Der Zulieferer Continental schockiert mit seiner jüngsten Pressemitteilung. Die Sparziele werden aufgrund der Coronakrise verdoppelt. Ursprünglich wollte der Konzern 500 Millionen Euro pro Jahr senken, jetzt ist das Ziel doppelt so hoch. Erweitertes Strukturprogramm betrifft zukünftig voraussichtlich rund 30.000 Arbeitsplätze weltweit, davon rund 13.000 in Deutschland.

Mit so schlechten Nachrichten haben Mitarbeiter von Continental nicht gerechnet. Statt 7000 Stellen, von denen im Rahmen des 2019 vorgeführten Sparprogramms die Rede war, sollen 13.000 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen werden. Um das angenommene Ziel zu erreichen und eine Milliarde jährlich einzusparen, müssen weltweit 30.000 Stellen abgebaut werden. 

Gründe dafür sind auch klar: fortdauernd geringe weltweite Fahrzeugproduktion sowie die Verschärfung der Konjunkturkrise durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Der jüngsten Pressemitteilung des Konzerns zufolge rechnet das Unternehmen nicht vor 2025 mit einer Rückkehr auf das Vorkrisenniveau von 2017. 

Die gesamte Autoindustrie hat derzeit gewaltige Herausforderungen zu bewältigen. Keine ihrer Krisen der vergangenen 70 Jahre war größer und schärfer. Sie trifft die Zulieferer besonders hart. Sie verlangt uns kurzfristig schon sehr viel ab und fordert uns auf Jahre bis zum Äußersten. Nach etwa einem Jahrzehnt des schnellen, profitablen Wachstums und Beschäftigungsaufbaus entlang des bisherigen Wachstumsmodells der Autoindustrie richten wir uns jetzt auf eine neue Art des Wachstums mit Zukunftstechnologien aus, sagte der Vorstandsvorsitzende von Continental, Dr. Elmar Degenhart. 

Continental teilte auch mit, dass alle Zentral- und Geschäftsbereiche an allen Standorten im In- und Ausland zu den angepeilten Einsparungen und Optimierungen beitragen. Nach Angaben des Unternehmens zählen zur Strategie “das Zusammenziehen von Aufgaben aus Produktion, Forschung und Entwicklung an den weltweit wettbewerbsfähigsten Standorten sowie Portfolioanpassungen”. 

Zusätzlich will das Unternehmen die Automatisierung seiner Abläufe etwa durch „Industrie 4.0“ sowie eine zunehmende Flexibilisierung der Arbeit und die Senkung der Arbeitskosten vorantreiben. Darüber hinaus ist der Verkauf von dauerhaft unrentablen Geschäftsteilen vorgesehen.

Teile dieser Strategie führen voraussichtlich zur Verlagerung oder Schließung von Anlagen und Betriebsteilen an Standorten mit dauerhaft zu hohen Kosten, auslaufenden Technologien oder absehbar mittel- bis langfristig unwirtschaftlicher Auslastung der Produktionskapazitäten, heißt es in der Pressemitteilung weiter. 

Die Konzern-Betriebsratsvorsitzende Hasan Allak und sein Stellvertreter  stehen unter Schock und beklagen, dass den Mitarbeitern keine verlässlichen Perspektiven gegeben würden. Sie weisen auf die konkreten Fehler der Führungskräfte wie überzogene Wachstumsstrategie, Qualitätsprobleme und milliardenschwere Abschreibungen hin, die zur angespannten Lage bei dem Unternehmen führen konnten. 

Nach Angaben der F.A.Z. werden allein in Hessen mehrere Continental-Standorte betroffen sein. Das Automotive-Werk in Karben, in dem 1100 Mitarbeiter beschäftigt sind, soll komplett bis 2024 geschlossen werden. 

Foto: Continental

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