Die Bewertung wurde von der Implement Consulting Group im Auftrag von Sund & Bælt erstellt. Sie kommt zu dem Schluss, dass das Mautsystem inzwischen Fahrten in der Regel erfasst und Gebühren korrekt berechnet. Gleichzeitig benennt der Bericht mehrere Schwachstellen, die den Arbeitsalltag von Transportunternehmen weiterhin beeinträchtigen.
Dänemark führte am 1. Januar 2025 eine entfernungsbasierte und nach CO₂ differenzierte Straßenmaut für schwere Nutzfahrzeuge ein und ersetzte damit das Eurovignetten-System. Die Bewertung bestätigt, dass die Einführungsphase von „Anlaufschwierigkeiten“ geprägt war, stellt jedoch fest, dass diese Probleme weitgehend behoben wurden.
Laut Bericht gilt das zugrunde liegende technische System zur Erfassung der Strecke und zur Abrechnung gegenüber den Transportunternehmen inzwischen als stabil, und die Maut funktioniert im Allgemeinen wie konzipiert.
Bußgelder bleiben der größte Konfliktpunkt
Trotz dieser technischen Stabilisierung identifiziert die Bewertung die Bußgelder als mit Abstand größte Quelle der Unzufriedenheit unter Transportunternehmen.
Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass das aktuelle Sanktionsmodell nicht ausreichend zwischen vorsätzlicher Nichtbeachtung und unbeabsichtigten Fehlern unterscheidet – etwa technischen Störungen oder administrativen Irrtümern. Dadurch können Unternehmen unabhängig von der Ursache mit derselben pauschalen Strafe belegt werden.
Die Bewertung weist außerdem darauf hin, dass Probleme häufig weder für Fahrer noch für Betreiber sichtbar sind, wenn sie auftreten. Stattdessen werden Fehler oft erst erkennbar, wenn ein Bußgeldbescheid ergeht – typischerweise Tage nach dem Vorfall –, was die Möglichkeit einschränkt, Probleme in Echtzeit zu korrigieren.
Einsprüche und Benutzerfreundlichkeit unter Beobachtung
Über die Bußgelder selbst hinaus hebt die Bewertung breitere Bedenken hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit und Transparenz hervor. Transportunternehmen berichten von Schwierigkeiten, den Systemstatus zu verstehen, sowie von fehlendem zeitnahem Feedback, wenn etwas schiefläuft.
Auch die Bearbeitung von Einwänden und Einsprüchen gegen Bußgelder wird als problematisch herausgestellt. Laut Bewertung empfinden Betreiber das Beschwerdeverfahren als komplex und ressourcenintensiv, was den administrativen Aufwand erhöht – insbesondere für kleinere Transportunternehmen.
Rechtsstreitigkeiten unterstreichen den Unmut der Branche
Außerhalb des eigentlichen Bewertungsrahmens sind Streitigkeiten über Bußgelder bereits in rechtliche Auseinandersetzungen eskaliert.
Wie Trans.INFO zuvor berichtete, haben mehrere dänische Transportunternehmen die Zahlung von Bußgeldern aus der Straßenmaut verweigert und wurden vor Gericht geladen. Sie argumentieren, dass das pauschale Sanktionsmodell gegen den EU-Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstößt. Der Branchenverband International Transport Danmark (ITD) hat betroffene Unternehmen unterstützt und eine separate Klage gegen den dänischen Staat eingereicht, in der die Rechtmäßigkeit des Bußgeldregimes angefochten wird.
Im aktuellen System führt jeder Verstoß – von technischen Fehlern bis hin zu nicht bezahlten Mautgebühren – zur gleichen Strafe. Die Bußgeldhöhe wurde zunächst auf 4.500 DKK festgesetzt und zum 1. Juli 2025 auf 9.000 DKK pro Verstoß erhöht – unabhängig von den Umständen.
ITD argumentiert, dass dieser Ansatz den Schweregrad einzelner Verstöße nicht angemessen widerspiegelt und im Gegensatz zu Systemen in anderen EU-Ländern steht, in denen Strafen je nach Vorsatz und Schwere abgestuft sind.
Akzeptanz hängt von der Vollzugspraxis ab
Während die Bewertung bestätigt, dass Dänemarks Lkw-Maut aus technischer Sicht inzwischen weitgehend funktioniert, macht sie zugleich deutlich, dass die Akzeptanz unter Transportunternehmen von mehr als einer korrekten Abrechnung abhängt.
Laut Bericht werden eine klarere Kommunikation, schnellere Fehlermeldungen und ein praktikablerer Umgang mit Bußgeldern und Einsprüchen entscheidend sein – insbesondere, da die Straßenmaut in den kommenden Jahren auf eine größere Gruppe von Fahrzeugen und Straßen ausgeweitet werden soll.
Für viele Betreiber legt die Bewertung nahe, dass die zentrale Frage nicht mehr lautet, ob das System funktioniert, sondern ob es so durchgesetzt wird, dass es im täglichen Betrieb vorhersehbar, verhältnismäßig und handhabbar ist.









