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PMI im März: Lieferschocks verzerren Europas Fabrikbild

Lesezeit 13 Min.

Der europäische Fertigungssektor blieb im März auf Wachstumskurs, doch das Bild wurde fragiler, da der Krieg im Nahen Osten die Kosten in die Höhe trieb und Lieferketten störte. Einige Länder hielten sich weiterhin gut, während in anderen Produktion, Aufträge und Zuversicht nachließen.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Der europäische Fertigungssektor blieb im März im Wachstumsbereich, doch das zugrunde liegende Bild wurde fragiler, da der Krieg im Nahen Osten die Energie- und Transportkosten nach oben trieb, Lieferketten störte und die Nachfrage verunsicherte. Der Industrie-PMI der Eurozone stieg von 50.8 auf 51.6, ein 45-Monats-Hoch, während auch die Produktion zulegte. Allerdings wurde der Gesamtwert durch eine deutliche Verschlechterung der Lieferzeiten der Zulieferer geschönt, was den PMI rechnerisch anhebt, weil diese Komponente in der Berechnung invertiert ist.

Der März war kein Monat einer geradlinigen industriellen Stärkung, sondern einer, in dem Störungen im Güterverkehr direkt in den Fabrikumfragen sichtbar wurden. In weiten Teilen Europas berichteten Hersteller von längeren Vorlaufzeiten, deutlich höheren Inputkosten und einem erneuten Bedarf, Einkauf, Bestände und Preissetzung zu überdenken. Die Inputpreise für Hersteller in der Eurozone stiegen mit dem schnellsten Tempo seit Oktober 2022, während die Outputpreise mit der stärksten Rate seit etwas mehr als drei Jahren zulegten.

PMI-Schnappschuss im März nach Ländern

Land/Region PMI im März PMI im Februar Richtung Hauptsignal
Eurozone 51.6 50.8 Höher
Wachstum hielt an, aber Lieferverzögerungen hoben den Gesamtwert
Deutschland 52.2 50.9 Höher
Stärkere Aufträge und Produktion, unterstützt durch Lageraufbau
Niederlande 52 50.8 Höher
Aufträge kehrten ins Wachstum zurück, teils Ersatznachfrage
Italien 51.3 50.6 Höher
Wachstum blieb stabil, Unternehmen kauften der Störung voraus
UK 51 51.7 Niedriger
PMI blieb über 50, aber die Produktion sank
Frankreich 50 50.1 Stabil/niedriger
Stagnation, darunter schwächere Nachfrage
Polen 48.7 47.1 Höher
Produktion stieg, aber die Nachfrage bleibt schwach
Spanien 48.7 50 Niedriger
Produktion und Aufträge brachen deutlich ein
Rumänien 46.6 45.3 Höher
Abschwung ließ nach, aber der Sektor bleibt schwach

Die Reaktion war jedoch alles andere als einheitlich. In Deutschland, Italien und den Niederlanden gelang es den Unternehmen weiterhin zu wachsen – teils durch den Aufbau von Pufferbeständen oder durch Ersatznachfrage. Im UK hielt sich die Nachfrage besser als die Produktion, was darauf hindeutet, dass Lieferkettenstörungen die Fertigung bereits begrenzen. Frankreich und Spanien wirkten schwächer, da Unsicherheit den Absatz direkter zu treffen begann. Polen blieb trotz einer Rückkehr zu Produktionswachstum in der Schrumpfung, während Rumänien deutlich schwach blieb – der Schock im März zeigte sich dort vor allem über höhere Kosten und weniger über einen akuten logistischen Zusammenbruch.

Was treibt den März?

Land Produktion Neue Aufträge Kosten Lieferketten Zuversicht
Deutschland Höher Höher Starker Druck Große Verzögerungen Niedriger
UK Niedriger Leicht höher Starker Druck Große Verzögerungen Deutlich niedriger
Frankreich Niedriger Niedriger Starker Druck Große Verzögerungen Niedriger
Spanien Niedriger Deutlich niedriger Starker Druck Verzögerungen schlimmer Deutlich niedriger
Polen Leicht höher Niedriger Starker Druck Verzögerungen schlimmer Niedriger
Italien Leicht höher Leicht höher Starker Druck Verzögerungen schlimmer Niedriger
Niederlande Höher Leicht höher Starker Druck Große Verzögerungen Niedriger
Rumänien Niedriger Niedriger Sehr starker Druck Leichte Störung Niedriger

