Die Corona-Krise hat die LKW nach und von China rollen lassen. Immer mehr Unternehmen nehmen die Transporte auf dem Landweg von und nach China in ihr Portfolio auf. Doch werden diese auch nach der Krise Bestand haben?

Als schnell, zuverlässig und relativ kostengünstig werden die LKW-Transporte gepriesen. Deshalb hat jüngst ein weiteres Unternehmen diese in ihr Portfolio aufgenommen: DSV Road will ihre Kunden in China oder den deutschen Markt mit Gütern über den Landweg versorgen.Mit einer Laufzeit von unter 20 Tagen von Tür zu Tür werden Zustellungen mit kürzeren Laufzeiten als im Zugverkehr erreicht, allerdings mit deutlich höherer Flexibilität und Unabhängigkeit von Flughäfen, Seehäfen oder Bahnhöfen,betont die Firma die Vorteile des Dienstes. Die Abfahrtszeiten können frei gewählt werden und die Abholung der Waren erfolgt bei den Kunden in der Regel bis fünf Tage nach Auftragseingang. Das Unternehmen gibt an jegliche Fracht zu befördern- egal ob Standardpaletten, ADR oder Sondermaße, Komplettladungen wie Teilladungen.

Vor DSV haben auch andere Unternehmen die Vorteile der LKW-Linien in Zeiten der Corona-Krise erkannt. Anfang April hat die digitale Spedition InstaFreight eine LKW-Linie nach China gelauncht. Das Start-up hat ein Partnernetzwerk aus über 12.000 Fuhrunternehmen im eurasischen Raum, von denen ein Teil auch auf der Seidenstraße aktiv ist. Die Laufzeit der Transporte beträgt 20-22 Tage, je nach Annahme- und Abladeort. Per Aufpreis können auch doppelte Fahrerbesatzungen gebucht werden, was die Laufzeit um mehrere Tage verkürzen kann. Der Transport geht je nach dem gewünschten chinesischen Standort direkt über Russland oder auch Kasachstan und die Mongolei. Die Preise für die Haus-zu-Haus Lieferung werden individuell berechnet, betragen aber nur einen Bruchteil der aktuellen Luftfrachtraten.

Ebenfalls der Südtiroler Transport- und Logistikspezialist Fercam hat rasch auf die knappen Luft- und Eisenbahntransporte reagiert und Transporte über den Landweg für Güter angeboten, die sonst auf dem Luft-oder Seeweg befördert wurden. Besonders hoch war die Nachfrage nach Elektrokomponenten, Elektrogeräten sowie medizinische Produkte. Laut Angaben des Unternehmens beträgt die Laufzeit der Transport von China nach Italien 17 Tage.

Ein wichtiger Meilenstein für den Straßentransport

Im November 2018 wurde der erste LKW-Transport aus Korgas in China, über Kasachstan nach Europa realisiert. Der Testlauf wurde als gemeinsame Initiative von CEVA Logistics, IRU (International Road Transportation Union) und den CEVA-Partnern Alblas und Jet-rail betrieben. Der Transport traf nach elf Tagen am 24. November in Polen ein- ohne Unterbrechungen oder Zollprobleme.

Kurz darauf fand der erste erfolgreiche TIR-Transport von Deutschland nach China statt. Der LKW ist nach 7.400 zurückgelegten Kilometern und 12 Tagen Reise in Korgas, einem wichtigen Knotenpunkt auf der Neuen Seidenstraße, eingetroffen.. Transportiert wurden 12 Tonnen Kfz-Schmierstoffe unter schwierigen Winterbedingungen.

Das Pilotprojekt hat bewiesen, dass TIR-Transporte auf dieser Strecke durchaus Sinn ergeben, da die neue Dienstleistung im Vergleich zum Luftweg eine Kosteneinsparung von etwa 50% bietet. Mit einer Laufzeit von Tür zu Tür von 10 bis 15 Tagen ist sie auch 30 bis 50% schneller als der Schienentransport.

Meridian Highway weckt große Hoffnungen

Damit der LKW-Verkehr nach und von China aber nicht nur in Krisenzeiten sondern auch danach dauerhaft Bestand, ist eine gute Straßeninfrastruktur Voraussetzung. Große Hoffnung weckt insbesondere der Meridian Highway, der sich final von Shanghai nach Hamburg erstrecken soll. Letztes Jahr hat Russland grünes Licht für die letzte fehlende Verbindung gegeben: für den 1.240 Meilen langen Abschnitt von der russischen Grenze zu Weißrussland nach Kasachstan.  Das Projekt wird unter der Schirmherrschaft der chinesischen Belt and Road Initiative (BRI) realisiert.

Foto: IRU

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