Foto: Bundesverband Logistik & Verkehr – BLV-pro e.V.

Transport kann die Kosten nicht mehr schultern. Erste Proteste gegen steigende Spritpreise

Lesezeit 7 Min.

Steigende Kraftstoffpreise und wachsender Kostendruck treiben die Transportbranche auf die Straße. In mehreren europäischen Ländern beginnen Frachtführer zu protestieren und warnen, dass ihre Betriebe zunehmend unrentabel werden und ohne entschlossenes Eingreifen der Regierungen eine Welle von Insolvenzen droht.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Was vor nicht allzu langer Zeit noch als schwierig beschrieben wurde, wird von vielen Unternehmern inzwischen offen als existenzielle Krise bezeichnet. Auslöser der eskalierenden Spannungen ist der starke Anstieg der Kraftstoffpreise – getrieben von der geopolitischen Lage und höheren Ölpreisen an den globalen Märkten.

Kraftstoff wird Woche für Woche teurer

In Deutschland zeigt sich das Ausmaß besonders deutlich. Daten des ADAC zufolge liegt der durchschnittliche Dieselpreis inzwischen bei 2,288 Euro pro Liter – ein Anstieg um 12,6 Cent innerhalb nur einer Woche.

In den vergangenen Tagen wurden zeitweise sogar noch höhere Werte erreicht: Diesel näherte sich dem Rekordniveau vom März 2022 und lag bei bis zu 2,310 Euro pro Liter.

Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die Spannungen im Nahen Osten sowie gestiegene Brent-Rohölpreise, die zeitweise über 110 US-Dollar pro Barrel kletterten.

Kosten fressen die Rentabilität auf

Die steigenden Kraftstoffpreise schlagen direkt auf die Wirtschaftlichkeit der Transportunternehmen durch. Viele Unternehmer sehen die Entwicklung inzwischen als kaum noch kontrollierbar an.

Ein Beispiel aus Deutschland verdeutlicht die Lage: Markus Barth, Betreiber einer Flotte von 60 LKW, beziffert die zusätzlichen Kraftstoffkosten auf rund 25.000 Euro pro Woche.

Doch damit nicht genug. Bereits zuvor wurde die Branche durch steigende Mautkosten belastet. Seit der Erhöhung im Dezember 2023 sind die monatlichen Kosten pro Fahrzeug von rund 1.000 auf etwa 1.800 Euro gestiegen.

Hinzu kommen Leerfahrten, die rund 20 Prozent der Fernverkehrsstrecken ausmachen – Kosten, die sich in der Regel nicht an Kunden weitergeben lassen.

Deutschland: Proteste bereits auf der Straße

Die wachsende Frustration unter Frachtführern beginnt, sich in Handeln zu verwandeln. Am 25. März fand in Cottbus ein Protest statt, bei dem ein Konvoi von rund 50 LKW durch die Stadt fuhr.

Die Branche sendete eine klare Botschaft: „Wenn wir stehen bleiben, steht das ganze Land.“ Frachtführer betonen, dass ohne Straßentransport weder die Belieferung der Geschäfte noch die Lieferketten funktionieren.

Die Proteste fielen mit einer Konferenz der Verkehrsminister zusammen, was ihre politische Botschaft zusätzlich verstärkte.

Frankreich: landesweite Mobilisierung

In Frankreich gewinnen die Proteste erst langsam an Fahrt, könnten aber deutlich größer ausfallen. Die Organisation OTRE kündigt eine Reihe von Aktionen in verschiedenen Regionen des Landes an.

Am 28. März gehen Frachtführer in Lyon und Clermont-Ferrand auf die Straße. Weitere Mobilisierungen sind unter anderem in der Region Île-de-France und in Okzitanien geplant, wo für den 1. April in Toulouse ein Protest angesetzt ist.

„Die Zeit zu handeln ist gekommen. Heute hat Wut das Unverständnis ersetzt“, betonen OTRE-Vertreter. Die Organisation warnt, dass Unternehmen am Rand der Insolvenz stehen und die bisherigen Maßnahmen der Regierung unzureichend sind.

Die Branche fordert unter anderem:

  • einen pauschalen Zuschlag pro Fahrzeug nach dem Vorbild der Lösungen von 2022,
  • sofortige und gezielte Kraftstoffrabatte.

