Ein Beispiel kommt aus Schweden: Drivers First und TruckTrust haben eine strategische Partnerschaft angekündigt, um den Zugang zu sicheren Parkflächen, Sanitäranlagen und digitalen Services für Berufskraftfahrer zu verbessern. Die Kooperation verbindet physische Einrichtungen mit einer digitalen Parkplatzplattform, über die sichere Rastplätze leichter gefunden und gebucht werden können.
Auch wenn die Initiative aus Schweden stammt, sind die zugrunde liegenden Probleme in weiten Teilen Europas bekannt, von Skandinavien bis Südeuropa.
Arbeitsbedingungen als Treiber des Fahrermangels
Transportunternehmen in ganz Europa bringen diese Bedingungen zunehmend mit dem anhaltenden Fahrermangel in Verbindung. Laut Branchenorganisationen arbeiten Flotten in vielen Ländern unterhalb ihrer Kapazität – nicht wegen schwacher Nachfrage, sondern weil es nicht genug Fahrer gibt, die bereit sind, die Realität des Fernverkehrs unter den aktuellen Bedingungen zu akzeptieren.
Lange Wartezeiten, eingeschränkter Zugang zu Toiletten und Duschen, unsichere Rastplätze und anhaltende Sicherheitsbedenken werden von Fahrern und Arbeitgebern immer wieder als strukturelle Probleme im internationalen Straßentransport genannt. Mehrere Branchenumfragen zeigen, dass solche Bedingungen ein wesentlicher Faktor sind, der jüngere Fahrer davon abhält, in den Beruf einzusteigen.
„Es gibt nach wie vor keine umfassende Strategie, um sichere Parkplätze, saubere Toiletten und sichere Rastplätze für Berufskraftfahrer zu gewährleisten“, sagte Gustav Jacobsson von Drivers First. „Von Fahrern wird erwartet, dass sie immer strengere Regeln einhalten, aber die Bedingungen vor Ort machen das oft unmöglich. Das ist kein Einzelfall – es ist systemisch.“
Sicherheitsrisiko für die gesamte Lieferkette
Der Mangel an sicheren Parkplätzen wird zunehmend nicht nur als soziales Thema diskutiert, sondern als Risiko für die Lieferkette. Branchenschätzungen beziffern die jährlichen Verluste durch Ladungsdiebstahl in Europa auf nahezu 90 Milliarden SEK (8 Milliarden Euro) – mit Auswirkungen auf Frachtführer, Verlader und Versicherer gleichermaßen.
Laut Quellen aus Logistik und Versicherung sind Diebstahlrisiken in Teilen Westeuropas zu einem routinemäßigen Faktor bei Routenplanung und Preisgestaltung geworden. In Südeuropa warnen Transportunternehmen, dass unzureichende Präventionsinfrastruktur organisierte Diebstähle begünstigt, indem sie vorhersehbare Stoppmuster ausnutzen kann. Selbst in Ländern, in denen das Diebstahlniveau derzeit niedriger ist, warnen Branchenverbände, dass das Fehlen sicherer Parkmöglichkeiten langfristige Verwundbarkeiten schafft.
„Wenn wir abwarten, drohen Unsicherheit, Diebstahl und steigende Kosten zur Normalität zu werden“, sagte Björn Paulsson von TruckTrust. „Sicheres Parken ist keine Komfortfrage. Es ist eine Voraussetzung für zuverlässige Lieferungen, Verkehrssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.“
Private Initiativen füllen die Lücke
Da der Ausbau öffentlicher Infrastruktur weiterhin nur langsam vorankommt, treten private Akteure zunehmend auf den Plan.
In ganz Europa bieten Buchungsplattformen wie TRAVIS Zugang zu Hunderten gesicherten, vorab buchbaren Lkw-Parkplätzen entlang wichtiger Korridore. Diese Dienste ermöglichen es Fahrern und Flottenmanagern, garantierte Stellplätze im Voraus zu reservieren – eine marktorientierte Antwort auf den Mangel an öffentlich bereitgestellten sicheren Einrichtungen.
Auch digitale Lösungen sind entstanden. Bosch Secure Truck Parking betreibt eine Plattform, über die Fahrer sichere Parkplätze finden und buchen können – inklusive Informationen zu Verfügbarkeit, Sicherheitsmerkmalen und Services für Fahrer. Solche Tools werden zunehmend genutzt, um den Mangel an verlässlichen, standardisierten öffentlichen Informationen zu Parkmöglichkeiten auszugleichen.
Auf Infrastrukturebene investieren private Betreiber von Service-Areas direkt in sichere Parkeinrichtungen. In Spanien haben beispielsweise Unternehmen wie Andamur bewachte Lkw-Parkplätze entwickelt, die kontrollierten Zugang, Überwachung und grundlegende Einrichtungen bieten und entlang wichtiger internationaler Routen positioniert sind. Diese Anlagen werden privat finanziert und betrieben und übertreffen in mehreren Fällen die Sicherheitsstandards nahegelegener öffentlicher Rastplätze.
Branchenbeobachter beschreiben diese Initiativen als Übergangslösungen – notwendig, um Transportabläufe aufrechtzuerhalten, während die öffentliche Infrastruktur weiterhin hinter der Nachfrage zurückbleibt.
Schweden als Fallstudie
Ein konkretes Beispiel dafür, wie die Branche auf lokaler Ebene reagiert, zeigt sich in Karlstad, wo LBC-Frakt eine neue Fahrereinrichtung eröffnet hat, die Toiletten, Duschen und eine sichere Umgebung für Pausen bietet.

Private Fahrereinrichtung eröffnet in Karlstad – die Branche schließt Infrastrukturlücken – Foto: LBC-Frakt
Die Initiative wurde vor dem Hintergrund von Branchenberichten über einen wachsenden Mangel an zugänglichen Rastplätzen für Berufskraftfahrer in Schweden gestartet, da bestehende Einrichtungen schließen und neue nicht zustande kommen. Laut Transportorganisationen wird es dadurch für Fahrer zunehmend schwieriger, Ruhezeiten sicher und würdevoll einzuhalten.
„Der Mangel an funktionierenden und zugänglichen Rastplätzen ist zu einem Sicherheitsproblem geworden“, sagte Oscar Hyléen, CEO der Swedish Transport Companies, bei der Eröffnung. „Schweden hat die Verpflichtung sicherzustellen, dass es genügend Rastplätze gibt, aber die schwedische Verkehrsverwaltung hinkt hinterher. Auch der Markt muss eingebunden werden und Initiativen schaffen.“
Die Fahrereinrichtung von LBC Frakt – vom Unternehmen beschrieben als etwas, das „eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber zunehmend selten geworden ist“ – soll die Arbeitsbedingungen und die Verkehrssicherheit auf lokaler Ebene verbessern, anstatt die öffentliche Infrastruktur vollständig zu ersetzen.
„Diese Branche ist eine der am meisten vergessenen“, sagte Pelle Thörnberg, Vorsitzender von Drivers First. „Es gibt einen Fahrermangel, und weniger Menschen wollen in den Beruf einsteigen, weil er als unsicher wahrgenommen wird. Wir wollen sicherstellen, dass es sichere Orte zum Anhalten und Ausruhen gibt.“
Zur Eröffnung gehörte auch der Start einer neuen, privat betriebenen Waschanlage für Container, die im Transport von tierischen Nebenprodukten eingesetzt werden. Das unterstreicht, wie Betreiber zunehmend soziale, sicherheitsbezogene und ökologische Investitionen innerhalb ihrer eigenen Aktivitäten kombinieren.











