Die im Frühjahr 2026 durchgeführte Befragung von 1.136 CFOs aus zwölf europäischen Ländern macht deutlich, wie stark sich die Geschäftserwartungen eingetrübt haben. 48 % der Befragten bewerteten die finanzielle Entwicklung ihres Unternehmens weniger optimistisch als noch drei Monate zuvor. Damit ist der Anteil gegenüber den 25 % aus dem Herbst 2025 nahezu doppelt so hoch und erreicht den höchsten Stand seit der Energiekrise 2022.
Die Zurückhaltung fällt umso stärker auf, als weiterhin mehr als die Hälfte der CFOs für das kommende Jahr mit steigenden Umsätzen rechnet. Größere Sorgen bereitet die Ertragslage: 36 % erwarten sinkende operative Margen, während 35 % mit einer Verbesserung rechnen. Selbst unter den Unternehmen mit erwarteten Umsatzsteigerungen rechnen 42 % mit stagnierenden oder rückläufigen Margen.
Deloitte führt die Verschlechterung der Stimmung auf das Zusammenspiel geopolitischer Risiken, hoher Energie- und Beschaffungskosten sowie des zunehmenden Margendrucks zurück.
In den zwei Jahren bis März 2026 gaben 42 % der europäischen Unternehmen an, dass sich Energiekosten negativ auf ihre Profitabilität und Investitionsentscheidungen ausgewirkt haben. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 48 % der CFOs, dass die Entwicklungen im Nahen Osten Margen und Investitionen belasten werden. Weitere 15 % rechnen mit indirekten Folgen, etwa durch eine konjunkturelle Abschwächung, Störungen in den Lieferketten oder strengere Regulierung.
Nur 21 % sehen sich dank früherer Absicherungs- und Diversifizierungsmaßnahmen ausreichend vorbereitet.
Kostensenkungen werden europaweit zur Priorität
Der Strategiewechsel zeigt sich am deutlichsten beim Umgang mit den Kosten.
Zum ersten Mal seit Beginn des European CFO Survey von Deloitte zählt Kostenreduzierung in jedem der untersuchten Länder zu den drei wichtigsten Prioritäten. Gleichzeitig ist der Anteil der Unternehmen, die auf organisches Wachstum setzen, auf 45 % gesunken. Abgesehen von der Pandemie ist das der niedrigste Wert und deutlich weniger als die 83 % aus dem Frühjahr 2024.
Auch bei der geografischen Expansion gehen die Unternehmen selektiver vor. 45 % wollen in bestehenden Märkten wachsen – so viele wie seit dem Frühjahr 2022 nicht mehr. Das deutet darauf hin, dass sie zunächst etablierte Positionen festigen wollen, bevor sie neue Märkte erschließen oder größere Expansionspläne verfolgen.
Die Personalplanung weist in dieselbe Richtung. Nur 23 % der Unternehmen wollen ihre Belegschaft vergrößern. 36 % rechnen dagegen mit einem Stellenabbau, während 41 % keine Veränderung erwarten. Deloitte sieht darin eine stärkere Fokussierung auf Personalkostendisziplin und Produktivitätssteigerungen statt auf Wachstum durch zusätzliche Beschäftigte.
Auch bei den Investitionsausgaben bleibt die Zurückhaltung groß. Lediglich 26 % der CFOs planen für das kommende Jahr höhere Ausgaben, 45 % erwarten ein unverändertes Niveau. Gleichzeitig halten 85 % das derzeitige Umfeld für ungeeignet, um größere Bilanzrisiken einzugehen.
Was die Ergebnisse für Transport und Logistik bedeuten
Die Studie enthält keine gesonderte Auswertung für Straßentransportunternehmen oder Logistikunternehmen. Ihre Ergebnisse lassen sich daher nicht unmittelbar als Stimmungsbild der Branche interpretieren.
Sie zeigen jedoch, in welchem wirtschaftlichen Umfeld Transportunternehmen – und vor allem ihre Kunden – über Investitionen und Beschaffung entscheiden.
Nach Einschätzung von Deloitte setzen Unternehmen beim Aufbau ihrer Widerstandsfähigkeit verstärkt auf Automatisierung, digitale Transformation und eine breitere Aufstellung der Lieferketten. Investitionen konzentrieren sich vor allem auf Produktivitätssteigerungen, Technologie und den Ausbau vorhandener Fähigkeiten. Projekte werden also nicht vollständig gestrichen – ihr konkreter betrieblicher Nutzen muss jedoch klarer nachweisbar sein.
Für groß angelegte Expansionsvorhaben dürfte die Genehmigung damit schwieriger werden. Wenn die Mehrheit der CFOs höhere Bilanzrisiken vermeiden will und weniger als ein Drittel mehr investieren möchte, werden kapitalintensive Projekte voraussichtlich besonders genau geprüft.
Deloitte beschreibt die aktuelle Strategie als Hinwendung zu schlankeren und widerstandsfähigeren Geschäftsmodellen. Der Kurs erinnert an die defensive Reaktion während der Pandemie und der Energiekrise 2022. Ungewöhnlich ist jedoch, wie einheitlich dieser Kurs inzwischen in den europäischen Märkten verfolgt wird.
Die Befragung wurde im März und April 2026 unter CFOs in Österreich, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Spanien, Schweden, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich durchgeführt.









