Das Wichtigste im Überblick
- Die erste digitale Gewichtskontrollanlage Deutschlands ist auf der Rastanlage Rur-Scholle-Süd an der A4 bei Düren in Betrieb.
- Sensoren erfassen Achslasten und Gesamtgewicht von Lkw bereits während der Fahrt.
- Nur auffällige Fahrzeuge werden automatisch auf den Kontrollplatz geleitet.
- Bei einer bestätigten Überladung drohen Bußgelder, Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot bis zur Beseitigung der Überladung.
- Insgesamt sollen in den kommenden Jahren 16 solcher Anlagen an wichtigen Güterverkehrsachsen entstehen.
Pilotstandort auf einer der wichtigsten Güterverkehrsachsen
Die erste Anlage befindet sich auf der Rastanlage Rur-Scholle-Süd in Fahrtrichtung Köln. Die Wahl des Standorts ist kein Zufall: Über die A4 zwischen Aachen und Köln verläuft ein erheblicher Teil des Güterverkehrs aus den Seehäfen Antwerpen und Rotterdam. Zudem liegt mit Köln-Eifeltor Deutschlands größter Container-Güterbahnhof in unmittelbarer Nähe.
Die Strecke zählt damit zu den wichtigsten internationalen Transitachsen des Straßengüterverkehrs und weist einen entsprechend hohen Schwerverkehrsanteil auf.
Sensoren erkennen Überladung bereits während der Fahrt
Technische Grundlage der Anlage ist ein sogenanntes Weigh-in-Motion-System. In die Fahrbahn eingelassene Sensoren erfassen Achslasten und Gesamtgewicht jedes vorbeifahrenden Lkw, ohne dass dieser seine Geschwindigkeit wesentlich reduzieren muss.
Erkennt das System Auffälligkeiten, wird das Fahrzeug über Wechselverkehrszeichen auf den nachgelagerten Kontrollplatz geleitet. Dort erfolgt eine gerichtsfeste Nachverwiegung auf einer speziellen Wiegespur. Erst dieses Messergebnis dient als Grundlage für mögliche Sanktionen.
Nach Angaben des BALM wird bei einer bestätigten Überladung ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Zudem darf der Lkw seine Fahrt erst fortsetzen, nachdem die Überladung durch Um- oder Abladen beseitigt wurde.
Bußgelder und Punkte bei Überladung
Für Fahrer und Halter kann eine Überladung teuer werden. Bei Fahrzeugen über 7,5 Tonnen beginnen Verwarnungen bereits ab einer Gewichtsüberschreitung von mehr als zwei Prozent. Ab einer Überladung von mehr als fünf Prozent drohen dem Fahrer 80 Euro Bußgeld und ein Punkt im Fahreignungsregister. Für den Halter werden in diesem Fall 140 Euro sowie ebenfalls ein Punkt fällig.
Je nach Höhe der Überladung steigen die Sanktionen weiter an. Bei einer Überschreitung von mehr als 25 beziehungsweise 30 Prozent können Bußgelder von bis zu 380 Euro für den Fahrer und bis zu 425 Euro für den Halter verhängt werden. Unabhängig von der Geldbuße darf das Fahrzeug erst weiterfahren, wenn das zulässige Gesamtgewicht wieder eingehalten wird.
Schutz für Brücken und fairer Wettbewerb
Mit den neuen Anlagen verfolgt der Bund mehrere Ziele. Zum einen sollen Straßen und insbesondere Brücken vor übermäßigen Belastungen geschützt werden. Angesichts des hohen Sanierungsbedarfs vieler Brücken kommt der Einhaltung zulässiger Achslasten eine wachsende Bedeutung zu.
Zum anderen sollen die Kontrollen gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen. Unternehmen, die Fahrzeuge systematisch überladen, können pro Fahrt größere Warenmengen transportieren und sich dadurch wirtschaftliche Vorteile gegenüber regelkonform arbeitenden Wettbewerbern verschaffen.
Bundesverkehrsstaatssekretär Stefan Schnorr bezeichnete die neue Kontrollanlage als wichtigen Beitrag zum Schutz der Verkehrsinfrastruktur.
Mit den digitalen Lkw-Gewichtskontrollstellen haben wir ein wirksames Instrument, um die Kontrollen gezielter, schneller und mit weniger Eingriffen in den Verkehrsfluss durchzuführen. Diese Anlage ist die erste von insgesamt 16 Anlagen, die in den nächsten Jahren deutschlandweit errichtet werden.“
Auch BALM-Präsident Christian Hoffmann hob neben der Verkehrssicherheit die Bedeutung für den Wettbewerb hervor.
Die neuen Gewichtskontrollstellen tragen unmittelbar zur Verkehrssicherheit bei, sie sichern die nachhaltige Nutzung unserer Straßeninfrastruktur und sie sorgen für Wettbewerbsgerechtigkeit, da entsprechende Verstöße systematisch aufgedeckt und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben mit Nachdruck eingefordert werden.“
Weitere Standorte geplant
Die Anlage an der A4 ist der Auftakt für den bundesweiten Ausbau digitaler Gewichtskontrollen. Insgesamt sollen nach Angaben des Bundes in den kommenden Jahren 16 Gewichtskontrollanlagen entlang wichtiger Autobahnkorridore entstehen. Die Autobahn GmbH ist für Planung, Bau und Betrieb verantwortlich, während das BALM die eigentlichen Kontrollen durchführt.
Was die neuen Kontrollen für Speditionen bedeuten
Für Transportunternehmen dürfte sich vor allem die Art der Kontrollen verändern. Künftig werden nicht mehr überwiegend Stichproben darüber entscheiden, welche Fahrzeuge überprüft werden. Stattdessen erfolgt zunächst eine automatische Gewichtserfassung im fließenden Verkehr. Nur wenn das System Auffälligkeiten erkennt, wird ein Lkw zur Nachverwiegung ausgeleitet.
Für regelkonform beladene Fahrzeuge bedeutet das weniger unnötige Kontrollstopps. Gleichzeitig steigt für überladene Lkw das Risiko erheblich, bereits während der Fahrt erkannt und kontrolliert zu werden.
Mit den geplanten 16 Gewichtskontrollanlagen entsteht zwar kein flächendeckendes Netz. Da die Standorte jedoch gezielt an stark frequentierten Güterverkehrsachsen eingerichtet werden, dürfte der Kontrolldruck insbesondere auf den wichtigsten Transitstrecken deutlich zunehmen.









