Während die täglichen Verluste in die Hunderttausende Euro gehen und organisierte Tätergruppen zunehmend selbstbewusst agieren, lassen sich mit den aktuellen Daten die Risikozonen, Vorgehensweisen und besonders gefährdeten Warengruppen klarer eingrenzen. Dass Polen im Ranking weit oben auftaucht, ist ein deutlicher Hinweis: Sicherheitsprozesse und Routinen gehören auf den Prüfstand.
Millionenschäden und ein besonders dreister Schlag in Spanien
Im März 2026 erfasste das TIS 5.719 neue Meldungen zu Frachtdelikten aus 51 Ländern. In 336 Fällen wurde ein konkreter Schadenwert angegeben – in Summe belief sich dieser auf rund 18,5 Millionen Euro.
Damit lag der durchschnittliche Verlust pro Vorfall (bei gemeldetem Wert) bei 54.797 Euro. Bei 56 Diebstählen mit einem Schaden von mehr als 100.000 Euro erreichte der durchschnittliche Wert der entwendeten Ladung 259.004 Euro. Zusätzlich enthält der Datensatz 33 Fälle im Bereich zwischen 50.000 und 100.000 Euro, die zusammen etwa 2 Millionen Euro Verlust verursachten. Über den gesamten Monat hinweg entspricht das einem durchschnittlichen täglichen Warenwert von 593.934 Euro, der dem Sektor entzogen wurde.
Der größte Einzelschaden wurde in Spanien registriert: In Toledo stahl eine organisierte Gruppe am 17. März aus einer Logistikanlage 58 Fahrzeuge. Der Verlust wurde auf 1,5 Millionen Euro geschätzt – der höchste gemeldete Wert im betrachteten Zeitraum. Insgesamt betrafen die Vorfälle im März 21 unterschiedliche Produktkategorien.
Deutschland und Italien an der Spitze
Der Ländervergleich macht sichtbar, wo das Risiko derzeit besonders hoch ist. Deutschland verzeichnete die meisten Vorfälle (1.295). Dahinter folgte Italien mit 867, auf Platz drei lag Frankreich mit 850 registrierten Diebstählen.
Das Vereinigte Königreich belegte Rang vier (761 Vorfälle), Spanien komplettierte die Top fünf mit 682.
Unmittelbar dahinter rangierte Polen in der EMEA-Region auf Platz sechs – mit 338 erfassten Delikten. Damit lag das Land vor Tschechien (207 Vorfälle), der Slowakei (94) und den Niederlanden (45). Die Zahlen deuten darauf hin, dass Mitteleuropa weiterhin ein Schwerpunkt für kriminelle Aktivitäten rund um Transportgüter bleibt.
Unsichere Stellplätze bleiben ein Risiko – und eine Einladung
Ein Blick auf die Tatorte unterstreicht ein strukturelles Problem: Es gibt zu wenige gesicherte Parkmöglichkeiten. In 4.412 Meldungen (77,15 Prozent aller Einträge) wurde der Ort als „unbekannt“ geführt. Dennoch zeigen die übrigen Kategorien klare Tendenzen.
Weitere 400 Delikte wurden nicht näher klassifizierten Parkbereichen zugeordnet (6,99 Prozent). Das verdeutlicht, wie angreifbar Fahrerinnen und Fahrer sind, wenn Stopps an provisorischen Orten nötig werden – etwa auf Zu- und Abfahrten, in Haltebuchten oder auf ungeschützten Höfen. Zum Vergleich: 288 Vorfälle wurden an Einzelhandelsstandorten registriert, 268 an Ausgangspunkten der Lieferkette und 236 während der Fahrt. Zertifizierte, sichere Parkplätze spielten in der Statistik kaum eine Rolle: Nur fünf Vorfälle wurden dort erfasst.
Aufschlitzen statt aufbrechen: der Klassiker bleibt die Plane
Bei den Vorgehensweisen zeigt sich wenig Überraschendes – eine Methode dominiert klar. Am häufigsten wurde gewaltsames Eindringen gemeldet: 3.681 Fälle (64,36 Prozent). In der Praxis bedeutet das meist, dass Täter die Plane am Auflieger aufschneiden und in kurzer Zeit prüfen, ob sich die Ladung „lohnt“.
In 1.549 Fällen blieb die Methode unklar. Auffällig ist zudem die Zahl der Vorfälle mit Gewalt oder direkten Drohungen gegen die Gesundheit und Sicherheit der Fahrerinnen und Fahrer: 303 Fälle (5,30 Prozent).
Auch internes Fehlverhalten – etwa durch Beschäftigte in Transportunternehmen oder Lagerstandorten – tauchte in 136 Meldungen auf. Hinzu kamen Betrug und das Vortäuschen falscher Identitäten (34 Fälle) sowie Täuschungen durch den Austausch von Fahrzeugen (11 Fälle). In drei Fällen wurden Waren aus einem fahrenden Fahrzeug entwendet.
Am häufigsten wurde „Diebstahl allgemein“ erfasst (2.003 Fälle) sowie „Diebstahl aus einem Fahrzeug“ (1.831). Darüber hinaus registrierte die Datenbank 531 Diebstähle kompletter Auflieger, 519 Diebstähle aus Containern und Wechselbrücken sowie 22 Diebstähle ganzer schwerer Nutzfahrzeuge.
Solche Delikte rücken auch die Rolle von Behörden und Prüfprozessen in den Fokus – etwa, wenn bei Kontrolle Hinweise auf strukturelle Risiken im Transportbetrieb sichtbar werden.









