Neuer Rahmenvertrag: von Sommer 2025 bis Ende 2028 liefert MAN pro Jahr bis zu 350 neue MAN TGX-Sattelzugmaschinen an Gartner aus (Symbolbild). Foto: MAN Truck & Bus

Gartner bestellt 40 E-Lkw – Hälfte des Auftrags geht an Superpanther

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Der österreichische Logistiker Gartner treibt die Elektrifizierung seiner Flotte voran. Das Unternehmen bestellt 40 schwere e-Lkw und baut am Hauptsitz in Lambach zwölf DC-Ladestationen. Auffällig ist die Aufteilung des Auftrags: Neben 20 MAN eTGX beschafft Gartner 20 eTopas 600 des chinesischen Herstellers Superpanther, dessen Fahrzeuge erst seit Sommer in Österreich montiert werden.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gartner investiert rund 9,6 Millionen Euro in 40 Elektro-Lkw und die dazugehörige Ladeinfrastruktur.
  • Je 20 Fahrzeuge stammen von MAN Truck & Bus und dem chinesischen Newcomer Superpanther.
  • Für Superpanther ist der Auftrag mit 20 eTopas 600 die bislang größte bekannte Einzelbestellung in Europa.
  • Am Gartner-Hauptsitz in Lambach entstehen zwölf DC-Ladestationen; mittelfristig sollen bis zu 70 Lkw elektrifiziert werden.

9,6 Millionen Euro für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur

Die Gartner KG investiert nach eigenen Angaben rund 9,6 Millionen Euro in den Ausbau der Elektromobilität. Etwa 60 Prozent der Summe entfallen auf die Fahrzeuge, rund 40 Prozent auf die Ladeinfrastruktur. Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft unterstützt das Projekt mit rund 3,5 Millionen Euro.

Am Unternehmenssitz im oberösterreichischen Lambach sollen zwölf DC-Ladestationen für elektrische Sattelzugmaschinen entstehen. Angaben zur Ladeleistung der einzelnen Ladepunkte, zur verfügbaren Netzanschlussleistung oder zum eingesetzten Lastmanagement machte Gartner bislang nicht.

Mittelfristig will der Logistiker bis zu 70 Fahrzeuge seines Fuhrparks elektrifizieren. Die jetzt bestellten 40 Sattelzugmaschinen bilden damit einen größeren ersten Schritt über einzelne Pilotfahrzeuge hinaus.

Superpanther erhält Auftrag über 20 eTopas 600

Besondere Aufmerksamkeit zieht die Bestellung von 20 eTopas 600 auf sich. Superpanther ist erst seit diesem Jahr auf dem europäischen Markt vertreten. Europa ist nach China die erste Exportregion des Herstellers.

Der eTopas 600 wird seit Ende Juli 2026 bei Steyr Automotive in Österreich montiert. Dabei setzt Superpanther auf eine SKD-Produktion: Vormontierte Baugruppen werden in Steyr zum fertigen Fahrzeug zusammengefügt. Nach Herstellerangaben kommen unter anderem die elektrische Achse, die Hochvolt-Leistungselektronik und das Thermomanagement von Superpanther. Weitere Komponenten stammen von europäischen Zulieferern. Steyr Automotive übernimmt Endmontage, Inbetriebnahme und Qualitätskontrolle.

Zum Produktionsstart gingen erste Fahrzeuge unter anderem an DHL, Gress, Temmel und Lontex. Mit 20 Fahrzeugen auf einen Schlag wird Gartner nun zum bislang größten bekannten europäischen Einzelkunden für den eTopas 600.

Für den jungen Anbieter ist der Auftrag auch strategisch bedeutsam. Superpanther hat angekündigt, bis Ende 2027 insgesamt 1.000 Fahrzeuge in Europa auf die Straße bringen zu wollen.

621 Kilowattstunden für den Fernverkehr

Technisch zielt der eTopas 600 auf Einsätze im schweren Fernverkehr. Die 4×2-Sattelzugmaschine verfügt über eine 621 Kilowattstunden große LFP-Batterie von CATL. Die elektrische Achse mit zwei Motoren leistet nach Herstellerangaben dauerhaft 394 Kilowatt und in der Spitze bis zu 692 Kilowatt.

