Besonders angespannt ist die Lage auf den Achsen zwischen Mainz, Wiesbaden, Rüsselsheim und Frankfurt am Main. Eine Häufung von Baustellen und Sperrungen führt dazu, dass auf mehreren Korridoren deutlich mehr Zeit im Stau verloren geht. Für Speditionen bedeutet das nicht nur verspätete Ankünfte: Auch die Tagesdisposition wird komplexer, und gebuchte Zeitfenster bei Kunden lassen sich schlechter einhalten.
Nach der Sperrung der Hochheimbrücke steigen die Stauzeiten deutlich
Zusätzliche Dynamik bekam die Situation, nachdem die Hochheimbrücke auf der A671 seit dem 20. März vollständig gesperrt ist. Laut ADAC verschlechterte sich die Verkehrslage in den folgenden zwei Monaten auf zahlreichen Autobahnabschnitten spürbar – im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum zuvor.
Parallel liefen Arbeiten auf weiteren zentralen Strecken, darunter:
- A3 zwischen Mönchhof-Dreieck und Wiesbadener Kreuz
- A60 zwischen Rüsselsheimer Dreieck und Mainspitz-Dreieck
- A643 zwischen Schiersteiner Brücke und Schiersteiner Kreuz
In der Summe erhöht das die Belastung im gesamten Netz: Jede zusätzliche Einschränkung verlagert Verkehr auf Umleitungen – und erzeugt dort neue Engpässe.
ADAC-Daten: Stauzeiten steigen auf mehreren Abschnitten deutlich
Die ADAC-Auswertung zeigt das Tempo der Entwicklung. Auf ausgewählten Autobahnabschnitten hat sich die im Stau verbrachte Zeit teils um ein Vielfaches erhöht.
Auf der A67 zwischen Rüsselsheimer Dreieck und Mönchhof-Dreieck stiegen die Stauzeiten:
- von 29 auf 220 Stunden in einer Richtung
- von 97 auf 217 Stunden in der Gegenrichtung
Auf der A66 zwischen Schiersteiner Kreuz und Wiesbadener Kreuz:
- von 104 auf 206 Stunden in einer Richtung
- von 165 auf 281 Stunden in der Gegenrichtung
Auf der A643 zwischen Schiersteiner Straße und Dreieck Mainz:
- von 124 auf 253 Stunden in einer Richtung
- von 333 auf 420 Stunden in der Gegenrichtung
Dabei geht es nicht nur um punktuelle Staus in den Spitzenzeiten. Die Daten deuten auf ein höheres Grundniveau der Überlastung hin – mit zähem Verkehr auch außerhalb der klassischen Stoßzeiten.
B43 als Ausweichroute – mehr Verkehr in den Städten
Wenn auf Autobahnen Kapazität fehlt, weicht Verkehr zunehmend auf das nachgeordnete Netz aus. Die Bundesstraße 43 wird damit faktisch zur Umleitungsstrecke für Fahrzeuge, die A60 und A67 meiden – und führt durch Rüsselsheim, Ginsheim-Gustavsburg und Mainz-Kastel.
Dadurch verlagern sich Probleme aus dem Transitverkehr in bebaute Gebiete. Wo sich Schwerverkehr durch die Stadt bewegt, steigen unter anderem:
- die Belastung an Knotenpunkten
- Einschränkungen auf innerörtlichen Straßen
- die Fahrzeiten auf der „letzten Meile“
Die Stadt Rüsselsheim spricht von starkem Verkehrsdruck in der Innenstadt. Zudem würden Fahrerinnen und Fahrer empfohlene Umleitungen häufig nicht konsequent nutzen und stattdessen die jeweils kürzeste verfügbare Route wählen.
Viele Baustellen, begrenzte Abstimmung
Dass die Störungen zunehmen, liegt nicht nur an der Zahl der Baustellen, sondern auch an der Gleichzeitigkeit der Eingriffe. Zuständigkeiten sind in der Region auf mehrere Akteure verteilt, darunter die Autobahn GmbH des Bundes und Hessen Mobil. Aus kommunaler Sicht wird die Baustellenplanung nicht immer so koordiniert, wie es für Städte und Gemeinden erforderlich wäre.
Rüsselsheim warnt zudem, dass sich überlappende Straßen- und Bahnprojekte – zusammen mit Umleitungen – zu Verkehrsmengen führen können, die sich nur noch schwer kontrolliert abwickeln lassen.
Ein strukturelles Problem im Netz
Das Beispiel Rhein-Main zeigt, wie anfällig die Infrastruktur wird, wenn mehrere Teile des Netzes gleichzeitig erneuert werden. Der ADAC weist ausserdem darauf hin, dass selbst moderne Navigationssysteme lokale Engpässe, die sich in Echtzeit aufbauen, nicht verlässlich vorhersagen können.
Für den Straßengüterverkehr hat das konkrete Folgen:
- Fahrzeiten werden weniger verlässlich kalkulierbar
- das Risiko von Verzögerungen in regionalen und internationalen Verkehren steigt
- kurzfristige Umplanungen im laufenden Betrieb werden häufiger
- städtische Umwege müssen dauerhaft in der Routenplanung berücksichtigt werden
In einem der wichtigsten Logistikräume Deutschlands wird dieser infrastrukturell bedingte Stau damit zunehmend zum neuen Alltag im Straßentransport.









