Volkswagen will seinen Sparkurs offenbar deutlich verschärfen. Wie das „Manager Magazin“ unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, sollen die Kosten bis Ende 2028 um 20 Prozent sinken. Das entspräche einem Volumen von rund 60 Milliarden Euro.
Dem Bericht zufolge stellten Vorstandschef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz die Pläne Mitte Januar vor rund 120 Führungskräften vor. Ziel sei es, die Gewinnschwelle des Konzerns spürbar zu senken. Blume wird mit den Worten zitiert: „Wir müssen die Gewinnschwelle senken.“ Das Sparziel von 20 Prozent sei „die Ambition“ und gelte für alle Marken und Kostenarten.
Eine offizielle Bestätigung einzelner Maßnahmen liegt bislang nicht vor. Volkswagen will am 10. März bei der Vorlage der Bilanz 2025 über den Stand der laufenden Profitabilitätsprogramme informieren.
Warum der Druck steigt
Der Konzern steht derzeit unter mehreren strukturellen und konjunkturellen Belastungsfaktoren:
- rückläufige Absätze in China;
- intensiver Preiswettbewerb, insbesondere durch chinesische Hersteller;
- geopolitische Unsicherheiten und die US-Zollpolitik;
- hohe Investitionen in Elektromobilität und softwarebasierte Fahrzeugarchitekturen.
Nach Unternehmensangaben wurden in den vergangenen zwei Jahren konzernweit Einsparungen in Höhe von 33 Milliarden Euro realisiert. Dennoch bleibt die Renditesituation angespannt. Laut internen Aussagen lag die operative Marge zuletzt bei rund drei Prozent, aus Sicht des Managements kein nachhaltiges Niveau, um Investitionen in neue Technologien aus eigener Kraft zu finanzieren.
Werksschließungen wieder Thema?
Ob konkrete Standorte betroffen sein könnten, ist offiziell offen. Medienberichten zufolge stehen Werksschließungen zumindest nicht grundsätzlich außerhalb der Diskussion.
Der Betriebsrat reagierte umgehend. „Mit uns wird es keine Werksschließungen geben“, wird Betriebsratschefin Daniela Cavallo zitiert. Sie verweist auf die Ende 2024 getroffene Vereinbarung zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretung. Diese sieht bis 2030 den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland vor, jedoch ohne betriebsbedingte Kündigungen und ausdrücklich ohne Standortschließungen.
Gerade hier liegt der Kern des Konflikts: Der angekündigte neue Sparkurs fällt in eine Phase, in der erst vor gut einem Jahr ein sozialpolitischer Kompromiss geschlossen wurde.
Der Sparkurs hat Vorgeschichte
Die aktuelle Diskussion ist kein Neuanfang. Bereits 2024 hatte Volkswagen angesichts verfehlter Sparziele eine umfassende Restrukturierung angekündigt. Schon damals standen mögliche Standortschließungen und Einschnitte beim Personal im Raum. Ziel war es, mehrere Milliarden Euro einzusparen und die Profitabilität zu verbessern.
Die nun diskutierte 20-Prozent-Reduktion wirkt daher weniger wie ein Strategiewechsel als wie eine weitere Stufe eines länger laufenden Konsolidierungsprozesses.
Verlagerung und Umbau: Auch Nutzfahrzeuge betroffen
Parallel zur Kostendebatte im PKW-Geschäft verschieben sich innerhalb des Konzerns und der Branche Produktionsschwerpunkte.
Bei Volkswagen Nutzfahrzeuge soll die nächste Generation des vollelektrischen Crafter ab 2028 im polnischen Września nahe Posen produziert werden. Dort entstehen neue Produktionshallen, eine Karosseriebauhalle sowie ein Batterielager. Das Werk wird deutlich erweitert.
Auch bei MAN Truck & Bus, einer Marke der TRATON SE, an der die Volkswagen AG mehrheitlich beteiligt ist, werden Produktionsstrukturen neu ausgerichtet. Das Unternehmen verlagert Teile der Karosserieproduktion von München nach Krakau. Laut internen Berechnungen soll das Maßnahmenpaket die finanziellen Ergebnisse bis 2028 um bis zu 935 Millionen Euro verbessern. Gleichzeitig ist vorgesehen, 2.300 Stellen in Deutschland über natürliche Fluktuation abzubauen.
Daimler Truck kündigte 2025 an, bis 2030 rund 5.000 Stellen in Deutschland zu streichen, ebenfalls ohne betriebsbedingte Kündigungen. Ziel ist es, die Kostenbasis zu senken und die Profitabilität zu stabilisieren.
Branche unter strukturellem Anpassungsdruck
Die Entwicklungen bei Volkswagen fügen sich damit in ein breiteres Bild ein. Die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie steht unter erheblichem Transformationsdruck: Elektrifizierung, Softwareintegration, geopolitische Unsicherheiten und verschärfter globaler Wettbewerb erhöhen die Anforderungen an Kapital, Effizienz und Flexibilität.
Für die Transport- und Logistikbranche sind diese Entwicklungen relevant, weil Standortentscheidungen und Produktionsverlagerungen direkte Auswirkungen auf Zulieferketten, Transportvolumina und regionale Logistikstrukturen haben können.
Konkreter dürfte es am 10. März werden, wenn Volkswagen zur Bilanz 2025 Stellung nimmt und den Stand seiner Profitabilitätsprogramme erläutert.








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