Nach Schätzungen der OTRE könnte das Verschwinden von 2.000 kleinen und mittleren Transportunternehmen volkswirtschaftliche Schäden von bis zu 16 Milliarden Euro verursachen.

Italien: Einzelunternehmer unter Druck

Auch in Italien verschärft sich die Lage. Im Hafen von Ravenna protestierten sogenannte „padroncini“ – selbstständige LKW-Fahrer mit eigenem Fahrzeug.

Der Hintergrund: stark steigende Kosten bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen.

Seit Ende Februar ist der Dieselpreis in Italien um 24 Prozent gestiegen und liegt inzwischen bei über 2 Euro pro Liter. Gleichzeitig sind die Transportpreise von etwa 2 Euro pro Kilometer auf rund 1,60 Euro gefallen, in Einzelfällen sogar auf 1,10 Euro.

Polen: staatliche Eingriffe und Skepsis der Branche

Vor diesem Hintergrund bereitet Polen Schutzmaßnahmen vor. Die Regierung hat das Paket „Niedrigere Kraftstoffpreise“ angekündigt, das Folgendes umfasst:

  • Senkung der Mehrwertsteuer von 23 auf 8 Prozent
  • Reduzierung der Verbrauchsteuer auf das EU-Minimum,
  • Einführung von Höchstpreisen für Kraftstoff.

Konkret könnte dies die Preise um bis zu etwa 1,2 Złoty pro Liter senken. Die Transportbranche begegnet diesen Ankündigungen jedoch mit großer Vorsicht.

„Diese Lösung wird polnische Arbeitsplätze nicht schützen, den Inflationsimpuls nicht auslöschen und keinen Schutzschild für Unternehmertum schaffen“, sagt Maciej Wroński, Präsident von Transport Logistyka Polska.

IRU: Lieferketten in der EU in Gefahr

Auch die IRU hat sich zur wachsenden Krise geäußert und die EU-Verkehrsminister am 24. März zu sofortigem und koordiniertem Handeln auf EU-Ebene aufgerufen.

Die Organisation warnt, dass die zunehmende Marktvolatilität und der Druck auf der Angebotsseite bereits zu Rekord-Kraftstoffpreisen und realen Betriebsstörungen führen. In der Folge ist die Kontinuität des Straßentransports in der Union gefährdet.

„Der Straßentransport ist sowohl stark anfällig für Kraftstoffpreisschocks als auch essenziell für Wirtschaft und Gesellschaft der EU. Ohne schnelles und koordiniertes Handeln besteht ein reales Risiko schwerwiegender Störungen der Lieferketten und der Mobilität der Menschen in der Union“ – betonte Raluca Marian, IRU EU Director.

Das Ausmaß des Problems ist enorm. Die Kraftstoffpreise sind EU-weit seit Beginn der Krise um 30–35 Prozent gestiegen, während Kraftstoff rund ein Drittel der Betriebskosten von Transportunternehmen ausmacht. Gleichzeitig arbeiten viele Betriebe mit Margen von 1–3 Prozent, was es praktisch unmöglich macht, weitere Anstiege abzufedern.

Die IRU verweist außerdem auf zunehmende Störungen in Transportkorridoren – von Lieferverzögerungen über eingeschränkte Kraftstoffverfügbarkeit bis hin zum Phänomen des „Kraftstofftourismus“, das den Markt zusätzlich destabilisiert.

Die Organisation warnt, dass unkoordiniertes Handeln der Mitgliedstaaten zu einer Fragmentierung des Binnenmarkts führen und die Krise vertiefen kann.

Europa am Scheideweg

Die Lage im europäischen Transportsektor zeigt zunehmend, dass wir es nicht nur mit einer Kostenkrise, sondern auch mit einer strukturellen Krise zu tun haben. In vielen Ländern verweisen Frachtführer auf unfaire Konkurrenz und das Fehlen einer koordinierten Kraftstoffpolitik, die den Binnenmarkt schützen würde.

Die Proteste, die jetzt beginnen, könnten erst der Anfang einer breiteren Bewegung sein. Wie Branchenvertreter betonen: Wenn die aktuellen Maßnahmen keine Ergebnisse liefern, könnten die nächsten Schritte deutlich radikaler ausfallen. Eines ist sicher: Der Straßentransport – das Lebenselixier der europäischen Wirtschaft – hat einen kritischen Punkt erreicht.

Tags:

Auch lesen