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Akkuwechsel statt Laden: Warum Europas Lkw-Hersteller bei Chinas Standard nicht mitziehen

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Akkus in wenigen Minuten tauschen statt lange zu laden: Was nach einem Durchbruch für E-Lkw klingt, stößt in Europa auf ein zentrales Problem. Damit das Konzept funktioniert, müssten konkurrierende Hersteller gemeinsame technische Standards akzeptieren – und genau daran könnte das Vorhaben scheitern.

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Octopus Energy will gemeinsam mit dem chinesischen Batteriekonzern CATL ein europaweites Netz von Akkuwechselstationen aufbauen. Das Joint Venture heißt Swaptopus. Die Idee: Fahrer steuern einen Hub an, der entladene Akku wird automatisch entnommen und innerhalb weniger Minuten durch einen vollgeladenen ersetzt – ohne klassische Ladepause.

Die ersten Standorte in Großbritannien sind für 2027 geplant. Bis 2035 sollen in Europa mehr als 30 große Hubs entstehen. Nach Angaben der Unternehmen könnte das Netz langfristig mehr als 300.000 elektrische Lkw bedienen und private Investitionen von 30 Milliarden Pfund anziehen.

Der Akkuwechsel verspricht zwei Vorteile: weniger Standzeit und potenziell niedrigere Einstiegskosten. Denn der Energiespeicher müsste nicht zwingend zusammen mit dem Fahrzeug gekauft werden – Betreiber könnten ihn separat leasen. Gerade die hohen Anschaffungskosten gelten weiterhin als eine der größten Hürden beim Umstieg auf E-Lkw.

In China ist CATL mit dem Modell bereits deutlich weiter. Nach Zahlen, die Nikkei Asia zitiert, gibt es dort mehr als 300 Wechselstationen. Bedient werden E-Lkw von 12 Herstellern über mehr als 16 Modelle hinweg.

Warum es in Europa komplizierter wird

Ob die Technik grundsätzlich funktioniert, ist nicht der entscheidende Punkt. Ausschlaggebend ist, ob sich das System in einem offenen, stark umkämpften europäischen Markt so umsetzen lässt, dass Fahrzeuge unterschiedlicher Marken kompatibel wären.

Für einen Akkuwechsel im großen Maßstab müssten Hersteller ihre Fahrzeuge aufeinander abstimmen – von Batteriearchitektur, Befestigung und Kühlung bis zu Software, Batteriemanagement und Kommunikationsprotokollen. Für europäische Hersteller wie Volvo Trucks, Renault Trucks, Scania, Mercedes-Benz Trucks, MAN und DAF wäre das ein erheblicher Eingriff, zumal sie bereits stark in eigene E-Lkw-Plattformen investiert haben.

Ein Standard, der maßgeblich von CATL geprägt würde, wirft daher Fragen nach Kontrolle und Differenzierung auf. Sun Jie, Research Analyst im Forecasting-Team für mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge bei S&P Global Mobility, sagte gegenüber Nikkei Asia, europäische OEMs könnten sich gegen einen Standard sperren, der ihre Möglichkeiten einschränkt, Fahrzeuge technisch und wirtschaftlich voneinander abzugrenzen.

Noch deutlicher wurde David Cebon, Professor und Direktor des Centre for Sustainable Road Freight an der University of Cambridge. Er erklärte gegenüber Nikkei Asia, große europäische Lkw-Hersteller würden das nicht einfach hinnehmen – denn die Teilnahme an einem solchen System könne bedeuten, Kern-Know-how aufzugeben oder CATLs Wechselarchitektur akzeptieren zu müssen.

Auch Thomas Fabian, Chief Commercial Vehicles Officer beim europäischen Herstellerverband ACEA, betonte gegenüber Nikkei Asia die Bedeutung einer offenen, wettbewerblichen Umsetzung. Im Straßengüterverkehr gehe es nicht nur darum, ob eine Technologie funktioniert, sondern ob sie sich in großem Maßstab in einem offenen und wettbewerbsintensiven europäischen Markt ausrollen lässt.

Die Alternative: Schnellladen mit hoher Leistung

Hinzu kommt: Swaptopus trifft in Europa auf eine Infrastrukturstrategie, die in eine andere Richtung zielt – weg vom Tausch, hin zum Hochleistungsladen.

EU-Vorgaben schreiben Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge entlang wichtiger Korridore vor. Auf Teilen des TEN-T-Netzes sollen bis 2030 unter anderem Ladepunkte mit mindestens 350 Kilowatt verfügbar sein. Parallel positionieren sich Hersteller hinter dem Megawatt Charging System (MCS), einem Schnellladestandard speziell für schwere Nutzfahrzeuge.

Analysten, die Nikkei Asia zitiert, gehen davon aus, dass sich mit MCS ein Lkw-Akku in etwa 30 bis 40 Minuten von 20 % auf 80 % laden lässt. Das passt zu den geltenden Lenk- und Ruhezeiten: In Großbritannien und der EU ist nach 4,5 Stunden Fahrt eine Pause von 45 Minuten vorgeschrieben. Kann der Lkw in dieser Zeit laden, wirkt der Akkuwechsel als Lösung weniger zwingend.

Fabian plädierte gegenüber Nikkei Asia dafür, den Infrastrukturausbau zu beschleunigen, die EU-Verordnung zur Infrastruktur für alternative Kraftstoffe ohne Verzögerung umzusetzen und offene, interoperable Lösungen zu fördern – damit grenzüberschreitender Verkehr und Wahlfreiheit für Kunden möglich bleiben.

Scania und Partner wollen laut Nikkei Asia bis 2027 insgesamt 1.700 MCS-Ladepunkte realisieren.

Wo Akkuwechsel trotzdem sinnvoll sein kann

Ganz verschwinden dürfte das Thema dennoch nicht. In Depots, auf festen Relationen oder in geschlossenen Logistiksystemen kann der Akkuwechsel weiterhin attraktiv sein – insbesondere dort, wo ein Betreiber Fahrzeuge, Batterien und Lade-Setup weitgehend selbst steuert.

Ein offenes europäisches Wechselnetz hätte allerdings eigene Hürden: standardisierte Fahrzeuge, robotergestützte Wechseltechnik, ausreichend Batteriespeicher, Netzkapazitäten – und vor allem genügend Reserveakkus, um den Betrieb stabil zu halten. Cebon warnte zudem: Wenn nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, tauscht zuerst“ gearbeitet würde, könnten sich Warteschlangen von den Ladesäulen zu den Wechselstationen verlagern. Dann wäre zusätzlich ein Buchungssystem nötig.

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