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Experten für Schienengüterverkehr diskutieren über den Logistik-„Hotspot” Ungarn und die Bedeutung der neuen Bahnstrecke Budapest-Belgrad

Die neue Bahnstrecke zwischen Budapest und Belgrad, die bis 2025 fertiggestellt werden soll, könnte die Frachtlandschaft auf dem Balkan neu gestalten, betonten Schienengüterverkehrsexperten bei einem kürzlich durchgeführten Webinar über den "ungarischen Hotspot".

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In einem Webinar zum Thema Schienengüterverkehr, das vor Kurzem stattgefunden hat, diskutierten Logistikexperten und Branchenkenner über Ungarns Ambitionen, ein wichtiger Transitknotenpunkt für den Schienengüterverkehr in Europa zu werden. Das Gespräch, das von Experten auf diesem Gebiet geführt wurde, vermittelte einen Einblick in die Herausforderungen und Chancen für den ungarischen Schienengüterverkehrssektor. Ein Haupthindernis, das während der gesamten Diskussion hervorgehoben wurde, war die Kostenfrage.

Sofia Burna Asefi, Beraterin bei der Risk Advisory Group, teilte ihr Fachwissen über die Rolle Ungarns in der Schienengüterlogistik. Sie betonte, dass die Umladung für viele in der Region tätige Unternehmen eine komplexe Herausforderung in der Lieferkette darstelle. Aufgrund seiner strategischen geografischen Lage ist Ungarn ein entscheidender Standort für den Warentransit zwischen Europa und Asien. Mehrere Herausforderungen behindern jedoch die Fähigkeit Ungarns, sein Potenzial als Transitland voll auszuschöpfen.

Zu diesen Herausforderungen gehören Probleme bei der Transitinfrastruktur mit der Ukraine, die Überlastung der Häfen, steuerliche Eingriffe in bestimmten Sektoren und operative Schwierigkeiten. Sofia betonte, dass diese Probleme nicht leicht zu lösen sind und langfristige Maßnahmen erfordern. Dennoch bleibt Ungarn aufgrund seiner strategischen Lage als eine Brücke zwischen Europa und China eine attraktive Option für Logistik- und Transportunternehmen.

In der Diskussion wurde auch die Notwendigkeit der Entwicklung der Infrastruktur in Ungarn angesprochen. Zwar gibt es laufende Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur, wie z. B. das TRACE-Projekt zum Ausbau der Einrichtungen in Budapest, doch es besteht ein Bedarf an weiteren Logistikzentren, Lagerhäusern und effizienten Datensystemen. Die Gewährleistung eines reibungslosen Warenflusses erfordert die Bewältigung verschiedener operativer Herausforderungen sowie eine sichere Frachtabwicklung.

Die Experten stellten fest, dass der Wettbewerb in Mittel- und Osteuropa zunimmt, da Länder wie Serbien, die Slowakei und andere in Infrastrukturprojekte investieren, um ihre Schienengüterverkehrskapazitäten auszubauen. Als Reaktion darauf konzentriert sich Ungarn auf den Ausbau von Logistikhubs außerhalb von Budapest, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen.

Knotenpunkte außerhalb von Budapest, erforderlich

Martin Koubek von Metrans betonte, wie wichtig es ist, in Standorte außerhalb von Budapest zu investieren, um ein umfassenderes Netz für die Frachtdistribution zu schaffen. Er betonte, dass die Infrastruktur und die Unterstützung durch die Regierung eine entscheidende Rolle dabei spielen, Ungarn zu einem effizienten Transitknotenpunkt zu machen.
Dmitrij Hasenkampf von RTSB unterstützte die Idee, dass die Notwendigkeit zusätzlicher Knotenpunkte außerhalb von Budapest durch das wachsende Frachtaufkommen bedingt ist. Die Entwicklung neuer Logistikhubs erfordert nicht nur Infrastruktur, sondern auch Konnektivität mit anderen europäischen Ländern.

Herausforderungen und Chancen bei der Verlagerung auf die Schiene

Sofia Burna Asefi betonte, dass bei der Bewertung von Ungarn als Transitland einige politische, wirtschaftliche und geschäftliche Risiken berücksichtigt werden müssen. Politische Risiken in Ungarn, insbesondere in Bezug auf die Eigentumsverhältnisse und die Transparenz, müssen bewertet werden. Die Beziehungen zwischen Ungarn, China, Russland und der EU spielen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Logistiklandschaft.

In der Diskussion wurde auch die Verlagerung auf die Schiene angesprochen, die in der Region an Dynamik gewonnen hat. Es wurde festgestellt, dass die Schiene im Vergleich zum Straßentransport wettbewerbsfähige Vorlaufzeiten bietet. Das Vorhandensein zuverlässiger Bahnverbindungen nach Serbien und zu anderen Zielen in Ungarn macht die Verlagerung auf die Schiene einfacher. Die Eisenbahnunternehmen arbeiten daran, die Transitoptionen über Budapest hinaus zu verbessern und ein umfassenderes Netz im Land zu entwickeln.