Deutschland: Lageraufbau und stärkere Aufträge stützen den Sektor – doch der Aufschwung ist nicht ganz „sauber“

Deutschland verzeichnete unter den großen Volkswirtschaften einen der stärksten Märzwerte. Der Industrie-PMI stieg von 50.9 auf 52.2 – der höchste Stand seit Mai 2022 – und sowohl Produktion als auch neue Aufträge legten zu. S&P Global machte jedoch deutlich, dass der Gesamtwert vor allem durch sich verschlechternde Lieferzeiten nach oben getrieben wurde, verbunden mit Störungen infolge des Kriegs im Nahen Osten, einschließlich Verzögerungen bei Fracht aus Asien.

Was Deutschland hervorhebt: Die Lieferkettenstörungen haben die Nachfrage nicht sofort abgewürgt. Stattdessen berichteten einige Unternehmen, dass Kunden mehr Bestellungen aufgaben, um Sicherheitsbestände aufzubauen und künftigen Preiserhöhungen zuvorzukommen. Auch die Exportverkäufe stiegen so schnell wie seit neun Monaten nicht mehr. Das deutet darauf hin, dass Deutschland – zumindest vorübergehend – eher von Vorsichtskäufen als von einer vollständig organischen Erholung der Endnachfrage profitierte.

Dennoch sind die Warnsignale klar. Die Inputpreis-Inflation sprang auf den höchsten Stand seit Oktober 2022, wobei Unternehmen Energie-, Transport- und Rohstoffkosten nannten. Die Zuversicht fiel deutlich, und die Beschäftigung ging trotz höherer Auftragsbestände schneller zurück – ein Hinweis darauf, dass die Hersteller dem Aufschwung noch nicht trauen.

Vereinigtes Königreich: PMI bleibt über 50, doch die Produktion rutscht wieder in die Schrumpfung

Die Veröffentlichung für März im UK war eine der deutlichsten Erinnerungen daran, dass ein PMI-Gesamtwert über 50 nicht zwingend bedeutet, dass sich der Sektor stärkt. Der Industrie-PMI im UK fiel von 51.7 auf 51.0, aber die Produktion sank erstmals seit sechs Monaten. S&P erklärte, längere Vorlaufzeiten bei Zulieferern und weiterhin positive Neuaufträge hielten den Gesamtwert über der Nullwachstumsmarke. Diese Lieferverzögerungen seien jedoch vor allem durch Lieferkettenstress im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt verursacht – nicht durch starke Nachfrage.

Die Umfrage verwies auf deutliche Auswirkungen durch die Schließung der Straße von Hormus, wobei sich die Lieferzeiten so stark verlängerten wie seit über viereinhalb Jahren nicht mehr. Gleichzeitig stiegen die Inputpreise mit dem schnellsten Tempo seit Oktober 2022, und der monatliche Sprung im Index der Inputpreise war der zweithöchste seit Beginn der Erhebung 1992. Fast die Hälfte der Unternehmen meldete höhere Einkaufspreise.

Die Nachfrage hielt sich besser als die Produktion. Die Neuaufträge stiegen den vierten Monat in Folge, und auch das Exportgeschäft nahm zu – Unternehmen nannten Nachfrage aus den USA, Europa, China, APAC und Brasilien. Dennoch fiel der Optimismus deutlich, und die Beschäftigung ging so schnell zurück wie seit September 2025 nicht mehr, was zeigt, dass Unternehmen bereits defensiv reagieren.

Frankreich: Stagnierender Gesamtwert verdeckt eine schwächere Realität

Der französische Fertigungssektor wirkte an der Oberfläche stabil, doch das zugrunde liegende Bild verschlechterte sich spürbar. Der Industrie-PMI lag bei 50.0, kaum verändert gegenüber 50.1 im Februar – und selbst dieser Wert wurde durch die invertierte Komponente der Lieferzeiten der Zulieferer gestützt. Die Lieferzeiten verlängerten sich so stark wie seit Januar 2023 nicht mehr, da der Krieg im Nahen Osten die Logistikmärkte störte.

