Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone kletterte auf den höchsten Stand seit 47 Monaten. Auch im Vereinigten Königreich sowie in den Niederlanden, Frankreich, Italien und Spanien lagen die Werte über der Marke von 50 Punkten – also in dem Bereich, der Wachstum signalisiert. Hinter den besseren Schlagzeilen mehren sich allerdings die Warnzeichen: längere Lieferzeiten, steigende Transport- und Energiekosten, eine fragile Stimmung und vielerorts vorgezogene Aufträge im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten.
Nach Angaben von S&P Global stieg der Eurozone-Industrie-PMI von 51,6 im März auf 52,2 im April – der höchste Wert seit knapp vier Jahren. Auch der Produktionsindex legte zu und erreichte mit 52,3 ein Hoch der vergangenen acht Monate. Auffällig: In allen acht von der Umfrage erfassten Ländern der Währungsunion lag der Index erstmals seit Juni 2022 wieder über 50,0.
Jubelstimmung will dennoch nicht aufkommen. S&P Global beschreibt, dass Produktion und Auftragslage vor allem dadurch gestützt wurden, dass Kunden frühzeitig einkauften, um erwarteten Preisanstiegen und möglichen Lieferunterbrechungen zuvorzukommen.
Chris Williamson, Chefökonom bei S&P Global Market Intelligence, bezeichnete die Ergebnisse als „eher Anlass zur Sorge als zum Feiern“. Sein Hinweis: Ein kräftiger Gesamtwert könne ein Wachstumsmuster überdecken, das nicht dauerhaft trägt.
Mehr Nachfrage – aber vor allem wegen Lageraufbau
Die deutlichsten Signale kommen aus den Lieferketten. Die Einkaufsvolumina der Eurozone-Industrie stiegen im April so stark wie seit Mitte 2022 nicht mehr. Großbestellungen, logistische Störungen im Zusammenhang mit dem Nahen Osten und eine geringere Verfügbarkeit von Rohstoffen verschärften die Lieferprobleme: Die Verzögerungen bei Zulieferern erreichten den schlechtesten Stand seit Juli 2022.
Parallel nahm der Preisdruck zu. Die Inflation der Einkaufspreise erreichte in der Eurozone ein Hoch der vergangenen 46 Monate. Auch die Verkaufspreise zogen an und markierten ein Rekordniveau der letzten 39 Monate. Seit Februar ist der Index der Einkaufspreise laut S&P Global um 19 Punkte gestiegen.
Für die Transportmärkte ist dieses Muster relevant: Mehr Produktion und mehr Einkauf bedeuten kurzfristig meist mehr Frachtbewegung. Wenn der Impuls jedoch vor allem aus defensivem Lageraufbau statt aus stabiler Endnachfrage entsteht, wird die Auftragslage schwerer einschätzbar.

Grafik: PMI-Werte des verarbeitenden Gewerbes im April 2026 in ausgewählten europäischen Märkten. Die Zahlen in Klammern zeigen die Veränderung gegenüber März. Werte über 50 stehen für Expansion, darunter für Schrumpfung.
Tabelle: PMI-Ergebnisse im April und das wichtigste Signal je Land
| Markt | PMI im April | Wichtigstes Signal |
|---|---|---|
| Niederlande | 54.4 | Stärkster Wert; Lageraufbau erhöht den Druck auf das Working Capital |
| Vereinigtes Königreich | 53.7 | Gemeldet wurden Kapazitätsengpässe, Hafenstörungen und Verzögerungen bei Zollprozessen |
| Frankreich | 52.8 | Erholung vor allem durch Binnenmarkt; Unternehmen schlucken einen Teil der Kosten |
| Eurozone | 52.2 | Höchster Stand seit 47 Monaten, teils durch vorgezogene Bestellungen getrieben |
| Italien | 52.1 | Produktion steigt trotz rückläufiger Auftragsbücher |
| Spanien | 51.7 | Zurück im Wachstumsbereich, Exporte bleiben jedoch rückläufig |
| Deutschland | 51.4 | Weiterhin Expansion, aber der Ausblick kippt ins Negative |
| Polen | 48.8 | Inflationsschub ohne spürbare Nachfrageerholung |
| Rumänien | 47.5 | Rückgang flacht ab, doch das Vertrauen fällt auf ein Umfragetief |
Niederlande und Vereinigtes Königreich mit dem stärksten Plus
Die Niederlande lieferten den stärksten Wert im Ländervergleich: Der Nevi Netherlands Manufacturing PMI stieg von 52,0 im März auf 54,4 im April – der höchste Stand seit Juli 2022. Hersteller berichteten vom schnellsten Zuwachs bei Neuaufträgen seit fast zwei Jahren. Kunden zogen Bestellungen vor, weil Preis- und Lieferkettenrisiken als unsicher eingeschätzt wurden.
