- Weiterfahren bis 70: Salvini will erfahrenen Berufskraftfahrern ermöglichen, freiwillig länger im Einsatz zu bleiben, sofern sie die medizinischen Untersuchungen bestehen.
- Aktuelle Regeln: Für bestimmte schwere Fahrzeugkombinationen gilt derzeit eine Altersgrenze von 68 Jahren. Ein Führerschein der Klasse C kann dagegen unter bestimmten Voraussetzungen auch darüber hinaus verlängert werden.
- Kritik der Gewerkschaften: Filt-Cgil und Uiltrasporti fordern frühere Rentenmöglichkeiten und bessere Arbeitsbedingungen im Transportgewerbe.
- Viele Fragen offen: Noch ist nicht geregelt, für welche Führerscheinklassen die geplante Änderung gelten und wie sie umgesetzt werden soll.
Salvini will Berufskraftfahrern die Weiterarbeit bis 70 ermöglichen
Matteo Salvini hat vorgeschlagen, erfahrenen Lkw- und Busfahrern die Weiterarbeit bis zum 70. Lebensjahr zu ermöglichen. Die Regelung soll freiwillig sein und nur für Personen gelten, die weiterhin gesundheitlich geeignet sind. Seine Idee stellte der Minister am 7. Oktober 2026 per Videoschaltung bei der Versammlung von Federtrasporto vor.
Damit will die Regierung Transportunternehmen unterstützen, die Schwierigkeiten haben, qualifizierte Fahrer zu finden. Erfahrene Beschäftigte könnten demnach länger im Beruf bleiben und den akuten Personalengpässen entgegenwirken.
Salvini stellte außerdem in Aussicht, den Vorschlag bereits in der darauffolgenden Woche dem Ministerrat vorzulegen. Für Fahrer über 65 Jahren wären nach seiner Vorstellung weiterhin medizinische Untersuchungen im Abstand von zwei Jahren vorgesehen.
Allerdings sind wesentliche Punkte noch ungeklärt. Nach geltendem italienischem Recht müssen Führerscheine der Klassen C und CE ab dem 65. Lebensjahr alle zwei Jahre verlängert werden. Wie lange bestimmte schwere Fahrzeuge tatsächlich gefahren werden dürfen, hängt jedoch vom jeweiligen Fahrzeugtyp ab.
Ein Gesetzentwurf wurde bislang nicht veröffentlicht. Deshalb ist offen, welche Bestimmungen geändert werden sollen, welche Führerscheinklassen einbezogen würden und wie das neue Verfahren konkret funktionieren könnte.
Was die Straßenverkehrsordnung zu Führerscheinen der Klassen C und CE sagt
Der Vorstoß hat die Diskussion über Altersgrenzen für Berufskraftfahrer neu entfacht. Dabei muss zwischen der Gültigkeitsdauer eines Führerscheins und der Erlaubnis unterschieden werden, bestimmte Fahrzeugarten zu führen.
Die Führerscheine der Klassen C1, C1E, C und CE müssen bis zum 65. Lebensjahr alle fünf Jahre verlängert werden. Danach ist die Verlängerung alle zwei Jahre erforderlich. Voraussetzung dafür ist eine körperliche und psychische Eignungsprüfung durch die zuständige örtliche medizinische Kommission.
Für Lastzüge und Sattelzüge mit einem vollständig beladenen Gesamtgewicht von mehr als 20 Tonnen gelten zusätzliche Vorgaben. Wer solche Fahrzeuge nach dem 65. Geburtstag weiterfahren möchte, benötigt jedes Jahr eine Bescheinigung über die medizinische Fahrtauglichkeit. Die derzeitige Altersgrenze für diese Fahrzeuggruppe liegt bei 68 Jahren.
Anders ist die Situation bei einem Führerschein der Klasse C. Dafür gibt es keine einheitliche allgemeine Höchstaltersgrenze. Er kann auch über das 68. Lebensjahr hinaus gültig bleiben, wenn der Fahrer die gesundheitlichen Anforderungen erfüllt und die Einschränkungen für die zugelassenen Fahrzeuge einhält.
Diese Unterscheidung ist entscheidend für die mögliche Reichweite von Salvinis Plan. Eine Anhebung auf 70 Jahre könnte sich lediglich auf bestimmte Fahrzeuge beziehen und nicht automatisch für jeden Inhaber eines Führerscheins der Klasse C gelten.
Bis 70 arbeiten heißt nicht automatisch, bis 70 auf die Rente zu warten
In der aktuellen Debatte werden die Altersgrenze für das Führen bestimmter Fahrzeuge und das Rentenalter teilweise miteinander vermischt.
Einige Berichte haben Salvinis Ankündigung als mögliche Anhebung des Rentenalters für Lkw-Fahrer auf 70 Jahre dargestellt. Tatsächlich handelt es sich um zwei voneinander getrennte Fragen.