Darunter schwächte sich die Nachfrage ab. Neue Aufträge fielen so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr, die Exportnachfrage verschlechterte sich so deutlich wie seit Juli des Vorjahres nicht mehr, und Unternehmen berichteten von Stornierungen und Verschiebungen durch Kunden – zusätzlich zu schwacher Binnennachfrage. Auch die Produktion ging erneut zurück und beendete das begrenzte Wachstum zu Jahresbeginn.

Französische Hersteller wurden zudem vom stärksten Anstieg der Inputkosten seit Dezember 2022 getroffen, getrieben durch Öl, Strom, Metalle und Chemikalien. Unternehmen gaben jedoch nur einen Teil dieses Anstiegs weiter – ein Hinweis darauf, dass die Preissetzungsmacht weiterhin schwach ist.

Spanien: eine der deutlichsten Verschlechterungen im März

Der spanische Fertigungssektor rutschte im März wieder klarer in die Schrumpfung. Der PMI fiel von 50.0 auf 48.7 – der schwächste Wert seit April 2025. Die Produktion ging den zweiten Monat in Folge zurück, während neue Aufträge und Exportnachfrage jeweils ihre schwächste Entwicklung seit April des Vorjahres verzeichneten. Unternehmen führten die Abschwächung der Verkäufe überwiegend auf den Konflikt im Nahen Osten und die dadurch entstandene Unsicherheit zurück.

Spanien wirkt schwächer als Frankreich, weil die Verschlechterung breiter angelegt war. Die Zuversicht für das kommende Jahr fiel auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2023, zudem bauten Unternehmen Jobs und Einkaufstätigkeit aggressiver ab. Die Beschäftigung sank so stark wie seit Oktober 2023 nicht mehr.

Auch hier war der Inflationsschock heftig. Die Inputpreise stiegen so schnell wie seit fast dreieinhalb Jahren nicht mehr, während sich Engpässe bei Zulieferern verschärften und sich die Lieferzeiten so stark verlängerten wie seit September 2022 nicht mehr. Spanische Unternehmen erhöhten, wo möglich, ihre eigenen Preise – doch der Grundton der Umfrage war klar defensiv.

Polen: Produktion kehrt zurück, doch die Nachfrage erholt sich weiterhin nicht

Der PMI in Polen verbesserte sich im März von 47.1 auf 48.7, der Abschwung ließ also nach – dennoch blieb der Sektor den elften Monat in Folge in der Schrumpfung. Das wichtigste Positive war, dass die Produktion erstmals seit April 2025 wieder stieg. Der Anstieg war jedoch schwach und erfolgte trotz eines erneuten Rückgangs der Neuaufträge.

Diese Diskrepanz ist der Schlüssel zur polnischen März-Story. Die Neuaufträge fielen den zwölften Monat in Folge, und auch die Exportnachfrage schwächte sich deutlicher ab. Weil die Nachfrage gedämpft blieb, während die Produktion leicht anzog, sanken die Auftragsbestände weiter und Unternehmen bauten Beschäftigung so stark ab wie seit September 2023 nicht mehr. Auch Einkauf und Bestände gingen erneut zurück.

Wie anderswo zeigte sich der Nahostschock deutlich in den Kosten. Die Inputpreis-Inflation beschleunigte sich auf den höchsten Stand seit Oktober 2022, während die Outputpreise so schnell stiegen wie seit Januar 2023 nicht mehr. Die Lieferzeiten verlängerten sich so stark wie seit Juni 2022 nicht mehr.

Italien: Hersteller kaufen der Störung voraus und halten das Wachstum am Leben

Italien blieb im März im positiven Bereich: Der Industrie-PMI stieg von 50.6 auf 51.3 – der stärkste Wert seit über drei Jahren. Produktion und Neuaufträge nahmen den zweiten Monat in Folge zu, wenn auch jeweils nur leicht.

Das entscheidende Merkmal der italienischen Umfrage war das Verhalten, nicht nur der Gesamtwert. Hersteller erhöhten die Einkaufstätigkeit erstmals seit mehr als drei Jahren und bauten erstmals seit acht Monaten wieder Vorproduktionsbestände auf. Laut S&P taten Unternehmen dies, um sich gegen weitere Preiserhöhungen und erwartete Lieferkettenstörungen abzusichern.

