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Belgien: Insolvenzen im Straßengüterverkehr erreichen 2025 Rekordhoch

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Belgiens Straßengüterverkehrssektor beendete das Jahr 2025 unter starkem Druck, wobei kleine Unternehmen die Hauptlast einer Rentabilitätskrise trugen, die keine Anzeichen einer Entspannung zeigt.

Der belgische Straßengüterverkehr erlebte 2025 das schlechteste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, wobei 413 Unternehmen Insolvenz anmeldeten, wie aus Zahlen des Belgian Institute for Transport & Logistics (ITLB) hervorgeht. Dies ist die höchste Zahl, seit das Institut branchenspezifische Daten erhebt, und entspricht einem Anstieg um mehr als ein Drittel gegenüber 2024.

Die Zahlen, zitiert von Transport and Logistics Flanders (TLV), deuten auf eine strukturelle Rentabilitätskrise hin und nicht auf einen vorübergehenden Abschwung. TLV stellt fest, dass das Ausmaß und die Dauer der Insolvenzen auf einen seit Langem bestehenden Margendruck in der gesamten Branche hinweisen.

Ein genauerer Blick auf die Daten zeigt, dass die letzten Monate des Jahres besonders schädlich waren. Fast ein Drittel aller Insolvenzen entfiel auf das vierte Quartal 2025, was bestätigt, dass sich der finanzielle Druck im Laufe des Jahres verschärfte. Laut TLV spiegelt diese Entwicklung wider, was die Organisation in der Praxis bei Transportunternehmen beobachtet hat.

Kleine Transportunternehmen waren mit Abstand am stärksten betroffen. Nahezu 80 Prozent der Insolvenzen betrafen Betreiber mit weniger als sechs Lkw oder Transportern, viele davon unabhängige Frachtführer oder kleine Betriebe, die in der Zustellung auf der letzten Meile tätig sind. Diese Unternehmen arbeiten häufig als Subunternehmer für größere Logistikdienstleister oder E-Commerce-Plattformen. TLV betont, dass das Problem nicht in einem Mangel an Aufträgen liegt, sondern in den finanziellen Bedingungen, unter denen diese Leistungen erbracht werden.

Laut TLV-Geschäftsführer Johan Staes treibt eine Kombination aus steigenden Kosten und Cashflow-Druck kleine und junge Unternehmen aus dem Markt. Die Arbeitskosten machen rund 35 bis 40 Prozent der gesamten Betriebskosten aus, während Kraftstoff 20 bis 25 Prozent ausmacht. Darüber hinaus sehen sich die Betreiber mit Kilometerabgaben konfrontiert, die 8 bis 10 Prozent der Kosten ausmachen, jährlich indexiert werden und innerhalb kurzer Fristen zu zahlen sind. Zunehmende stau- und verkehrsbedingte Stillstandszeiten, höhere Finanzierungskosten und verspätete Zahlungen von Kunden beeinträchtigen die Liquidität zusätzlich. Staes warnte, dass selbst relativ geringe Kostensteigerungen, wie Anpassungen bei der Kfz-Steuer, darüber entscheiden können, ob ein Unternehmen überlebt oder scheitert.

Kurzfristig ist kaum mit einer Entspannung zu rechnen. Laut ITLB-Prognosen, veröffentlicht von Transportmedia.be, dürften die Kosten im Straßengüterverkehr in Belgien 2026 um 4 Prozent steigen. Kraftstoffkosten und Mautgebühren sollen die wichtigsten Treiber sein, neben Lohnerhöhungen und steigenden Versicherungsprämien. ITLB weist zudem darauf hin, dass es weiterhin keinen eigenen Kostenindex für den Betrieb von Elektro-Lkw gibt, was für Betreiber, die Investitionen in alternative Antriebe planen, zusätzliche Unsicherheit schafft.

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