Mehr als 28 Milliarden gedruckte Werbeprospekte pro Jahr tragen zur Zerstörung von Wäldern bei. Dabei halten rund zwei Drittel der Menschen in Deutschland  Werbeprospekte für nicht zeitgemäß. Kein Wunder, dass die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zum Umdenken auffordert. Wer bisher im Briefkasten keine Werbeprospekte vorfinden wollte, machte dies in der Regel mit dem Hinweis „Bitte keine Werbung“. Jetzt will die DUH, dass unadressierte Werbepost  nur in Briefkästen mit „Werbung – Ja bitte“-Schild erlaubt sein wird.

Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe werden pro Jahr mehr als 28 Milliarden gedruckte Werbeprospekte, oft noch mit Plastik umhüllt, ungefragt in deutsche Briefkästen verteilt. Laut Universität Gießen wird so eine Werbepost von 85 Prozent der Empfänger gar nicht gelesen. Die Werbung dieser Art landet direkt in den Müll, was selbstverständlich verheerende Folgen für Umwelt und Klima hat. Aus diesem Grund wollen die DUH und Sebastian Sielmann von dem Verein Letzte Werbung dieser Werbeflut ein Ende setzen. Sie wandten sich an Bundesjustizministerin Christine Lambrecht mit der Forderung an, ein gesetzliches „Opt-in-Verfahren“ für unadressierte Werbepost einzuführen. Demnach, wenn die Petition erfolgreich wäre. dürfte die Werbung dann nur noch in Briefkästen geworfen werden, wenn dies ausdrücklich erwünscht ist, etwa mit einem einfachen „Werbung – Ja bitte“-Schild. “Rückendeckung hätte die Ministerin dafür in der Bevölkerung”, heißt es in der Pressemitteilung der DUH. Aus der Befragung,die im Auftrag der DUH durchgeführt wurde, geht nämlich hervor, dass rund rund zwei Drittel der Menschen gedruckte Werbebroschüren für nicht mehr zeitgemäß halten.

Für die zumeist ungelesenen Broschüren werden jährlich 1,1 Millionen Bäume gefällt. Das entspricht zweieinhalb Mal der Anzahl aller Straßenbäume Berlins, einer der grünsten Metropolen Europas. Diese Verschwendung ist nicht zu rechtfertigen. Zumal die Opt-in-Lösung gut für alle ist. Wer weiterhin Werbung will, bekommt sie. Der sinnlos umweltschädliche Großteil aber wird eingespart. Justizministerin Lambrecht muss jetzt handeln, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Der Mitinitiator der Petition und Vorstand des Vereins Letzte Werbung Sebastian Sielmann bedient sich dazu folgenden stichfesten Arguments :

Im Internet muss für die Zusendung von Werbung ein Einverständnis gegeben werden. Gedruckte Werbung darf hingegen in alle Briefkästen eingeworfen werden, die nicht mit einem „Werbung – Nein danke“-Aufkleber gekennzeichnet sind. Das ist nicht nachvollziehbar.

Am Beispiel von Amsterdam lässt sich erkennen, dass ein solches Opt-in-System starke Effekte erzielt. Die niederländische Hauptstadt hat es schon 2018 eingeführt Laut Stadtverwaltung werden dadurch pro Jahr 6.000 Tonnen Papier und zwischen 650 und 750 Fahrten der kommunalen Müllabfuhr eingespart. 

Wie notwendig Einsparungen auch in Deutschland wären, zeigen neue Berechnungen der Universität Gießen und der DUH. Die Zahlen sind beeindruckend:

Für die Herstellung der 28 Milliarden Prospekte werden pro Jahr 42 Milliarden Liter Wasser verbraucht – damit könnte man annähernd alle Haushalte der Millionenstadt Köln versorgen. Hinzu kommen 4,3 Milliarden Kilowattstunden Energie, das ist mehr als alle Einwohner Kölns und Münchens zusammen an Haushaltsstrom im Jahr verbrauchen. Außerdem werden 1,1 Millionen Bäume gefällt.

Die DUH betont, dass Internet-Prospektportale eine gute Alternative zu gedruckten Broschüren sind. Dies hat sich auch in der Befragung bestätigt, in der zwei Drittel der Menschen derselben Meinung waren.

Foto: Pixabay

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