Das Wichtigste
- MAN und seine Partner wollen bis 2030 rund 700 Millionen Euro in das europäische Servicenetz investieren.
- Fast vier von fünf Kunden sollen eine MAN-Werkstatt innerhalb von 30 Minuten erreichen können.
- Rund ein Drittel der Summe ist für Elektromobilität und Digitalisierung vorgesehen, darunter Batteriereparaturen, Technikerschulungen und Ladeinfrastruktur.
- Zu den Schwerpunktmärkten zählen Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Spanien und die Türkei.
Die geplante Summe liegt deutlich über den bisher bekannten Zusagen. MAN hatte Anfang des Jahres 300 Millionen Euro für das eigene Netz angekündigt. Händler, Servicepartner und Importeure wollen nun weitere 400 Millionen Euro in ihre MAN-Standorte in Europa investieren.
Das Geld soll sowohl in die Modernisierung bestehender Betriebe als auch in zusätzliche Servicestützpunkte fließen. Geplant sind neue Standorte vor allem dort, wo MAN die regionale Abdeckung bisher als unzureichend bewertet. Für Transportunternehmen bedeutet das im Idealfall kürzere Wege, wenn ein Lkw gewartet oder repariert werden muss.
MAN strebt an, dass fast vier von fünf Kunden ihre nächstgelegene Servicestelle in weniger als 30 Minuten erreichen. Dieses Ziel gilt insbesondere für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Spanien und die Türkei. Neue Betriebe sollen vor allem in Regionen mit hohem Logistikaufkommen entstehen, in denen das bestehende Netz noch Lücken aufweist.
Friedrich Baumann, im MAN-Vorstand für Vertrieb und Kundenlösungen verantwortlich, hatte bereits Anfang des Jahres erklärt, dass in diesen Schwerpunktmärkten durchschnittlich sieben neue Niederlassungen pro Jahr eröffnet werden. Gerade im gewerblichen Güterverkehr sei die Nähe zur Werkstatt entscheidend, da die Verfügbarkeit eines Fahrzeugs unmittelbar die Geschäfte eines Transportunternehmens beeinflusse.
Elektro-Lkw stellen neue Anforderungen an Werkstätten
Beim Ausbau geht es nicht nur darum, zusätzliche klassische Werkstätten zu eröffnen. Rund ein Drittel der geplanten Investitionen ist für Elektromobilität und Digitalisierung vorgesehen. Damit bereitet MAN seinen After-Sales-Bereich auf eine wachsende Zahl batterieelektrischer Nutzfahrzeuge vor.
Zum Programm gehören Hochvolt-Qualifikationen für Techniker, spezialisierte Zentren für Batteriereparaturen, digitale Werkstattabläufe sowie öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur an MAN-Standorten.
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MAN hatte Anfang des Jahres außerdem angekündigt, dass bis 2026 zwei Drittel der Servicestandorte für Elektromobilität gerüstet sein sollen. Das europäische Netzwerk umfasst rund 1.200 eigene und von Partnern betriebene Standorte. Auf dieser bestehenden Struktur soll die zusätzliche technische Kompetenz aufgebaut werden.
Für Spediteure, die Elektro-Lkw einsetzen, wird diese Entwicklung zunehmend relevant. Qualifizierte Techniker und geeignete Diagnosemöglichkeiten für Batterien entscheiden nicht nur darüber, wie schnell ein Fahrzeug repariert werden kann. Sie bestimmen auch, welche Strecke der Lkw bis zu einer geeigneten Werkstatt zurücklegen muss – oder ob er dorthin abgeschleppt werden muss.
Damit wird die Serviceabdeckung zu einem weiteren Wettbewerbsfaktor für Lkw-Hersteller. Betreiber vergleichen Elektrofahrzeuge zunehmend mit ihren konventionellen Diesel-Flotten und achten dabei nicht nur auf Anschaffung und Betrieb, sondern auch auf die Verfügbarkeit qualifizierter Werkstätten.
Die ersten neuen Standorte entstehen bereits
Einige Vorhaben aus dem Investitionsprogramm sind bereits angelaufen. In der Nähe von Lissabon errichtet MAN in Portugal derzeit einen neuen Vertriebs- und Servicestandort in Eigenregie. Die Anlage in Castanheira do Ribatejo gehört zu den ersten sichtbaren Projekten des Ausbauprogramms.
Auch der langjährige MAN-Partner Adampolis Group bereitet einen neuen Standort in Kaunas in Litauen vor, der im weiteren Jahresverlauf eröffnet werden soll. Nach Angaben von MAN wird er zu den größten Vertriebs- und Servicestandorten des Unternehmens in Europa gehören.
Das 700-Millionen-Euro-Programm setzt sich aus der Zusage von MAN über 300 Millionen Euro und den zusätzlichen 400 Millionen Euro zusammen, die Händler, Servicepartner und Importeure bereitstellen wollen.
MAN bezeichnet die gebündelte Investition als die umfangreichste in der Geschichte des Unternehmens. Für Flottenbetreiber wird sich der Erfolg jedoch an einem deutlich praktischeren Maßstab zeigen: Wie schnell erreicht ein reparaturbedürftiger Lkw eine passend ausgestattete Werkstatt – und wann ist er wieder einsatzbereit?