Gleichzeitig zeigt das niederländische Beispiel, wie teuer ein solcher „Aufschwung“ werden kann. Die Bedingungen in den Lieferketten verschlechterten sich so stark wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Zudem stiegen die Einkaufskosten deutlich – getrieben durch Energie, Kraftstoff, Transport und Rohstoffe. Albert Jan Swart von ABN AMRO erwartet, dass die Kombination aus Lageraufbau, höherer Produktion und steigenden Preisen bei vielen Unternehmen den Bedarf an Working Capital erhöht.
Auch das Vereinigte Königreich meldete einen kräftigen Wert: Der S&P Global UK Manufacturing PMI stieg auf 53,7 – ein Hoch der vergangenen 47 Monate und der beste Stand seit Mai 2022. Produktion, Neuaufträge und Beschäftigung legten zu.
Die britische Umfrage benennt Logistikprobleme besonders klar: Hersteller berichteten von Knappheit bei Frachtkapazitäten, Störungen in Häfen und Verzögerungen bei Zollabfertigungen. Die durchschnittliche Lieferantenperformance verschlechterte sich so stark wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Rob Dobson von S&P Global Market Intelligence verwies zudem auf Einschränkungen beim Transit durch die Straße von Hormus, die „erhebliche Störungen“ bei der Anlieferung von Vorprodukten verursachten.
Deutschland, Frankreich und Italien: bessere Werte, aber sichtbare Bruchstellen
Deutschland blieb zwar im Wachstumsbereich, doch der Blick nach vorn wurde deutlich pessimistischer. Der S&P Global Germany Manufacturing PMI sank von 52,2 im März auf 51,4 im April. Produktion und Neuaufträge stiegen weiter – allerdings mit weniger Schwung.
Erstmals seit 18 Monaten überwog unter deutschen Herstellern die Erwartung, dass die Produktion in den nächsten zwölf Monaten eher sinken als steigen wird. Phil Smith von S&P Global sieht die Entwicklung „auf geliehener Zeit“: Vorzieheffekte könnten in den kommenden Monaten zu einem spürbaren Gegenwind führen.
Frankreich zog deutlicher an: Der PMI stieg von 50,0 auf 52,8 und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2022. Neuaufträge und Produktion wuchsen so schnell wie seit der ersten Hälfte von 2022 nicht mehr. Die Erholung kam jedoch vor allem aus dem Inland, während neue Exportaufträge zurückgingen. Zudem federten französische Hersteller einen Teil des Kostenschocks ab: Rund 53 Prozent meldeten höhere Einkaufspreise, aber nur etwa 20 Prozent erhöhten ihre eigenen Preise.
Italien verbesserte sich ebenfalls: Der PMI stieg auf 52,1 – der höchste Wert seit vier Jahren. Die Produktion wuchs so stark wie seit etwas mehr als drei Jahren nicht mehr. Gleichzeitig gingen die gesamten Auftragsbestände zu Beginn des zweiten Quartals zurück. Das deutet darauf hin, dass die Produktion zulegte, obwohl die Nachfrage nachließ. Rund 60 Prozent der italienischen Hersteller berichteten von höheren Kosten, während nur 25 Prozent ihre Preise anhoben – ein Hinweis auf Margendruck.
Spanien wieder im Plus – Polen und Rumänien bleiben zurück
Spanien kehrte in den Expansionsbereich zurück: Der PMI stieg von 48,7 auf 51,7. Damit verbesserten sich die Geschäftsbedingungen erstmals seit November. Der Auftragseingang nahm jedoch nur leicht zu, die Exportaufträge sanken den achten Monat in Folge. S&P Global betonte, dass die zugrunde liegende Nachfrage weiterhin fragil sei.
Polen und Rumänien lagen weiter unter 50 Punkten. In Polen blieb der PMI mit 48,8 nahezu unverändert – und markierte den zwölften Monat in Folge mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. Neuaufträge fielen den dreizehnten Monat hintereinander. Gleichzeitig bauten Hersteller Lagerbestände an Vorprodukten auf, um sich gegen mögliche Engpässe abzusichern. Trevor Balchin von S&P Global Market Intelligence sprach von „Alarmglocken“ bei den Preisindizes: Sowohl die Inflationsrate der Einkaufs- als auch der Verkaufspreise lag auf dem höchsten Niveau seit der ersten Hälfte von 2022.
In Rumänien schwächte sich der Abschwung ab: Der PMI stieg von 46,6 auf 47,5. Produktion und Neuaufträge gingen jedoch weiter zurück. Exportaufträge verbesserten sich leicht – erstmals seit sieben Monaten. Gleichzeitig fiel das Geschäftsklima auf den niedrigsten Wert in der knapp dreijährigen Umfragehistorie.