Ob jemand ein bestimmtes Fahrzeug führen darf, regelt die Straßenverkehrsordnung. Die Voraussetzungen für den Rentenbezug ergeben sich hingegen aus dem Sozialrecht. Eine Erlaubnis, bis zum 70. Lebensjahr weiterzufahren, würde daher weder eine Arbeitspflicht bis zu diesem Alter schaffen noch automatisch die Bedingungen für den Rentenanspruch verändern.
Sensibel bleibt das Thema trotzdem, weil die Gewerkschaften seit Langem fordern, das Führen schwerer Fahrzeuge als besonders belastende Tätigkeit anzuerkennen. Der Beruf ist durch lange Abwesenheiten vom Wohnort, anspruchsvolle Schichten und eine hohe Verantwortung für die Verkehrssicherheit geprägt.
Filt-Cgil fordert früheren Ruhestand statt längerer Erwerbszeiten
Filt-Cgil reagierte noch am 7. Oktober, wenige Stunden nach Salvinis Ankündigung.
Wir lehnen die Möglichkeit ab, die Erwerbszeit von Lkw-Fahrern bis zum 70. Lebensjahr zu verlängern
Die Gewerkschaft erklärte, der Vorschlag gehe an den tatsächlichen Problemen der Branche vorbei.
Aus Sicht von Filt-Cgil sollte zunächst anerkannt werden, dass das Führen schwerer Fahrzeuge eine belastende Arbeit ist. Daraus müsse ein entsprechender Zugang zu einem früheren Ruhestand entstehen.
Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft strukturelle Maßnahmen, um den Beruf attraktiver zu machen und den Fahrermangel zu bekämpfen. Dazu gehören angemessen ausgestattete Rastplätze, Ausbildungsprogramme an Schulen sowie eine stärkere nationale und regionale Tarifbindung.
Ziel seien bessere Löhne und Beschäftigungsbedingungen, damit sich wieder mehr junge Menschen für eine Tätigkeit im Transportgewerbe entscheiden.
Uiltrasporti warnt vor finanziellem Druck auf ältere Fahrer
Auch Uiltrasporti Ligurien kritisierte den Vorschlag. Der regionale Sekretär Giovanni Ciaccio äußerte sich dazu am 9. Oktober 2026.
Es reicht nicht zu erklären, dass das Weiterfahren bis 70 nicht verpflichtend sein soll
Nach Einschätzung von Uiltrasporti könnte die freiwillige Regelung für Fahrer mit niedrigen Renten oder ohne realistische Möglichkeit eines früheren Ausscheidens aus dem Berufsleben faktisch zur finanziellen Notwendigkeit werden.
Der ligurische Verband hat die Regionalregierung aufgefordert, gemeinsam mit dem Ministerium ein nationales Treffen zu organisieren. Im Mittelpunkt sollten die Anerkennung der hohen Belastung des Berufs, bessere Möglichkeiten für einen früheren Ruhestand, höhere Löhne und Rentenbeiträge sowie Maßnahmen zur Gewinnung junger Beschäftigter stehen.
Der Streit macht den grundlegenden Unterschied zwischen den Positionen der Regierung und der Gewerkschaften deutlich. Während die Regierung erfahrene Fahrer länger im Beruf halten will, verlangen die Arbeitnehmervertreter Lösungen für die Bedingungen, die den Beruf zunehmend unattraktiv machen.
Fahrermangel hält die Reformdebatte am Laufen
Der Vorschlag, bestimmte schwere Fahrzeuge bis zum 70. Lebensjahr führen zu dürfen, ist Teil der größeren Diskussion über den Mangel an qualifizierten Beschäftigten im Straßentransport.
Für Unternehmen könnte es kurzfristig hilfreich sein, erfahrene Fahrer länger im Einsatz zu halten. Die Gewerkschaften sehen die langfristige Lösung jedoch vor allem in Ausbildung, konkurrenzfähiger Bezahlung und dauerhaft tragfähigen Arbeitsbedingungen.
Nach den vorliegenden Informationen hatten die Verbände des Güterverkehrs bis zum 9. Oktober 2026 noch keine offizielle Stellungnahme zu dem Vorschlag abgegeben.
Der nächste entscheidende Schritt ist die Veröffentlichung einer möglichen Regierungsmaßnahme. Erst dann wird sich zeigen, ob es lediglich um die Altersgrenzen für die schwersten Fahrzeuge geht oder ob umfassendere Änderungen geplant sind.
Für Italiens Straßentransport bleibt damit eine zentrale Frage offen: Wie lässt sich der Fahrermangel bekämpfen, ohne Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen aufzuschieben und ohne den dringend benötigten Nachwuchs aus dem Blick zu verlieren?







