Das Wichtigste im Überblick
- Der europäische Straßengüterverkehr wuchs 2025 real um 1,4 Prozent auf 440,4 Milliarden Euro.
- Für 2026 prognostiziert Transport Intelligence (TI) ein weiteres Wachstum von 1,6 Prozent.
- Der internationale Straßengüterverkehr dürfte 2026 schneller wachsen als der Binnenmarkt.
- Geopolitische Spannungen im Nahen Osten und schwächere Konjunkturaussichten gelten als größte Risiken für die Branche.
- CO2-Mautsysteme und Dekarbonisierung bleiben wichtige Kostentreiber für Transportunternehmen.
- Bis 2030 erwartet TI ein durchschnittliches jährliches Marktwachstum von 1,9 Prozent.
Nach Schätzung von TI erreichte der europäische Straßengüterverkehrsmarkt 2025 ein Volumen von 440,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem realen Wachstum von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 prognostiziert die Beratung einen weiteren Anstieg um 1,6 Prozent auf 447,6 Milliarden Euro.
Gleichzeitig warnt TI vor einer zunehmenden Eintrübung der Rahmenbedingungen. Als wesentliche Risiken nennt das Unternehmen die angespannte Lage im Nahen Osten mit möglichen Auswirkungen auf die Energieversorgung sowie nach unten korrigierte Konjunkturprognosen für Deutschland, Frankreich und Italien. Beides könnte die Transportnachfrage dämpfen und die Kosten im Straßengüterverkehr weiter erhöhen.
Internationale Verkehre holen auf
Nach Einschätzung von TI ist die Erholung auf eine schrittweise Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa zurückzuführen. Besonders der internationale Straßengüterverkehr hatte sich nach den Krisenjahren nur langsam stabilisiert. Erst jetzt entwickelt sich das grenzüberschreitende Geschäft wieder in Richtung eines nachhaltigeren Wachstumspfads.
Zum Wachstum im Jahr 2025 trugen sowohl nationale als auch internationale Verkehre bei. Der Binnenmarkt legte real um 1,3 Prozent auf 303,6 Milliarden Euro zu. Der internationale Straßengüterverkehr wuchs um 1,4 Prozent auf 136,8 Milliarden Euro.
Bemerkenswert ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil der grenzüberschreitende Verkehr 2023 rückläufig war und sich 2024 nur geringfügig erholte. TI wertet dies als Zeichen dafür, dass sich die Handelsströme innerhalb Europas allmählich stabilisieren.
2026 soll der internationale Verkehr stärker wachsen
Für das laufende Jahr erwartet TI eine stärkere Dynamik im internationalen Transportgeschäft. Prognostiziert wird ein reales Wachstum von 2,2 Prozent im grenzüberschreitenden Verkehr, während der nationale Markt um 1,4 Prozent zulegen soll.
Als Gründe nennt die Studie eine Verbesserung der Handelsbeziehungen innerhalb der Europäischen Union sowie die schrittweise Normalisierung der Nachfrage nach den Verwerfungen infolge der Energiekrise 2022, den Nachwirkungen der Pandemie und der Marktkorrektur in den Jahren 2023 und 2024.
Gerade für deutsche Speditionen, deren Geschäft häufig stark vom internationalen Verkehr innerhalb Europas abhängt, wären dies grundsätzlich positive Signale. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung jedoch von den geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig.
Investitionen bleiben verhalten
Trotz der verbesserten Marktaussichten bleibt die Branche vorsichtig.
TI verweist darauf, dass die Neuzulassungen schwerer Nutzfahrzeuge im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent zurückgingen. Dies sei einerseits Ausdruck einer weiterhin zurückhaltenden Investitionsbereitschaft, andererseits aber auch darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen ihre Flotten bereits in den vergangenen Jahren modernisiert hätten.
Entlastung kam dagegen von den Kraftstoffkosten. Die Dieselpreise lagen deutlich unter den Höchstständen der vergangenen Jahre und sorgten für eine spürbare Entspannung bei den Betriebskosten.
Maut und Dekarbonisierung bleiben Kostentreiber
Von einer nachhaltigen Kostenentlastung kann dennoch keine Rede sein.
Nach Einschätzung von TI werden insbesondere CO₂-basierte Mautsysteme – unter anderem in Deutschland, Österreich, Ungarn und Tschechien – die Kostenstrukturen dauerhaft verändern. Besonders betroffen sind Transportunternehmen mit älteren Fahrzeugflotten und entsprechend höheren Emissionen.
Gerade deutsche Speditionen spüren diese Entwicklung bereits seit der Einführung des CO₂-Mautaufschlags Ende 2023.
Langfristig bleibt der Markt auf Wachstumskurs
Bis 2030 rechnet TI mit einem durchschnittlichen realen Marktwachstum von 1,9 Prozent pro Jahr. Das Marktvolumen würde damit auf rund 483,5 Milliarden Euro steigen.
Auch langfristig dürfte der internationale Straßengüterverkehr schneller wachsen als der nationale Markt. Für das grenzüberschreitende Segment prognostiziert TI ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 2,4 Prozent auf 153,7 Milliarden Euro bis 2030. Der nationale Markt bleibt zwar deutlich größer, soll jedoch mit durchschnittlich 1,7 Prozent pro Jahr etwas langsamer wachsen und bis 2030 ein Volumen von 329,8 Milliarden Euro erreichen.
Strukturwandel prägt die kommenden Jahre
Nach Einschätzung von TI wird die Entwicklung des europäischen Straßengüterverkehrs künftig weniger von kurzfristigen Konjunkturschwankungen als vielmehr von strukturellen Veränderungen bestimmt.
Dazu zählen insbesondere die zunehmende Industrialisierung Mittel- und Osteuropas, die Dekarbonisierung der Fahrzeugflotten, der anhaltende Fahrermangel, die Digitalisierung des Transportgeschäfts sowie ein Regulierungsumfeld, das die Kosten für Transportunternehmen weiter steigen lassen dürfte.
Für die Branche bedeutet das: Der Markt wächst zwar wieder, doch geopolitische Unsicherheiten, steigende regulatorische Anforderungen und der Transformationsdruck bleiben die entscheidenden Herausforderungen der kommenden Jahre.









