Der Fall zeigt, wie schnell digitale Kommunikation zur Einfallstür werden kann, besonders bei hochpreisigen Sendungen. Nach Angaben von n-tv unter Berufung auf dpa gaben sich die Angeklagten als bekannte Spedition aus Bremen aus, übernahmen Transportaufträge, holten die Güter bei den Versendern ab und veräußerten sie später deutlich unter Marktwert.
Haftstrafen bis über fünf Jahre
Verurteilt wurden vier Männer im Alter von 34 bis 63 aus Dortmund und Düsseldorf. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie als organisierte Gruppe agierten und gewerbsmäßigen Betrug begingen.
Der Hauptangeklagte muss fünf Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Die übrigen Angeklagten erhielten Strafen zwischen drei Jahren und mehr als fünf Jahren. Ein 47-Jähriger aus Dortmund kam mit 18 Monaten auf Bewährung davon, weil er nach Ansicht des Gerichts lediglich als Helfer beteiligt war.
Die Staatsanwaltschaft hatte für den Hauptangeklagten eine Strafe von sechs Jahren gefordert. In drei Fällen folgte das Gericht bei der Strafzumessung dem Antrag der Anklage.
Der Trick: aus „.de“ wurde „.com“
Laut den Feststellungen des Gerichts verschaffte sich die Gruppe Zugang zur Online-Frachtbörse, indem sie die Daten der Bremer Spedition nutzte. Entscheidend war eine minimale Abweichung in der Kontaktadresse.
Statt der echten Domain mit „.de“ verwendeten die Täter eine Variante mit „.com“ und traten so als angebliche Mitarbeitende oder Beauftragte des Unternehmens auf.Auf dieser Basis nahmen sie Transporte an und ließen die Ware abholen – bei den vorgesehenen Empfängern kam sie jedoch nicht an.
Milchprodukte, Schokolade und Stahl: Ware nach der Abholung weg
Zu den entwendeten Gütern zählten unter anderem Milchprodukte, Fruchtsäfte, Schokolade, Stahl sowie Waschmittel und Mittel zur Schimmelentfernung.
In Neuss holte die Gruppe nach Angaben des Gerichts 20 Tonnen Milchprodukte im Wert von rund achtzigtausend Euro ab. Später sollen diese für weniger als die Hälfte des Werts verkauft worden sein. Wenige Tage danach folgte in derselben Region eine weitere Abholung: Milchprodukte und Fruchtsäfte im Wert von fast dreiundvierzigtausend Euro.
Ermittler schilderten außerdem einen deutlich größeren Versuch in Mülheim an der Ruhr. Demnach wollte die Gruppe mit fünf Lastwagen 380 tausend Schokoriegel im Wert von rund 1,1 Millionen Euro an sich bringen.
Weiterverkauf über einen Abnehmer am Ende der Kette
Nach Einschätzung der Ermittler wurde die gestohlene Ware anschließend weiterverkauft, häufig weit unter dem tatsächlichen Wert. Als zentraler Abnehmer gilt demnach ein sogenannter Endhändler aus Hagen.
Die Zahlungen sollen über eine Briefkastenfirma gelaufen sein, die ein weiteres mutmaßliches Bandenmitglied zur Jahresmitte 2024 gegründet hatte.
Ein Teil der Vorwürfe wurde vom Gericht eingestellt. Am Ende bezifferte es den Gesamtschaden auf mehr als achthunderttausend Euro. In der Anklage war noch von Verlusten von über einer Million Euro ausgegangen worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.









