Mitten im „Corona-Jahr“ 2020 hat der internationale Transport- und Info-Logistik-Anbieter cargo-partner erstmals die Umsatzmilliarde geknackt. Dazu hat zu einem großen Teil auch die umfassende Digitalisierungsstrategie des Unternehmens beigetragen. Christian Polanyi, Chief Information Officer bei cargo-partner, erklärt die Herausforderungen und Lösungsansätze dieser Strategie.

Das 1983 am Flughafen Wien gegründete Unternehmen cargo-partner bezeichnet sich heute als Info-Logistikkomplettanbieter. Mit über 130 Standorten in mehr als 40 Ländern bietet cargo-partner ein breites Portfolio an Luft-, See-, Landtransport- und Logistik-Services und sieht seine besonderen Stärken in den Bereichen Informationstechnologie sowie Supply Chain Optimierung.

Bereits im Jahr 2000: Einführung der eigenen SCM-Plattform

cargo-partner erkannte schon früh, dass die Digitalisierung ein bedeutender Faktor in der Logistikbranche werden würde, und führte im Jahr 2000 die Cloud-basierte Supply Chain Management Plattform SPOT ein. Was als simples Tracking Tool begann, ist heute eine umfassende „Visibility & Collaboration Platform“ mit einer Vielzahl an Modulen und Funktionen zur Optimierung jeden Aspekts der Lieferkette.

Anforderung der Kunden: Einfacher Zugang zu Daten und Information

Genau wie die SPOT-Plattform entwickelte sich Schritt für Schritt auch das Digitalisierungskonzept, das sich heute durch alle Unternehmensaktivitäten zieht. Zunächst stehen dabei die Anforderungen der Kunden im Vordergrund. Aus Kundensicht müssen alle Anknüpfungspunkte digital abbildbar und vor allem erreichbar sein. Das beginnt bereits vor der Transportbuchung bei Quotierungsauftrag und Verhandlung und erstreckt sich über die gesamte Lieferkette.

SPOT: Komplexe Anwendungsbereiche, einfacher Überblick

Die SPOT-Plattform deckt den Luft-, See-, Straßen- und Schienenverkehr ab und ermöglicht eine einfache Online-Auftragserteilung, 24/7 Sendungsverfolgung sowie effiziente Kommunikation und Dokumentenverwaltung. Darüber hinaus gibt es spezielle Module für die Lagerverwaltung in Echtzeit, Paketversand einschließlich Preisvergleich und Etikettendruck sowie Bestell- und Lieferanten-Management. All das haben die Kunden von cargo-partner in einem personalisierten Dashboard in einem einfachen Überblick zusammengefasst.

Persönliche Kommunikation weiterhin im Vordergrund

Das Unternehmensmotto „we take it personally“ hat bei diesen Bestrebungen noch mehr an Bedeutung gewonnen. Auch in Zeiten von Digitalisierung und Automatisierung bleibt die persönliche Beziehung und Kommunikation mit dem Kunden weiterhin ein Schlüsselfaktor für effiziente und reibungslose Lieferketten. cargo-partner strebt langjährige Beziehungen mit seinen Kunden an und arbeitet in enger Abstimmung mit allen Partnern entlang der Lieferkette, um Logistikprozesse optimal aufzusetzen und kontinuierlich zu verbessern. Die Prozesse müssen dabei standardisiert und solide genug sein, um Automatisierung zu ermöglichen, und gleichzeitig agil und skalierbar genug, um auf unvorhergesehene Ereignisse schnell reagieren zu können.

Praxisbeispiel: IT-Integration für effiziente Ersatzteillogistik

Ein Beispiel aus der Praxis stellt die Zusammenarbeit mit einem Kunden im 2018 eröffneten iLogistics Center in der Nähe des Wiener Flughafens dar. In einem Zeitraum von drei Monaten übersiedelte cargo-partner 27.000 Bestandseinheiten von den Produktionsstätten des Maschinenherstellers in das iLogistics Center. Dank Verlegung seiner Ersatzteillogistik an diesen Logistik-Hotspot profitiert der Kunde von schnellerer Distribution und flexiblerer Auftragsabwicklung. Der Erfolg der Zusammenarbeit beruht nicht zuletzt auf tiefgreifender IT-Integration: Mittels mehr als 20 EDI-Schnittstellen (Electronic Data Interchange) zwischen dem Lagerverwaltungssystem von cargo-partner und dem Warenwirtschaftssystem des Kunden wird ein rascher und effizienter Informationsaustausch sichergestellt und zahlreiche Prozesse automatisiert, um wertvolle Zeit und Kosten zu sparen.

Interne Anforderung: Prozessoptimierung und -automatisierung

Mit den steigenden Anforderungen der vergangenen zwei Jahrzehnte an Automatisierung und digitale Kollaboration ist auch das unternehmenseigene IT-Team von cargo-partner Schritt für Schritt gewachsen, und auch die Optimierung der unternehmensinternen Prozesse stellt eine Kernaufgabe dar. Aus interner Sicht lautet die Prämisse, dass alle möglichen Prozesse IT-unterstützt und automatisiert werden müssen.

Faktor Mensch auch in den IT-Teams entscheidend

Der Ansatz von cargo-partner fokussiert sich dabei auf Kosteneffizienz, Skalierbarkeit und Flexibilität sowie datenbasierte Entscheidungsfindung und die Entwicklung neuer digitaler Geschäftskonzepte. Doch auch hier spielt der menschliche Faktor eine entscheidende Rolle. Daher wird innerhalb der IT-Teams eine aktive Change-Kultur, ein agiles Mindset und Selbstverantwortung gefördert, wobei durch gezielte Trainings und interne Vermarktung Interesse geweckt und Awareness geschaffen werden soll.

Fokus auf Customer Experience

Derzeit arbeitet cargo-partner an einer Reihe von Schlüsselinitiativen im Sinne eines noch gezielteren, kundenzentrischen Entwicklungsansatzes. Als wegweisendes Element soll dabei Customer Journey Mapping dienen, um Prioritäten und Verbesserungspotenziale an allen Berührungspunkten der digitalen Kundenreise zu identifizieren und ein nahtloses Kundenerlebnis zu schaffen. Durch agile Entwicklungsmethoden und Design Thinking soll Kundenfeedback künftig noch direkter in die Entwicklung einfließen – und zwar nicht nur in den Ausbau des bestehenden Service-Angebotes, sondern auch in die Gestaltung neuer, digitaler Business-Modelle.

Digitale Transformation als Kulturwandel

Organisatorisch wurde, zusätzlich zum Chief Information Officer, mit dem Digital Office eine Einheit geschaffen, um digitale Business-Modelle aus den relevanten Geschäftseinheiten gezielter voranzutreiben und im Zusammenspiel mit IT und operativen Abteilungen effizienter umzusetzen. Der neue Chief Digital Officer hat die Aufgabe, das Digital Office und die digitale Evolution des Unternehmens gemäß einer kundenzentrischen Ausrichtung voranzutreiben. Doch nicht nur im Management, sondern auf allen Ebenen des Unternehmens sieht cargo-partner seine Mitarbeiter als digitale Botschafter, die den Kulturwandel der umfassenden digitalen Transformation von innen heraus antreiben werden. Ganz im Sinne der Unternehmensphilosophie „we take it personally“!

Foto: Christian Polanyi, Chief Information Officer bei cargo-partner

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