vorbereitet wird – und dass der Transportablauf insgesamt regelkonform geplant ist.
In der Praxis heisst das: Unternehmen müssen Fahrer mit klaren Anweisungen zur Ladungssicherung versorgen, die notwendigen operativen Informationen bereitstellen und sicherstellen, dass die Rahmenbedingungen für eine sichere Durchführung erfüllt sind. Die Fahrer bleiben für die tatsächliche Sicherung der Ladung verantwortlich; die aktualisierten Vorgaben trennen jedoch die Pflichten von Fahrern und Unternehmen klarer.
Norwegen: Pflichtdokumente für Hochrisiko-Transporte
Zusätzlich führt Norwegen neue Dokumentationspflichten für Transporte ein, die als besonders risikobehaftet eingestuft werden.
Transportunternehmen müssen Unterlagen vorbereiten, die beschreiben, wie die Ladung gesichert ist und welche Sicherungsmittel verwendet werden. Das Dokument muss spätestens zu Beginn der Beladung vorliegen, die Ware begleiten und bei Strassenkontrollen vorgezeigt werden können.
Betroffen sind unter anderem:
- schwere und instabile Ladungen,
- Stahlcoils,
- Betonelemente,
- Kabeltrommeln,
- stehend transportierte Papierrollen,
- Abrollcontainer (Hooklift),
- Sondertransporte.
Teile der Reform stossen in der norwegischen Transportwirtschaft auf Zustimmung. Gleichzeitig bleiben Fragen offen – insbesondere dazu, wie die Dokumentation im Detail auszugestalten ist und wie sich die Vorgaben im Alltag umsetzen lassen.









