Die wichtigsten Punkte:
- Mehr als 4 Millionen TEU an Kapazität stecken im Hafenstau fest.
- Linerlytica rechnet damit, dass die Schiffe auch während der Golden Week gut ausgelastet bleiben.
- Ausgefallene Abfahrten könnten die Störungen bis in den Oktober verlängern.
Nach Angaben von Linerlytica sind derzeit mehr als 4 Millionen TEU an Containerschiffskapazität durch die Überlastung der Häfen gebunden. In Shanghai und Ningbo müssen Schiffe bis zu zwölf Tage auf ihren Hafenanlauf warten. In der jüngsten Ausgabe des Market Pulse vom 8. September warnte die Beratungsgesellschaft zudem, dass sich die Störungen auf weiter südlich gelegene chinesische Häfen und nach Südostasien ausbreiten.
Besonders relevant ist die Einschätzung, dass der aufgestaute Ladungsbestand die Schiffe auch während der traditionell schwächeren Golden Week voll ausgelastet halten könnte. Die Feiertage zum chinesischen Nationalfeiertag dauern in diesem Jahr vom 1. bis 7. Oktober. Normalerweise fahren Fabriken ihre Produktion während dieser Zeit zurück oder schließen vorübergehend. Das Frachtaufkommen sinkt, worauf die Reedereien mit gestrichenen Abfahrten beziehungsweise sogenannten Blank Sailings reagieren.
Diesmal gehen die Carrier jedoch mit einem erheblichen Rückstau in die Feiertage. Die bereits im System befindlichen Sendungen könnten die verfügbaren Schiffe weiter füllen, obwohl die Nachfrage während der Golden Week üblicherweise nachlässt.
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Shanghai: An einzelnen Terminals warten Schiffe neun Tage
Operative Daten von Kuehne+Nagel bestätigen die angespannte Lage an den beiden größten Containerdrehscheiben Chinas. Der Sieben-Tage-Durchschnitt der Wartezeit für Schiffe in Shanghai lag am 8. September bei 4,72 Tagen. An einzelnen Terminals war die Situation deutlich kritischer: In Waigaoqiao überschritt die Wartezeit an den Terminals WGQ2 und WGQ5 neun Tage, am Yangshan-Terminal YS12 waren es mehr als sieben Tage.
In Ningbo lag der Sieben-Tage-Durchschnitt bei 3,58 Tagen.
Beide Häfen mussten außerdem den Betrieb wetterbedingt unterbrechen. Wegen des Taifuns Saudel war der Betrieb in Ningbo in der Vorwoche insgesamt 78 Stunden unterbrochen. In Shanghai fielen am Yangshan- und am Waigaoqiao-Terminal 54 beziehungsweise 48 Betriebsstunden aus.
Auch die Auslastung der Lagerflächen in Ningbo war laut Kuehne+Nagel hoch. Am MSICT-Terminal lag sie bei mehr als 90 Prozent.
Die unmittelbaren Wartezeiten sind dabei nur ein Teil des Problems. Gerät ein Containerschiff in Shanghai oder Ningbo mehrere Tage aus dem Fahrplan, nimmt es diese Verspätung häufig auf die folgenden Hafenanläufe und Umläufe mit. Dadurch sinkt die tatsächlich verfügbare Kapazität im gesamten Netzwerk.
Sea-Intelligence registriert bereits einen deutlichen Rückgang der Fahrplantreue in Asien. Die weltweite Zuverlässigkeit der Fahrpläne sank im Juli gegenüber dem Vormonat um 6,1 Prozentpunkte auf 56,4 Prozent – den niedrigsten Wert im Jahr 2026. Ein verspätetes Schiff traf im Durchschnitt 6,06 Tage nach Plan ein.
Alle 14 von der Beratungsgesellschaft beobachteten großen asiatischen Häfen verzeichneten eine schlechtere Fahrplantreue. In Shanghai kamen im Juli nur 21 Prozent der Containerschiffe pünktlich an, in Ningbo fiel der Wert auf 34,6 Prozent.
