Immer mehr Startups schaffen Überwachungsplattformen, um die „Sichtbarkeit” der Lieferkette zu steigern. Warum ist das so wichtig und wie funktionieren diese Plattformen?

Es ist schwer, etwas zu kontrollieren, was kaum oder gar nicht zu sehen ist. Das betrifft z.B. jeweilige Prozessen im Rahmen der Lieferketten. Die digitalen Lieferketten sind ein Thema zahlreicher Diskussionen, aber in der Praxis stellen sie ständig nur eine Seltenheit dar (das Managen der Lieferketten hat sich in der Tat kaum verändert). Der Druck auf die Sichtbarkeit und das Tempo in der Logistik bringt Erfolg. Die Wirklichkeit verändert sich schneller als früher und das erzwingt den Besitz einer größeren Menge an Informationen auf den Betreibern.

FourKites und ClearMetal sind Namen, die nur wenige in Europa zurzeit kennen. Bald kann sich das ändern. Diese und ähnliche Startups amerikanischer Herkunft spezialisieren sich auf Schaffung von Lösungen, die sog. Überschaubarkeit der Lieferketten verbessern. Die Logistiker werden Lösungen solcher Art immer mehr brauchen.

Die Kenntnis des aktuellen Status und die Möglichkeit, sofort und wirksam beim Auftreten eventueller Störungen bei der Umsetzung von Lieferungen zu reagieren, wurden zu Schlüsseleigenschaften des Wettbewerbs.

Bietet man eine genaue Übersicht aller Vorgänge kann man die volle Kontrolle sicherstellen und infolge dessen die vollständige Kontinuität der Handlungen und die richtige Umsetzung der Bestellungen aufrechterhalten. Die Nutzung eigener wie auch der bestellten logistischen Dienstleistungen kann leistungsfähiger werden. Eigentlich “bei Gelegenheit” erfolgt die Kostenreduzierung, welche eine Folge des z.B. geringeren Bedarfs für Puffervorräte, für Unterhalt des Personals im Vertriebszentrum oder für die Betreibung einer Hotline ist.

FourKites ist eine Überwachungsplattform für Lieferketten, die z.B. einen urheberrechtlich geschützten Algorithmus zur Berechnung der Lieferzeit von Sendungen verwendet. Das erlaubt den Kunden die Tätigkeiten besser einzuplanen und Betriebskosten zu senken. In der Tat „herrscht” FourKites über einem Netz von über vier Millionen der GPS/ELD-Geräte, indem sie die Tätigkeiten übernimmt, welche mit dem Vertrieb von Waren im Straßen- und Bahntransport oder im intermodalen Verkehr verbunden sind. Sie wird auch von Firmen genutzt, die sich auf die Umsetzung der „Letzte Meile“-Aufträge, oder im weiteren Sinne, auf Paketlieferungen spezialisieren.

Die FourKites-Dienstleistungen werden u.a. von 20 Lebensmittelhändlern, z.B. Walmart, in Anspruch genommen. Täglich werden über 600 Tsd. Sendungen verfolgt. Die Einsicht in die Vorgänge ist in der Echtzeit möglich und der Verfolgungsalgorithmus berücksichtigt viele Schlüsseldaten, wie z.B. Wettervorhersagen und “Rush-hour-Belastungen”. Auf dieser Grundlage kann man z.B. genaue Termine der Umsetzung von Bestellungen erstellen.

Das amerikanische Startup handelt in Europa immer sicherer. Es ist auf diesen Markt vor drei Jahren gekommen (arbeitet mit mehr als hundert Lieferanten von Telekommunikations- und Telematikdienstleistern zusammen) und nun eröffnete es eine Niederlassung in Amsterdam.

Europa ist eine einzigartige Gelegenheit, wir sind in ein hyperlokales Liefermodell engagiert, um die Nuancen hiesiger Logistikvorgänge zu berücksichtigen, erklärte Mathew Elenjickal, Gründer und Generaldirektor von FourKites.