Trotz der Herausforderungen bleiben Ungarns Ambitionen, ein Transitland für den Schienengüterverkehr zu werden, unversehrt. Die Experten empfehlen Logistikunternehmen, beim Markteintritt eine gründliche Sorgfaltsprüfung durchzuführen, zuverlässige Partner auszuwählen und die gesamte Lieferkette und die Transportwege zu berücksichtigen. Die Verlagerung auf die Schiene gewinnt in Ungarn allmählich an Schwung und bietet effizientere und kostengünstigere Alternativen für den Gütertransport.


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Das Versprechen verlässlicher Lieferzeiten

Srdjan Zekovic von Van den Bosch, einem wichtigen Akteur in der Logistikbranche, hob zu Beginn der Diskussion hervor, dass der Schienenverkehr auf dem Balkan einen langen Weg zurückgelegt hat. Er äußerte anfänglich Zweifel an der Zuverlässigkeit der Schiene und an den astronomischen Vorlaufzeiten, die sie oft mit sich brachte. Ein Durchbruch gelang jedoch, als das Versprechen, Güter innerhalb von sieben Tagen von Serbien in die Niederlande zu befördern, Wirklichkeit wurde. Zekovic erläuterte, dass diese Vorlaufzeiten nun realisierbar seien und die Bahn zu einer rentablen Option werde, zumal sich die Erwartungen der Kunden an diese schnelleren Transportmöglichkeiten anpassten.

Budapest als Knotenpunkt für den Balkan

Zekovic teilte eine wichtige Erkenntnis aus seiner Erfahrung. Vor drei Jahren gab es keine intermodalen Bahnverbindungen nach Serbien, was einen effizienten Transport behinderte. Budapest entwickelte sich zu einem ausgereiften und gut etablierten Verkehrsknotenpunkt, der eine Brücke zwischen den westlichen Märkten und dem Balkan bildet. Um diese Möglichkeit zu nutzen, mussten die Waren nach Budapest transportiert werden, wo sie abgeholt und dann zurück nach Serbien gebracht werden konnten. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Verzögerungen funktionierte dieser Ansatz innerhalb einer Woche und zeigte das Potenzial des Schienengüterverkehrs in der Region.

Die Bahnstrecke Budapest-Belgrad

Der Höhepunkt der Diskussion war die Bahnstrecke Budapest-Belgrad, die die Frachtlandschaft auf dem Balkan zu revolutionieren verspricht. Dieses Projekt, das bis 2025 fertiggestellt werden soll, hat für viel Aufregung gesorgt. Die Bauarbeiten sind bereits im Gange, und es wurden erhebliche Investitionen getätigt und neue Terminals in Belgrad und entlang der Bahnstrecke entwickelt.

Verbesserte Konnektivität und Marktzugang

Zekovic zeigte sich vorsichtig optimistisch und betonte, dass die Bahnindustrie bereits während des Wiederaufbaus der Strecke die Grundlagen für den intermodalen Verkehr zwischen Budapest und Serbien geschaffen habe. Die vorausschauenden Bahnbetreiber haben den Marktbedarf erkannt und Möglichkeiten geschaffen, noch bevor die Hochgeschwindigkeitsstrecke offiziell in Betrieb genommen wurde.

Mit der Strecke Budapest-Belgrad wird eine zuverlässige, hochfrequente Bahnverbindung geschaffen, die die Vorlaufzeiten, die Frachtkapazität und die Zuverlässigkeit der Lieferkette für die Kunden optimiert. Vor allem aber wird sie die mittel- und osteuropäischen Länder näher an den Balkan heranführen und die Anbindung an die Märkte in Mazedonien, Griechenland, Bulgarien und darüber hinaus verbessern.

Die Diskussion befasste sich auch mit den Herausforderungen, die mit der Ausweitung der Bahnverbindungen auf dem Balkan verbunden sind. Ein immer wiederkehrendes Thema war die „Henne und Ei”-Frage, bei der die Beteiligten darüber diskutierten, ob das Fehlen von Bahnstrecken auf einen Mangel an Fracht oder auf einen Mangel an Infrastruktur zurückzuführen sei. Die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen dem Ausbau der Infrastruktur und der Steigerung des Frachtaufkommens wurde als entscheidender nächster Schritt zur Förderung der Bahnindustrie in der Region bezeichnet.

Die Perspektive Chinas

Jackie Yan von New Silk Road Intermodal gab Einblicke in die chinesische Sichtweise auf Ungarn, insbesondere auf Budapest, als Umschlagsort. Sie wies darauf hin, dass Budapest aufgrund seiner Zuverlässigkeit und seiner guten Beziehungen zu China zu einem bevorzugten Knotenpunkt für chinesische Logistikunternehmen geworden ist.
In den Gesprächen wurden auch alternative Routen wie die adriatischen Häfen, der Mittlere Korridor und das griechische Tor angesprochen. Während der Mittlere Korridor vor Herausforderungen steht, wurde die Strecke von Koper in Slowenien nach Budapest als vielversprechende Alternative hervorgehoben. Nichtsdestotrotz blieb Budapest der bevorzugte Knotenpunkt für die chinesische Logistik.

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