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Sea-Intelligence führt die Verschlechterung vor allem auf die Überlastung asiatischer Häfen zurück. Die Analysten warnen, dass sich der Rückstau in den kommenden Monaten über die großen Liniennetzwerke hinweg fortsetzen könnte.
Reedereien reduzieren Kapazität, während der Hafenstau sie ohnehin verknappt
Für Verlader kommt die Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Reedereien hatten rund um die Golden Week bereits Kapazitätskürzungen eingeplant, weil sie mit einem Rückgang des Frachtaufkommens während der Feiertage rechnen.
MSC erklärte im August, die erwartete Abschwächung der Nachfrage werde zu mehreren Ausfällen auf den Verbindungen zwischen Asien und Europa führen. Auf den Diensten zwischen Asien und Nordeuropa sollen in Kalenderwoche 40 die Abfahrten Swan und Britannia sowie in Kalenderwoche 41 eine Lion-Abfahrt entfallen.
Auch Maersk passt den Fahrplan an. Als Gründe nennt die Reederei sowohl die erwartete geringere Nachfrage als auch die während der Feiertage begrenzte Zahl verfügbarer Arbeitskräfte für die Frachtabfertigung. Zu den angekündigten Ausfällen auf den Asien-Europa-Diensten gehören Abfahrten ab Qingdao am 28. September, ab Ningbo am 8. Oktober und ab Shanghai am 10. Oktober.
Für die wichtigsten Ost-West-Verkehre erwartet Drewry derzeit 47 gestrichene Abfahrten in den Kalenderwochen 37 bis 41. Insgesamt waren 729 Abfahrten geplant. Damit entfallen rund 6 Prozent des ursprünglichen Programms. Unter normalen Bedingungen helfen solche Kürzungen, das Angebot nach den Feiertagen an das geringere Ladungsaufkommen anzupassen. In diesem Jahr treffen sie jedoch auf eine Situation, in der der Hafenstau bereits einen Teil der tatsächlich verfügbaren Schiffskapazität aus dem Markt nimmt.
Genau darin liegt die von Linerlytica beschriebene Gefahr: Selbst wenn die eigentliche Nachfrage während der Golden Week zurückgeht, könnten die auf ihre Verladung wartenden Exporte die weiterhin fahrenden Schiffe voll auslasten.
Die Störungen könnten über die Feiertage hinausreichen
Mit der Wiederaufnahme der Fabrikproduktion am 8. Oktober dürfte sich die Lage daher nicht sofort normalisieren. Für die Woche nach der Golden Week sind bereits weitere Blank Sailings angekündigt. Gleichzeitig werden Schiffe, die im September verspätet sind, ihre Rückstände auf den folgenden Hafenanläufen in Asien und Europa weiter mitführen. Bei Maersk liegen beispielsweise Golden-Week-bedingte Ausfälle auf den Asien-Europa-Diensten mit Abfahrten ab Ningbo am 8. Oktober und ab Shanghai am 10. Oktober bereits nach dem offiziellen Ende der Nationalfeiertage.
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Der chinesische Kalender lässt im September zudem ungewöhnlich wenig Zeit für eine Erholung. Das Mittherbstfest dauert vom 25. bis 27. September. Bis zum Beginn der Nationalfeiertage am 1. Oktober bleiben damit nur drei reguläre Werktage. Für europäische Importeure könnte es deshalb weniger um einen rechnerischen Mangel an Schiffen gehen als um die Frage, ob zum benötigten Zeitpunkt am richtigen Ort ausreichend Kapazität bereitsteht.
Linerlytica zufolge stützt der Hafenstau bereits die Frachtraten. Der Rückstau könnte die Auslastung der Schiffe in einer Phase hoch halten, in der die Reedereien normalerweise mit einer Entlastung rechnen würden.
Weniger als drei Wochen vor Beginn der Golden Week kämpfen Chinas beiden größten Containerhäfen weiterhin mit erheblichen Verzögerungen. Die saisonale Entspannung könnte für die Schifffahrt deshalb in diesem Jahr deutlich schwächer ausfallen.









