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Billiger Diesel lockt so viele LKW nach Belgien, dass die Polizei eingreift

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Günstiger Kraftstoff im belgischen Maasmechelen zieht inzwischen so viele internationale LKW an, dass die Polizei eingreifen musste, um ein Verstopfen der Straßen zu verhindern. Die Beamten richten eine spezielle Pufferzone für LKW ein, nachdem Warteschlangen im Zusammenhang mit grenzüberschreitendem Tanken rund um das Industriegebiet und auf der Autobahn E314 täglich zu erheblichen Störungen geführt hatten.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Was als geldsparender Umweg begann, hat sich zu einem Verkehrsproblem entwickelt. Nach Angaben der Polizei Lanaken–Maasmechelen steuern LKW aus ganz Europa das Industriegebiet Oude Bunders an, um zu tanken – mit erheblichen Staus auf den Zufahrtsstraßen zu den Zapfsäulen. Die örtliche Polizei betont, dass es längst nicht mehr nur um niederländische Autofahrer geht, die für günstigeren Kraftstoff über die Grenze fahren; es sind vor allem LKW, die inzwischen die größten Engpässe verursachen.


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Die Lage wurde so ernst, dass die Bundespolizei „Monster-Staus“ auf der rechten Fahrspur der E314 meldete. Die örtliche Polizei sagt, als Notfalloption werde sogar eine dauerhafte Sperrung der Ausfahrt aus den Niederlanden erwogen – auch wenn man das nach Möglichkeit vermeiden will. Vorerst soll auf dem Industrieareal eine kontrollierte LKW-Pufferzone eingerichtet werden, damit sich die LKW nicht weiter auf den umliegenden Straßen stauen.

Die Polizei kündigt außerdem an, in Stoßzeiten weitere LKW von der Einfahrt abzuhalten, den Verkehr aktiv zu überwachen, um das Risiko gefährlicher Situationen zu senken, und bei Bedarf Umleitungen einzusetzen, um den Verkehrsfluss sicherer zu verteilen. 

Niederlande: Spediteure passen ihr Fahrverhalten an

Die Warteschlangen in Belgien sind nur ein Zeichen des Drucks. In den Niederlanden passen Spediteure ihre täglichen Abläufe bereits an, weil die Dieselpreise spürbar anziehen. Laut TLN haben einige niederländische Fahrer begonnen, die Reisegeschwindigkeit zu senken, um den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Andere achten stärker auf den Reifendruck und wechseln auf effizientere Reifen, um den Verbrauch zu senken.

UnitedConsumers bezifferte den landesweit empfohlenen durchschnittlichen Dieselpreis in den Niederlanden am 23. März 2026 auf 2,682 Euro pro Liter – der höchste Wert seit Beginn der Datenerhebung.

Die Logik hinter dem Kraftstoffsparen ist einfach. Nach Angaben von Volvo Trucks kann das Fahren mit 85 km/h statt 90 km/h den Kraftstoffverbrauch um etwa 3,5% senken. Eine weitere Reduzierung der Geschwindigkeit von 85 km/h auf 80 km/h kann ihn um zusätzliche 2–3% verringern. In einer Branche mit engen Margen reicht das aus, um das Verhalten zu verändern.

Kraftstoffpreis-Unterschiede verändern LKW-Routen

Was in Maasmechelen passiert, ist kein Einzelfall. Der sogenannte Tanktourismus breitet sich zunehmend in Europa aus. Ursache sind wachsende Preisunterschiede beim Diesel, die dazu führen, dass Fahrzeuge gezielt günstigere Nachbarmärkte ansteuern.

Ein besonders deutliches Beispiel ist Slowenien: Nach einer Senkung der Verbrauchsteuer wurde der Dieselpreis dort ab dem 10. März auf 1,528 Euro pro Liter gedeckelt. In Italien lag der Preis für Selbstbedienungs-Diesel zeitgleich bei 2,072 Euro pro Liter. Daraus ergibt sich eine Differenz von rund 0,50 Euro pro Liter, mit Spitzen von über 0,60 Euro zwischen nahegelegenen Tankstellen.

Für Spediteure ist das ein erheblicher Kostenfaktor. Ein LKW mit einem Tankvolumen von 600 bis 800 Litern kann pro Stopp etwa 240 bis 400 Euro sparen – bei Fahrzeugen mit Doppeltanks entsprechend mehr. Auf bestimmten Routen wird günstiger Kraftstoff damit zu einem echten Wettbewerbsvorteil.

Ein ähnliches Muster zeigt sich an der deutsch-tschechischen Grenze. Dort kam es zuletzt an einzelnen Tankstellen zu Warteschlangen, die Zufahrtsstraßen blockierten, mit Wartezeiten von über 30 Minuten. An einer Grenztankstelle lag der Dieselpreis bei etwa 38 tschechischen Kronen pro Liter (rund 1,50 Euro), während er auf deutscher Seite bei etwa 54 Kronen (rund 2,10 Euro) lag. In einigen Regionen hat sich das Verkehrsaufkommen rund um Tankstellen innerhalb einer Woche verdreifacht.

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