Die im Mobilitätspaket enthaltenen Vorschläge sind keine Problemlösung, führen aber zu einer unnötigen Überregulierung des Marktes, die für den Transportsektor verheerende Folgen haben kann – so Waberer’s Geschäftsführer Ferenc Lajko.  Im Interview verrät er uns auch, in welchen Ländern er nach Unternehmen zur Übernahme suchen will.

Maciej Maćkowiak, Trans. INFO: Bald wird wieder auf EU-Ebene die Debatte über das Mobilitätspaket  beginnen. Wie bewerten Sie die Vorschläge, die bisher vorgestellte wurden?

Ferenc Lajko,Waberer’s Geschäftsführer: Ich bin der Meinung, dass der Straßentransport von der Entsenderichtlinie ausgenommen sein sollte, weil mobile Mitarbeiter wie  Berufsfahrer keine Entsandten sind. Sie leben nicht über Monate in einem fremden Land. Allerdings scheint es so, dass Entscheidungsträger dazu tendieren, Transportfirmen aus Westeuropa zu favorisieren, anstatt auf die wahren Bedürfnisse des Transportsektors einzugehen. Daher ist es schwierig, das Endergebnis vorherzusagen. Das gleiche gilt für das Verbot der 45-stündigen Ruhezeit in der Fahrerkabine unabhängig von der Verfügbarkeit geeigneter Infrastruktur (Parkplätze und Unterkunft). Dies ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass die Entscheidungsträger die Komplexität des internationalen Transportsektors nicht erkennen. Ganz zu schweigen davon, dass diese Idee dem Grundprinzip des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs in der EU zuwiderläuft. Politische Ambitionen sollten nicht über Professionalität hinausgehen.

Haben Sie bereits über die Änderungen der Richtlinie über entsandte Arbeitnehmer und das Mobilitätspaket mit den Leitern von Transportunternehmen aus Westeuropa gesprochen? Wenn ja, was denken diese über die von Politikern vorgeschlagenen Änderungen?

Wir haben mit Vertretern verschiedener westeuropäischer Transportunternehmen  zu diesem Thema informelle Gespräche geführt. Inoffiziell waren sich alle einig, dass die Folgen einer unnötigen Überregulierung des Transportmarktes katastrophal sein könnten.Die im Mobilitätspaket enthaltenen Vorschläge werden die Probleme wie den Fahrermangel nicht lösen. Derzeit fehlen 250.000 Fahrer in der EU. Mindestens 50.000 werden in den nächsten fünf Jahren allein in Deutschland in den Ruhestand gehen. Ganz zu schweigen von der fehlenden Infrastruktur, die es den Fahrern ermöglichen würde, die Ruhezeite einzuhalten. Wenn jedoch ein westliches Unternehmen versucht, sich gegen diese Vorschläge auszusprechen, wird es sofort als  ein Befürworter von „Sozialdumping”abgestempelt. Es ist sehr bedauerlich, dass man nicht an die  globale Wettbewerbsfähigkeit der EU denkt, wenn Entscheidungen über eine für die Wirtschaft so wichtige Branche  gemacht werden.

Im März dieses Jahres haben Sie gesagt, dass Waberer’s künftig  eine Flotte von 10.000 Fahrzeugen haben will,  von denen 1/3 in Polen sein soll. Ihr Unternehmen hat Link – einen großen Player auf dem polnischen Markt – übernommen. Was sind Ihre Pläne bezüglich Link? Bleibt die Marke bestehen oder wird sie geändert?

Dies war unsere erste Übernahme in Polen und Ausgangspunkt, um mehr und mehr Anteile auf diesem großen und wachsenden Markt zu gewinnen. Link war sehr attraktiv für uns und wird definitiv eine wichtige Rolle bei der Entwicklung unserer Geschäfte in dieser Region spielen. Link wurde bereits vollständig in unser Netzwerk integriert und die Flotte wird ständig erweitert. Was das Branding angeht – werde ich mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt sagen.

Was ist Waberer’s Strategie für den polnischen Markt?

Durch die Übernahme können sich wertvolle Synergien ergeben. Darüber hinaus ist der polnische Markt auch ein Tor zu Arbeitsmärkten anderer Länder wie der Ukraine.

Möchten Sie mittels solcher Übernahmen ihre Dienstleistungen besser diversifizieren?

Um unsere internationalen Transportdiensleistungen zu entwickeln, suchen wir stetig nach Transportunternehmen aus Mittel- und Osteuropa, die es uns ermöglichen, Personalressourcen, d. h. Fahrer, sowie Export- und Importbedarf zu diversifizieren. Der Focus liegt hauptsächlich auf Firmen aus Polen, Tschechien und der Slowakei. Künftig  möchten wir auch das Geschäftsmodell der regionalen Kontraktlogistik ausbauen.

