In Deutschland bleibt die Wirtschaft dank der starken Ausweitung der Industrieproduktion auch im September auf Wachstumskurs. Der ifo Geschäftsklimaindex steigt weiter. Dafür driftet Europa ökonomisch immer mehr auseinander.

Obwohl die deutsche Wirtschaft zum zweiten Mal hintereinander an Dynamik verliert,  bleibt sie dank der starken Ausweitung der Industrieproduktion auch im September auf Wachstumskurs. Der leichte Rückgang der Dynamik ist auf den Dienstleistungssektor zurückzuführen, der Geschäftseinbußen vermeldete.

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Quelle:IHS Markit

Der IHS Markit Flash Deutschland Composite Index Produktion ist um 0,7 Punkte auf 53,7 gesunken, was ein Signal dafür ist,  dass die Erholung von der Corona-Krise abermals an Schwung verloren hat. Nach zweimonatigem Wachstum schrumpfte auch der Servicesektor wieder. Die Hersteller hingegen konnten ihre Produktion weiter steigern.

Der Flash Deutschland EMI Industrie legte gegenüber dem Vormonat um 4,4 Punkte auf 56,6 zu und verzeichnete damit den höchsten Wert seit Juli 2018.

Zu betonen ist, dass diesmal alle drei von der Umfrage erfassten Industrieteilbereiche von Wachstum geprägt waren. Zurückzuführen war die starke Produktionsausweitung im verarbeitenden Gewerbe auf ein außerordentlich hohes Auftragsplus, das so hoch ausfiel wie seit über zehn Jahren. Zu der Situation im verarbeitendem Gewerbe haben auch die Exportneuaufträge beigetragen, die mit beschleunigter Rate und auch insgesamt enorm anstiegen.

Lediglich bei den Dienstleistern gingen die Aufträge im Vergleich zu den beiden Vormonaten zurück, besonders schlechte Werte verzeichnete das Exportneugeschäft.

Zu stabilisieren scheint sich auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt, wo der Stellenabbau so gering ausfiel wie zuletzt vor sieben Monaten.

Unternehmen erwarten weitere Erholung der Geschäfte

Auch die Entwicklung des ifo Geschäftsklimaindex zeigt, das sich die deutsche Wirtschaft stabilisiert. Der Indikator ist im September auf 93,4 Punkte gestiegen, nach 92,5 Punkten im August. Die befragten Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Situation besser als im Vormonat und erwarten sogar eine weitere Erholung ihrer Geschäfte.

Besonders gestiegen ist der Geschäftsklimaindex im Handel und im Bauhauptgewerbe. Die Händler waren merklich zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage und viele gehen von einer weiteren Belebung in den kommenden Monaten aus. Im Bauhauptgewerbe erreichte der Indikator sein Höchstwert seit März, trotzdem waren die Ausblicke weiterhin pessimistisch.

Leicht nach oben gegangen ist auch der Geschäftsklimaindex im Verarbeitenden Gewerbe. Deutlich weniger Unternehmen schätzen ihre aktuelle Geschäftslage schlecht ein, mehr Firmen gehen auch von einer künftigen Erholung aus. Insbesondere die Elektroindustrie ist optimistisch.

Im Dienstleistungssektor hingegen ging der Index zurück.

Europa driftet auseinander

In der Eurozone hingegen stagnierte das Wachstum im September weitgehend, wobei die Lage je nach Sektoren und Ländern sehr differenziert ist.

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Quelle:IHS Markit

Frankreichs Wirtschaft schrumpfte erstmals seit vier Monaten wieder. Zu dem mäßigem Produktionswachstum in der Industrie kamen noch Geschäftseinbußen im Servicesektor dazu. Auch in den übrigen Ländern der Eurozone ist die Wirtschaftsleistung schwächer ausgefallen – die Talfahrt scheint sich zu beschleunigen. Das von Deutschland angeführte beschleunigte Wachstum wird also von der schwächeren Dynamik in anderen Ländern der Eurozone überkompensiert.

Der IHS Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion sank im September zum zweiten Mal hintereinander um weitere 1,8 Punkte auf 50,1, der sich nun damit nur leicht über der neutralen Wachstumsmarke von 50 Punkten befindet. Die Eurozone verharrt damit in einer Stagnation, die auf eine schwächere Nachfrage in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen zurückzuführen ist.

Foto: IHS Markit

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