Im vergangenen Monat stellte FourKites Partner Hub, eine skalierbare Lösung, welche den Frachtführern bei der Bedienung von elektronischen Registergeräte (ELD) helfen soll, vor.

ELD sind zu einem branchenüblichem Standard geworden, die Notwendigkeit, sich mit ihnen mühelos und zuverlässig zu verbinden, ist offensichtlich, behauptet David Broering, der Geschäftsführer von North American Non-Asset Solutions bei NFI.

Bisher befürchteten viele Nutzer, die zugleich sich die Genauigkeit der ELD hoch schätzten, ob ihre Daten sicher sind.

Die neue Lösung hat zur Folge, dass sie eingehend prüfen können, wie und wem die Daten zur Verfügung gestellt werden (jeder Betreiber behält die Kontrolle über seine Daten und kann ihre Zurverfügungsstellung ausschalten). FourKites wiederrum stellt die ELD-Nachweise des Frachtführers weder den Vermittlern, noch den Spediteuren zur Verfügung.

Wir verfolgen die Sendungen und nicht die Frachtführer, erklären Experten von FourKites.

Etwa vor vier Jahren begann auch ClearMetal immer bekannter zu werden. Das Startup akquirierte damals 3 Millionen Dollar, um eine eigene, analytische Überwachungsplattform für die Lieferkette zu schaffen. Zurzeit ist ClearMetal eines der populärsten Startups jenseits des Ozeans, welches eine Dienstleistung solcher Art anbietet. Sie erlaubt Prognosen mit einem Vorsprung von bis zu acht Wochen zu erstellen, indem sie z.B. Daten von Vorgängen des Frachtführers und Informationen Dritter wie Wettervorhersagen oder Währungskurse und andere wirtschaftliche Ereignisse (insgesamt mehrere Dutzend wesentlicher Faktoren) nutzt. Alle diese Daten werden demnächst mit Algorithmen verbunden und die Aktualisierung erfolgt in Echtzeit.

Nach Adam Compain, Generaldirektor und Mitgründer von ClearMetal, können die Lieferketten Vorräte vermindern, Aufwendungen für den Transport einschränken, Lagerbestände im Bereich der Logistik und Vertrieb optimieren sowie die Kundenbedienung verbessern.

ClearMetal verwendet vertraute Sofware Continuous Delivery Experience (CDX). Die CDX-Plattform erlaubt einerseits den Kunden Informationen zu liefern, andererseits hilft sie das globale Vorratsniveau und die Betriebskosten optimieren. Dabei überwacht sie jeweilige Vorgänge, wobei sie Alarm schlägt, wenn es zu “außerordentlichen” Ereignissen kommt und hilft ebenfalls den Vertrieb planen. Alles betrifft jede Frachtart und die Praxis zeigt, dass für den Nutzer die Transportplanung und genauer gesagt, die Optimierung von Frachtzeiten (durch die dynamische Analyse der Handlungen aller Frachtführer, Bestellungen und Umladungen) besonders wichtig ist.

Der Schlüssel bleibt die Termintreue von Lieferungen. Hinzu kommt die proaktive Kundenbedienung mit entsprechenden Mitteilungen und Zugang des Kunden zu den gelieferten Sendungen. Einen gewissen Bonus stellt die “Befreiung” von Geldflüssen, welche ein offensichtliches Ergebnis der Verminderung von Puffervorräten und Kosten der Vorratsfinanzierung ist, dar.

Im Januar 2020 eröffnete Clear Metal ein neues Büro in Feusisberg bei Zürich in der Schweiz.Wir haben einen großen Schritt gemacht, indem wir ein zweites Büro in Europa, nach London, eröffneten. Der Bedarf an Künstlicher Intelligenz und an den auf Plattformen gestützten Lösungen im Bereich Lieferkette in der Industrie und im Handel steigt. Das alles soll einer besseren Überschaubarkeit und Qualität der Daten dienen, das Treffen von strategischen Entscheidungen und die Kostenminderung begünstigen,sagt Thomas Kofler, der Vizegeschäftsführer für Verkauf in der EMEA-Region bei Clear Metal.

Foto: Pixabay/mohamed_hassan

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