Vor kurzem haben Sie in den Medien erwähnt, dass „derzeit kein Transportunternehmen effektiv verwaltet werden kann, ohne Preiserhöhungen durchzuführen. Wer das nicht tut, wird scheitern. „Auch haben Sie gesagt, dass die Preise bei Waberer’s bereits um 7 Prozent gestiegen sind. Preiserhöhungen bei osteuropäische Unternehmen werden jedoch dazu führen, dass diese nicht mehr konkurrenzfähig sind und so einen ihrer wichtigsten Vorteile gegenüber der Konkurrenz aus Frankreich oder Deutschland verlieren. Wie soll das also ihrer Meinung nach in der Praxis funktionieren?

In den letzten drei Jahren standen der Straßentransport, die Spedition und Logistik ständig steigenden Betriebskosten gegenüber. Es gibt immer weniger Fahrer, aber die Personalkosten, Versicherungspreise und Transitgebühren sowie die Gehälter von Büro- und Lagerpersonal steigen.  Die Auswirkungen konnten noch bis zum letzten Jahr durch die fallenden Kraftstoffpreise ausgeglichen werden . Die gute Zeiten sind jedoch zu Ende. Die Kosten explodieren in Lichtgeschwindigkeit – die Dieselpreise sind nur in den letzten fünf Monaten um 10 Prozent gestiegen. Die Zukunft der ganzen Branche hängt an einem seidenen Faden. Im Jahr 2018 führte diese Situation zu einem Lohnanstieg von über 10% auf dem Arbeitsmarkt. Infolgedessen schließen oder beschränken sich Unternehmen mit geringerer Kapitalisierung, weil sie den durch die neuen westlichen Vorschriften verursachten Verwaltungsaufwand nicht bewältigen können. Sie können den Anstieg der Betriebs- und Verwaltungsausgaben nicht bewältigen. Es gibt bereits ernsthafte Probleme in der Lieferkette, und die oben genannten Ursachen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die nachhaltige Entwicklung des gesamten Systems dar. Waberer’s ist kein Billiganbieter. Das Unternehmen nutzte nur seinen Vorteil in Form eines konkurrenzfähigen Preises,kombiniert mit hoher Effizienz und hoher Qualität. Wir wollen diesen Vorteil beibehalten, obwohl wir unter diesen Umständen gezwungen waren, Preisänderungen vorzunehmen. Aus diesem Grund haben wir bereits einige Schritte unternommen und begonnen, eine neue Preisstrategie umzusetzen, die je nach Kunde und Branche natürlich sehr unterschiedlich sein kann.

Und wie steht Waberer’s zu Innovationen im Management- und Technologiebereich? Welche Lösungen wollen Sie im Unternehmen umsetzen?

Organisches und anorganisches Wachstum ist ein Kernfaktor bei Waberer’s kombiniert mit  Effizienz, Digitalisierung und dem Einsatz modernster Technologien. Durch die Kooperation mit der Automobilindustrie und E-Commerce wollen wir unseren Kundenkreis noch breiter fächern. Wir sehen die Zukunft der Gruppe in innovativen Lösungen. Wir investieren beispielsweise in verschiedene Lösungen im Bereich der Lagerautomatisierung, wir beteiligen uns an Projekten unserer Partner, zum Beispiel an Platooning-Tests. In Hinsicht auf Digitalisierung haben wir Ressourcenoptimierungssysteme entwickelt, die die Daten der gesamten Flotte speichern und helfen, die Route zu optimieren und die Fahrzeuglast zu erhöhen (über 91 Prozent im Jahr 2017). Wir sind auch stolz darauf, dass wir die Flotte effizient nutzen, was bedeutet, dass Waberer’s auf der einen Seite eine der modernsten und jüngsten (das durchschnittliche Alter beträgt 2,5 Jahre) und auf der anderen Seite eine umweltfreundliche (Klasse EURO 6 ) Flotte hat.

Planen Sie, in Europa eigene Logistik- und Distributionszentren zu errichten? Oder möchten Sie vielleicht Ihre Geschäfte auf die östlichen Märkte wie Türkei, Kasachstan oder China ausweiten?

Wie bereits erwähnt, möchten wir unsere Dienstleistungen im Bereich der regionalen Kontraktlogistik wie Transport, Distribution, Lagerung und Mehrwertdienste auf die gesamte Region Zentraleuropa ausweiten. Die Expansion in Westeuropa und Fernost ist derzeit nicht in unseren mittelfristigen Planungen enthalten. Wir konzentrieren uns auf die Region Mittel- und Osteuropa.

Foto:Waberer’s

Kommentare

comments0 Kommentare
thumbnail
Um Benachrichtigungen über Kommentare freizuschalten - gehen Sie zu Ihrem Profil