Das Wichtigste im Überblick
- In Deutschland wurden 2024 und 2025 zusammen 9.092 Frachtdelikte registriert.
- Damit verzeichnet die Bundesrepublik die höchste Zahl gemeldeter Vorfälle unter den wichtigsten europäischen Transportmärkten.
- Die meisten Fälle betreffen weiterhin klassische Ladungs-, Fahrzeug- und Kraftstoffdiebstähle.
- Sicherheitsexperten beobachten zugleich eine zunehmende Professionalisierung organisierter Tätergruppen und empfehlen eine konsequente Überprüfung von Geschäftspartnern und Transportaufträgen.
Mehr als 9.000 Delikte in zwei Jahren
Nach Angaben von TAPA EMEA wurden in Deutschland in den Jahren 2024 und 2025 insgesamt 9.092 Frachtdelikte registriert. Die gemeldeten Schäden summierten sich auf knapp 104 Millionen Euro. Der durchschnittliche Schaden pro Vorfall lag bei rund 64.500 Euro. Besonders auffällig: Allein 163 gemeldete Delikte verursachten jeweils Schäden von mehr als 100.000 Euro und stehen zusammen für knapp 87 Millionen Euro Verlust.
Damit liegt Deutschland bei der Zahl der gemeldeten Vorfälle deutlich vor anderen großen europäischen Logistikmärkten.
Deutschland führt bei der Zahl der Vorfälle
Ein Blick auf die wichtigsten Transportländer Europas zeigt, dass Deutschland die höchste Anzahl registrierter Frachtdelikte aufweist. Laut TAPA wurden im selben Zeitraum in Italien 6.075, in Frankreich 4.708 und in Spanien 4.106 Vorfälle gemeldet. Für Polen und weitere mittel- und osteuropäische Länder zusammen wurden 5.370 Delikte erfasst.
Bei den Schadenssummen ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Frankreich verzeichnete mit rund 261,5 Millionen Euro die höchsten gemeldeten Verluste, gefolgt von Italien mit 179 Millionen Euro und Polen beziehungsweise Mittel- und Osteuropa mit knapp 125 Millionen Euro. Deutschland liegt mit rund 104 Millionen Euro zwar darunter, weist jedoch die höchste Zahl registrierter Vorfälle auf.
Für international tätige Speditionen ist das ein wichtiger Hinweis: Das Risiko konzentriert sich nicht auf einzelne Länder, sondern betrifft nahezu alle großen europäischen Transportkorridore – von Deutschland über Frankreich bis nach Italien und Osteuropa.
Klassischer Diebstahl bleibt das größte Problem
Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung dominieren weiterhin klassische Delikte. Mehr als die Hälfte aller in Deutschland registrierten Fälle entfiel auf Diebstahl aus Fahrzeugen. Weitere häufige Deliktformen waren allgemeine Diebstähle, Diebstähle aus Betriebsgeländen sowie Auflieger- und Fahrzeugdiebstähle.
Auch die Tatorte sprechen eine deutliche Sprache. Ein erheblicher Teil der Vorfälle wurde auf unbewachten Parkplätzen oder entlang der Transportkette registriert. Zudem konnten viele Tatorte nicht eindeutig klassifiziert werden, was auf die teilweise lückenhafte Datenlage bei der Erfassung von Frachtdelikten hinweist.
Besonders häufig betroffen waren Warenkategorien, die in den TAPA-Daten als „Miscellaneous“ zusammengefasst werden. Daneben zählen Kraftstoff, Metalle sowie Werkzeuge und Baumaterialien zu den häufigsten Diebesgütern.
Täter werden professioneller
Gleichzeitig beobachten Branchenvertreter und Marktteilnehmer eine Veränderung der Vorgehensweisen organisierter Tätergruppen. Ewa Węgorkiewicz, Group Chief Commercial Officer bei Trans.eu, sieht insbesondere bei der organisierten Kriminalität eine zunehmende Verlagerung in den digitalen Raum.
„Was wir beobachten, ist eine systematische Verlagerung vom physischen Frachtdiebstahl hin zur digitalen Identitätsvortäuschung – und diese Entwicklung beschleunigt sich.“
Dabei gehe es häufig nicht mehr um klassische Aufbrüche von Aufliegern oder nächtliche Diebstähle auf Rastplätzen. Stattdessen würden Täter gefälschte Unternehmensprofile, manipulierte E-Mail-Adressen oder gestohlene Firmendaten nutzen, um sich als legitime Frachtführer auszugeben.
Nach Einschätzung der Expertin liegt die zentrale Schwachstelle häufig dort, wo Geschäftspartner unter Zeitdruck beauftragt werden und Vertrauen auf Angaben basiert, die nicht ausreichend überprüft werden können.
„Die eigentliche Schwachstelle ist Vertrauen auf Grundlage von Informationen, die sich nicht in Echtzeit verifizieren lassen.“
Klassische Diebstähle dominieren weiterhin
Trotz der zunehmenden Diskussion über digitale Betrugsformen zeigen die aktuellen TAPA-Daten, dass klassische Frachtdelikte weiterhin den Großteil der registrierten Vorfälle ausmachen.
Die meisten Schäden entstehen nach wie vor durch Diebstähle aus Fahrzeugen und Aufliegern, Fahrzeugdiebstähle, Einbrüche auf Betriebsgeländen oder Kraftstoffdiebstähle. Besonders ungesicherte Parkplätze gelten weiterhin als Risikobereiche entlang der Transportkette.
Digitale Betrugsfälle, etwa durch gefälschte Frachtführeridentitäten oder manipulierte Unternehmensdaten, werden zwar zunehmend von Sicherheitsexperten thematisiert, machen in den offiziellen Statistiken bislang jedoch nur einen vergleichsweise kleinen Teil der erfassten Delikte aus.
Nach Einschätzung von Branchenexperten sollte dies jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass organisierte Tätergruppen ihre Methoden kontinuierlich weiterentwickeln. Während klassische Diebstähle weiterhin den Alltag prägen, könnten Identitätsmissbrauch und digitale Betrugsmodelle künftig stärker an Bedeutung gewinnen.
Sicherheit wird zum Wettbewerbsfaktor
Für Speditionen, Verlader und Logistikdienstleister gewinnt das Thema Risikomanagement damit weiter an Bedeutung. Neben sicheren Parkplätzen, technischen Schutzmaßnahmen und geschultem Personal rückt zunehmend die Überprüfung von Geschäftspartnern in den Fokus.
Experten empfehlen insbesondere bei kurzfristigen Transportvergaben eine sorgfältige Kontrolle von Unternehmensdaten, Versicherungsnachweisen und Kommunikationswegen. Ziel sei es, Betrugsversuche frühzeitig zu erkennen, ohne die notwendige Flexibilität im europäischen Transportmarkt einzuschränken.
Die aktuellen TAPA-Zahlen machen deutlich: Deutschland bleibt zwar Europas größter Brennpunkt für Frachtdiebstähle. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Sicherheitsrisiken entlang der Lieferkette vielfältiger werden. Für die Branche bedeutet das, klassische Diebstahlprävention und digitale Sicherheitsmaßnahmen künftig noch stärker miteinander zu verbinden.









