Der Straßentransport in Europa hat in diesem Jahr nach Schätzungen der Analysten von Transport Intelligence (TI) mehr als 6 % an Wert verloren. Bis 2024 wird ein durchschnittliches Wachstum des Sektors von mehr als 3 % pro Jahr erwartet, das vor allem auf den internationalen Transport zurückzuführen ist.

Laut einer Berechnung von TI wird der europäische Straßentransportmarkt Ende 2020 einen Wert von 324 Milliarden Euro haben. Das sind um 6,2 % weniger als Ende 2019, als der Straßenverkehrsmarkt 352 Milliarden Euro wert war.

Der diesjährige Rückgang ist natürlich die Folge der COVID-19-Pandemie, die im Frühjahr zu Lockdowns in ganz Europa führte. Infolgedessen wurde die Produktion auf dem gesamten Kontinent angehalten, was sich auf die Nachfrage nach Transportmitteln auswirkte, einschließlich nach dem Straßentransport, der den größten Anteil am gesamteuropäischen Transportmarkt hat. Im April betrug die Produktion in der EU nur 70 % des Vorjahresniveaus. Nach der Aufhebung eines Großteils der Einschränkungen und dem Wiederanstieg in den Sommermonaten erreichte das Produktionsniveau im September bereits 94 % des Ergebnisses von 2019. Obwohl die zweite Pandemiewelle im Herbst wahrscheinlich keine vollständige Erholung ermöglichte, ist das gesunde Niveau ein gutes Signal für den Transportmarkt für nächstes Jahr.

Andererseits sind die Einzelhandelsumsätze nach einem vorübergehenden Einbruch im Frühjahr wieder auf das Niveau von vor der Pandemie zurückgekehrt, was vor allem auf den Boom des Internethandels zurückzuführen ist. Der Online-Handel erfordert von den Einzelhändlern hohe Lagerbestände, was die Logistikbranche antreibt (und weiter antreiben wird).

Der Aufschwung der Wirtschaft treibt den Transport an

Die Analysten von TI prognostizieren für die nächsten vier Jahre ein durchschnittliches jährliches Wachstum des Straßentransportmarktes in Höhe von 3,4 %. Ende 2024 soll er 378,1 Milliarden Euro erreichen.

Die Prognosen deuten darauf hin, dass sich die europäische Wirtschaft nach dem Einbruch in diesem Jahr schnell erholen wird. Laut IWF wird in den nächsten vier Jahren ein durchschnittliches jährliches BIP-Wachstum in der Europäischen Union von 3,2 % erwartet, und das vorpandemische Produktionsniveau soll im Jahr 2022 erreicht werden.

TI argumentiert, dass der Straßentransport gegenüber anderen Verkehrsträgern in Europa kurzfristig bevorzugt werden dürfte, da er flexibler ist und in direktem Kontakt mit dem Kunden steht. Vorläufig sind die Straßentransportraten aufgrund der geringeren Nachfrage und der Überkapazitäten gesunken. Während die Nachfrage mit der erwarteten Frühjahrsbelebung und der Aufhebung der Pandemiebeschränkungen im Jahr 2021 wahrscheinlich bald zurückkehren wird, werden die niedrigen Kraftstoffpreise es den Spediteuren ermöglichen, ihre Tarife gegenüber anderen Transportarten wettbewerbsfähig zu halten.

Mittelfristig ist jedoch mit einem Anstieg der Raten zu rechnen. Erstens ändern sich die Kraftstoffpreise zyklisch und werden wahrscheinlich irgendwann steigen. Zweitens, wenn Transportunternehmen in Konkurs gehen (was nicht ausgeschlossen werden kann), wird das geringere Angebot an Transportmitteln ebenfalls zu Preissteigerungen beitragen. Das Inkrafttreten des Mobilitätspakets Anfang 2022 wird sich auch auf das Preisniveau der Frachtführer in ganz Europa auswirken.

Stabiles Wachstum auf Inlandsstrecken

Was die Straßentransportsegmente betrifft, so wird sich der Transport zwischen den europäischen Ländern in den kommenden Jahren schneller entwickeln als der Inlandstransport. Für den Binnenmarkt wird zwischen 2020 und 2024 ein durchschnittliches Wachstum von 3,1 % und für den internationalen Verkehr ein Wachstum von 4,2 % pro Jahr erwartet.

Der Wert des Inlandstransports in den europäischen Ländern wird im Jahr 2020 voraussichtlich um 5,5 % sinken. Dieses Segment hat das Pandemiejahr besser verkraftet als der Markt für den internationalen Verkehr und hat laut Experten bereits im dritten Quartal dieses Jahres das vorpandemische Niveau erreicht. Auch in den kommenden Jahren wird der Konsum die wirtschaftliche Erholung in den europäischen Ländern vorantreiben. Eine potenzielle Bedrohung könnte die Frage der staatlichen Unterstützungsprogramme für Unternehmen sein, die sich in diesem Jahr als sehr hilfreich erwiesen haben, um viele Unternehmen am Leben und viele Arbeitsplätze zu erhalten. Diese Programme werden wahrscheinlich in den kommenden Monaten auslaufen, was für viele Unternehmer zu Schwierigkeiten führen könnte, wenn die wirtschaftliche Erholung nicht ausreichend ist.

Wachstum des Straßentransportmarktes in Europa:

2019 2020 2024
Auslandsverkehr 104,9 Milliarden Euro 96,6 Milliarden Euro 114,1 Milliarden Euro
Inlandsverkehr 247,1 Milliarden Euro 233,5 Milliarden Euro 264,1 Milliarden Euro
Summe 352 Milliarden Euro 324 Milliarden Euro 378,1 Milliarden Euro

Internationaler Handel als treibende Kraft des Transports

Was den internationalen Verkehr betrifft, so wird dessen Wachstum in den kommenden Jahren voraussichtlich dynamischer sein als das der Binnenmärkte. Gleichzeitig war der Rückgang in diesem Segment aber aufgrund der Grenzschließungen im Frühjahr mit 7,9 % deutlich tiefer als im Binnenmarkt.

Ein stärkeres Wachstum in den kommenden Jahren wird vor allem die erwartete Erholung des Handels zwischen den EU-Ländern antreiben. Laut IWF soll der Handel zwischen den Ländern des Euroraums zwischen 2020 und 2024 im Durchschnitt um 5,1 % wachsen, also deutlich schneller als das oben genannte erwartete BIP-Wachstum in Europa (3,2 %).

Wie TI hervorhebt, ergibt sich daraus ein Verhältnis von Handel zu BIP von 1,6, während es im vergangenen Jahrzehnt meist um 1 lag. Das Wachstum der Industrieproduktion auf dem Kontinent wird auch die Entwicklung des Verkehrs zwischen den Ländern fördern. Die europäischen Volkswirtschaften sind eng miteinander verflochten und für die Herstellung vieler Güter werden Rohstoffe und Komponenten benötigt, die in anderen Ländern produziert werden.

Der Brexit bleibt ein interessantes Thema. Die Prognosen von TI gehen davon aus, dass sich die EU und das Vereinigte Königreich auf ein Handelsabkommen einigen, das die Beziehung zwischen den beiden Parteien nach dem 1. Januar 2021 definiert. Die fehlende Einigung wird sich jedoch wahrscheinlich negativ auf das Verkehrsaufkommen zwischen diesen Regionen auswirken.

Foto: Bartosz Wawryszuk

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