Die Inputkosten zogen dennoch stark an; Unternehmen nannten höhere Energie-, Kraftstoff-, Versand-, Transport- und Rohstoffkosten. Die Lieferzeiten verschlechterten sich so stark wie seit Oktober 2022 nicht mehr. Die Beschäftigung stieg jedoch weiter – damit steht Italien innerhalb des März-Sets stärker da als die meisten anderen Länder.

Niederlande: stärkere Aufträge und Produktion – mit Anzeichen von Ersatznachfrage

Auch der niederländische Fertigungssektor verbesserte sich im März. Der PMI stieg von 50.8 auf 52.0, das Produktionswachstum verstärkte sich und die Neuaufträge kehrten nach zwei Monaten Rückgang wieder ins Wachstum zurück. Doch wie in Deutschland und Italien spiegelte ein Teil der Verbesserung eher die Reaktion der Unternehmen auf Lieferkettenstörungen wider als eine einfache Erholung der Nachfrage.

Hersteller berichteten von längeren Wartezeiten bei Vorleistungen, insbesondere bei Lieferungen aus Asien; die Lieferperformance verschlechterte sich so stark wie seit mehr als dreieinhalb Jahren nicht mehr. Die Inputkosten-Inflation sprang auf ein 41-Monats-Hoch, getrieben durch höhere Preise für Metalle, Kunststoff, Dieselpreise, Energie und Löhne. Auch die Outputpreise stiegen so schnell wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.

Ein Kommentar von ABN AMRO brachte eine ungewöhnliche Wendung: Einige niederländische Unternehmen könnten durch die Störungen anderswo tatsächlich Geschäft gewinnen. Ausländische Käufer würden sich demnach niederländischen Lieferanten zuwenden, und Befragte berichteten von höheren Aufträgen aus Ländern wie Thailand, Singapur, China und Australien.

Rumänien: weiterhin deutlich schwach – der Schock zeigt sich vor allem über die Kosten

Rumänien blieb einer der schwächsten Fälle in den März-Daten. Der Industrie-PMI stieg von dem Rekordtief 45.3 auf 46.6, der Abschwung ließ also nach – der Wert deutete jedoch weiterhin auf eine spürbare Verschlechterung der Geschäftslage hin. Produktion, Neuaufträge, Beschäftigung, Einkauf und Bestände gingen allesamt weiter zurück.

Die Nachfrage blieb das Kernproblem. Sowohl Inlands- als auch Exportaufträge sanken erneut, da Kunden wegen knapper Budgets und Unsicherheit vorsichtig blieben. Die Produktion fiel den 22. Monat in Folge – ein Zeichen dafür, dass die rumänische Industrie in einem anhaltenden Abschwung feststeckt.

Anders als in Deutschland, dem UK oder den Niederlanden waren die Lieferkettenstörungen relativ mild. Die Vorlaufzeiten verlängerten sich nur geringfügig. Die Krise war stärker über die Preise spürbar: Hersteller meldeten höhere Rohstoff-, Transport- und Energiekosten, und die Inputpreis-Inflation war die zweithöchste, die je gemessen wurde.

Europas Fabriklandkarte beginnt sich zu spalten

Insgesamt zeigen die PMI-Werte im März einen Kontinent, der sich in drei Lager teilt. Eine Gruppe – Deutschland, Italien und die Niederlande – schafft es weiterhin zu wachsen, teils durch Vorzieheinkäufe, Pufferaufbau oder das Anziehen von Ersatznachfrage. Eine weitere – insbesondere UK und Polen – zeigt Anzeichen von Widerstandskraft, aber auch klare Fragilität unter der Oberfläche. Die schwächste Gruppe – Frankreich, Spanien und Rumänien – wirkt stärker einer Kombination aus Unsicherheit, schwacher Nachfrage und steigenden Kosten ausgesetzt.

Für Fracht und Logistik ist die Botschaft eindeutig. Die Nahostkrise wirkt nicht mehr nur isoliert auf Öl-, Schifffahrts- und Transportkosten. Sie verändert nun, wie europäische Fabriken bestellen, beschaffen, lagern und kalkulieren. Der März könnte sich daher als der Monat erweisen, in dem Lieferkettenstress nicht länger ein Hintergrundrisiko war, sondern zu einem sichtbaren Bestandteil der europäischen Industriedaten wurde

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