Superpanther gibt abhängig von Einsatzbedingungen und Konfiguration Reichweiten von etwa 560 bis 600 Kilometern an. Geladen wird über CCS2. Über zwei Ladeanschlüsse kann Energie gleichzeitig aufgenommen werden. Bei Tests erreichte das Unternehmen nach eigenen Angaben Ladeleistungen von knapp 650 Kilowatt; der Ladezustand soll sich dabei in weniger als 38 Minuten von 20 auf 80 Prozent erhöhen lassen.

Diese Werte sind bislang vor allem Herstellerangaben. Für Flottenbetreiber dürfte deshalb entscheidend sein, wie sich Verbrauch, Ladeleistung und technische Verfügbarkeit im täglichen europäischen Fernverkehr entwickeln.

„Mit dem eTopas 600 investieren wir in eine Technologie, die unsere hohen Ansprüche an Effizienz, Zuverlässigkeit und Praxistauglichkeit erfüllt und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Transports leistet“, erklärte Gartner-Geschäftsführer Christian Gartner laut Superpanther.

MAN bleibt fester Bestandteil der Flotte

Gartner verteilt den Auftrag allerdings bewusst auf zwei Hersteller. Die zweite Hälfte der Bestellung besteht aus 20 MAN eTGX. Welche Batterie- und Fahrzeugvarianten der Logistiker gewählt hat, wurde nicht mitgeteilt.

Die Verbindung zwischen Gartner und MAN reicht weit zurück. Mehr als 80 Prozent des Gartner-Fuhrparks stammen bislang von dem Münchner Nutzfahrzeughersteller. Im Mai 2025 vereinbarten beide Unternehmen zudem einen Rahmenvertrag über bis zu 1.200 MAN-Sattelzugmaschinen bis Ende 2028. Vorgesehen sind jährlich bis zu 350 Fahrzeuge. Der größte Teil dieses Vertrags betrifft allerdings weiterhin Diesel-Lkw.

Batterieelektrische MAN eTGX setzt Gartner bereits auf einzelnen Strecken in Deutschland ein. Das Unternehmen ist darüber hinaus als Fahrzeugtransporteur für MAN tätig.

Die neue Bestellung bringt damit erstmals in größerem Umfang zwei sehr unterschiedliche E-Lkw-Konzepte innerhalb derselben Flotte zusammen: auf der einen Seite einen etablierten europäischen Hersteller, auf der anderen einen neuen chinesischen Wettbewerber mit Endmontage in Österreich.

Praxistest unter realen Flottenbedingungen

Für Gartner eröffnet die gemischte Beschaffung die Möglichkeit, unterschiedliche Fahrzeugkonzepte im operativen Betrieb einzusetzen. Ob die beiden Modelle auf vergleichbaren Relationen fahren und Gartner Kennzahlen wie Energieverbrauch, Ladezeiten, Verfügbarkeit und Gesamtbetriebskosten direkt gegenüberstellt, ist bislang nicht bekannt.

Gerade für Superpanther dürfte der Einsatz bei einem großen europäischen Logistikunternehmen jedoch zum wichtigen Praxistest werden. Gartner betreibt ein weit verzweigtes Transportnetz mit Standorten und Partnern in mehreren europäischen Ländern und verfügt über einen Fuhrpark mit mehreren Tausend Zugmaschinen und Aufliegern.

Die ersten neuen Elektro-Lkw sollen Ende 2026 beziehungsweise ab Anfang 2027 ausgeliefert und anschließend schrittweise in das europäische Transportnetz integriert werden.

Für den europäischen Markt für schwere Elektro-Lkw hat die Bestellung deshalb über Gartner hinaus Bedeutung. Ein großer Flottenbetreiber setzt bei einer relevanten Beschaffung nicht ausschließlich auf seinen langjährigen Stammlieferanten, sondern gibt einem neuen Wettbewerber unmittelbar die Hälfte des Auftrags. Ob sich daraus eine dauerhafte Verschiebung der Lieferantenstruktur entwickelt, wird sich im Flottenalltag der kommenden Jahre zeigen.

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