Hinter den prominenten Namen, die vom Markt verschwinden, verbergen sich jedoch weniger offensichtliche Schlussfolgerungen über das Alter der Unternehmen, ihre Größe und ihren Standort. Eine Analyse der Insolvenzfälle zeigt, dass die Branche zunehmend anfällig für wirtschaftliche Schocks wird.
Rekordzahl an Insolvenzen im Jahr 2025
TLV-Daten zeigen, dass der Straßengüterverkehrssektor in Belgien im Jahr 2025 413 Insolvenzen verzeichnete, gegenüber 307 im Vorjahr. Das entspricht einem klaren Anstieg gegenüber dem Vorjahr und verdeutlicht das Ausmaß des Problems. Zum Vergleich: 2015 lag die Zahl bei 163, und 2020 meldeten 97 Transportunternehmen in Belgien Insolvenz an.
Die höchste Zahl an Insolvenzen im Jahr 2025 trat im vierten Quartal auf, als die Insolvenzen 129 Fälle erreichten.
Langfristige Daten deuten zudem auf einen breiteren Trend hin: Nach dem pandemiebedingten Rückgang der Insolvenzen im Jahr 2020 brachten die Folgejahre einen stetigen Anstieg, was auf strukturellen Druck in der Branche hindeutet.
Es trifft nicht nur kleine Akteure
Unter den insolventen Unternehmen waren sowohl kleine Einheiten als auch bekannte Marktteilnehmer, die mehr als 20 Personen beschäftigten und über viele Jahre tätig waren. Dazu zählen unter anderem. Unternehmen wie Group De Wolf, Transnam, Geleyte, Vebotrans, Hansbeeks Snelvervoer, Eurosped Belgium, Bongaerts Logistics, Transport Lerinckx Stefaan, Supreme Transport und Dalga-Trans. Einige Vermögenswerte wurden von anderen Frachtführern übernommen, und einige Unternehmen wurden restrukturiert, doch der Zusammenbruch großer Namen verstärkte den Eindruck, dass sich die Bedingungen in der Branche verschlechtern.
Die Statistiken zeigen zudem, dass der Transportsektor empfindlicher reagiert als die Gesamtwirtschaft. Analysen zufolge stieg die Zahl der Insolvenzen im weit gefassten Transport- und Logistiksektor um 19 %.
Kürzere Lebenszyklen von Transportunternehmen
Eine Analyse von 406 Insolvenzfällen zeigt, dass Transportunternehmen einen kürzeren Lebenszyklus haben als der Durchschnitt der Gesamtwirtschaft.
Nur 8,3 % der insolventen Unternehmen waren länger als 20 Jahre tätig, während fast 46 % jünger als fünf Jahre waren. Das ist ein deutlich höherer Anteil junger Unternehmen als in landesweiten Statistiken und weist auf eine größere Fragilität der Geschäftsmodelle im Transport hin.
Gleichzeitig waren ein Drittel der gescheiterten Einheiten Kleinstunternehmen, deren Betriebsumfang in der Praxis einem einzelnen Fahrzeug entsprach.
Die Geografie der Insolvenzen passt nicht zur Branchenkarte
Die regionale Aufschlüsselung der Insolvenzen unterscheidet sich deutlich von der Verteilung der Transportunternehmen im Land. So wurden 28,5 % der Insolvenzen in der Region Brüssel-Hauptstadt registriert, obwohl dort nur 9,6 % der Frachtführer tätig sind. Im Gegensatz dazu sind einige Regionen, wie Westflandern, bei den Insolvenzen deutlich unterrepräsentiert.
Finanzielle Probleme und ein plötzlicher Verlust der Profitabilität
Fast 29,8 % der Unternehmen veröffentlichten nie eine Bilanz oder arbeiteten jahrelang ohne aktuelle Berichte, was nicht zwangsläufig Unregelmäßigkeiten bedeutet, aber auf eine geringe finanzielle Transparenz in Teilen des Marktes hinweist. In rund 11,3 % der Fälle verzeichneten Unternehmen ein rasches Wachstum, dem ein plötzlicher Verlust der Profitabilität folgte, während bei ca. 12 % der Unternehmen das Aktivitätsniveau stabil blieb, sich jedoch Finanzergebnisse und Eigenkapital schrittweise verschlechterten.
Unternehmensgrößenstruktur in der Statistik
TLV-Daten zeigen, dass die größte Zahl der Insolvenzen die kleinsten Unternehmen betrifft. 2025 bestand die größte Gruppe aus Unternehmen mit ein bis fünf Fahrzeugen, während Insolvenzen bei großen Betreibern relativ selten waren.
Das bestätigt, dass die kleinsten Einheiten den Schwankungen bei Kosten und Marktbedingungen am stärksten ausgesetzt sind.
Ein Warnsignal für den Markt
Die Kombination aus einer wachsenden Zahl an Insolvenzen, kürzeren Unternehmenslebenszyklen und einer Konzentration der Insolvenzen in bestimmten Regionen weist auf strukturellen Druck im belgischen Straßentransport hin.
Steigender Kostendruck und geringe Profitabilität führen dazu, dass selbst ein kurzfristiger Abschwung schnell in einen Verlust der finanziellen Liquidität münden kann, insbesondere bei den kleinsten Frachtführern.
Für den europäischen Markt ist dies ein klares Signal, dass die Stabilität des Transportsektors weiterhin stark von Margen, Zugang zu Kapital und der Fähigkeit der Unternehmen abhängt, Risiken in einem Umfeld zunehmender wirtschaftlicher Volatilität zu steuern.











