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EU startet Pilotprojekt für 600 Lkw-Fahrer aus Afrika

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Die Europäische Union erprobt einen strukturierten Ansatz zur Anwerbung von Lkw-Fahrern aus Nicht-EU-Staaten. Im Rahmen des Projekts Skilled Driver Mobility for Europe II (SDM4EU II) sollen 600 Berufskraftfahrer aus Ägypten und Marokko geschult werden. 200 von ihnen erhalten Unterstützung beim Einstieg in den Arbeitsmarkt in Italien oder Rumänien. Das Pilotprojekt soll zeigen, ob eine gute Vorbereitung, faire Anwerbungsverfahren und Integrationshilfe dazu beitragen können, den Fahrermangel im europäischen Güterverkehr zu verringern.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Die wichtigsten Fakten:

  • Insgesamt nehmen 600 Berufskraftfahrer aus Ägypten und Marokko an Schulungen teil.
  • 200 Teilnehmer erhalten Unterstützung bei der Suche nach einer Beschäftigung in der Europäischen Union.
  • 100 ägyptische Fahrer werden auf Arbeitsplätze in Rumänien vorbereitet, 100 marokkanische Fahrer auf eine Beschäftigung in Italien.
  • Das Programm umfasst die Auswahl und Anwerbung von Kandidaten, technische und sprachliche Schulungen, die Vermittlung an Arbeitgeber, rechtlich abgesicherte Mobilität, Integrationshilfe sowie Unterstützung bei der Arbeitsaufnahme.
  • Das Projekt läuft von Juni 2026 bis Dezember 2028.
  • Zusätzlich werden 30 Ausbilder weiterqualifiziert.

Aus einer Problemanalyse wird ein Praxistest

Eine von der IRU veröffentlichte Studie für die Europäische Kommission beziffert den Fahrermangel im europäischen Straßentransport auf rund 500.000 Berufskraftfahrer. Das Durchschnittsalter der Fahrer liegt bei 47 Jahren. Unter 25-Jährige machen lediglich 5 Prozent der Beschäftigten aus.

2023 waren in der EU rund 300.000 Fahrer aus Drittstaaten im Einsatz. Sie stellten damit 7,5 Prozent aller Berufskraftfahrer und etwa 8 Prozent der Beschäftigten im Straßengüterverkehr.

Wie stark Unternehmen auf Fahrer aus Nicht-EU-Staaten zurückgreifen, unterscheidet sich jedoch erheblich von Land zu Land. Ende 2022 wurden bis zu 90 Prozent aller in der EU ausgestellten Fahrerbescheinigungen an Staatsangehörige aus nur fünf Ländern ausgegeben.

Polen lag dabei deutlich vorn. Ende 2023 beschäftigten polnische Unternehmen 162.489 Fahrer aus Drittstaaten, darunter mehr als 88.000 ukrainische Staatsangehörige. Im internationalen Verkehr stellten Fahrer aus Drittstaaten fast 30 Prozent aller Fahrer.

In Spanien zeigt sich ein deutlich anderes Bild: 2021 entfielen dort 6 Prozent der Arbeitsverträge im Transportsektor auf Fahrer aus Nicht-EU-Staaten. Insgesamt waren dies 19.787 Personen. In Dänemark blieb die Zahl dagegen marginal. Zwischen Januar und Oktober 2024 wurden lediglich 15 Fahrerbescheinigungen an Drittstaatsangehörige ausgestellt.

Zu den größten Hürden zählen weiterhin Verwaltungs- und Einwanderungsverfahren, die häufig sechs bis zwölf Monate in Anspruch nehmen. Hinzu kommen unterschiedliche Vorschriften für die Umschreibung von Führerscheinen und für den Nachweis der beruflichen Qualifikation in der EU.

Zwei Wege in den europäischen Arbeitsmarkt

SDM4EU II soll die EU-Politik der Talent Partnerships in ein konkretes Modell für die Anwerbung von Berufskraftfahrern überführen. Dafür sind zwei klar definierte Wege vorgesehen: 100 in Ägypten ausgewählte Fahrer werden für eine Beschäftigung in Rumänien vorbereitet, während 100 Kandidaten aus Marokko für Arbeitsplätze in Italien geschult werden.

An den Schulungen nehmen insgesamt 600 Berufskraftfahrer teil. Nur ein Drittel erhält zusätzlich direkte Unterstützung beim Eintritt in den EU-Arbeitsmarkt. In Rumänien übernimmt UNTRR die Integrationsbegleitung, in Italien ist dafür FAI zuständig.

Koordiniert wird das Projekt von GOPA PACE. Beauftragt wurde es vom International Centre for Migration Policy Development; umgesetzt wird es über die Migration Partnership Facility. Die Europäische Union beteiligt sich an der Finanzierung. Zu den weiteren Partnern zählen AASTMT, Soleterre und ICAR Foundation. Die IRU ist als technischer Partner für die Ausbildungsstandards verantwortlich.

Qualifizierung vor der Einreise

Im Zentrum des Programms steht die Vorbereitung der Fahrer vor ihrer Einreise in das Zielland. Vorgesehen sind die Auswahl und Anwerbung von Kandidaten, technische und sprachliche Schulungen, die Vermittlung an Arbeitgeber, rechtlich abgesicherte Mobilität, Integrationshilfe, Unterstützung bei der Arbeitsaufnahme sowie Maßnahmen zur langfristigen Bindung der Beschäftigten.

Damit unterscheidet sich das Modell vom üblichen Vorgehen, bei dem ein Unternehmen zunächst im Ausland einen Fahrer sucht und anschließend eigenständig Qualifikationsnachweise und Genehmigungen sowie die rechtliche Absicherung des Arbeitsverhältnisses organisiert. Die Unterstützung soll auch nach der Ankunft in Italien oder Rumänien fortgesetzt werden.

Darüber hinaus soll das Projekt die Kompetenzen von 30 lokalen Ausbildern erweitern und damit die Ausbildungskapazitäten in Ägypten und Marokko stärken.

Italien und Rumänien als erste Testmärkte

Das Projekt läuft von Juni 2026 bis Dezember 2028. Patrick Philipp, der bei der IRU für Zertifizierung und Standards zuständig ist, erwartet, dass das Programm sowohl den Fahrermangel in Italien und Rumänien angehen als auch die Qualifikationen und Beschäftigungschancen von Berufskraftfahrern in Ägypten und Marokko verbessern kann.

Der Pilot startet in einer Phase, in der Migration in mehreren EU-Ländern erneut intensiv diskutiert wird. Italien, eines der Zielländer des Projekts, hat zuletzt vorübergehend Kontrollen an seinen See- und Luftgrenzen zu Spanien eingeführt. Hintergrund ist die Situation in Ceuta.

Mitgliedstaaten entwickeln eigene Zugangswege

SDM4EU II ist Teil umfassenderer Bemühungen der Mitgliedstaaten, Fahrern aus Nicht-EU-Staaten den Zugang zu ihren Arbeitsmärkten zu erleichtern. In acht EU-Ländern gilt der Beruf des Berufskraftfahrers als Mangelberuf. Dadurch können sich Verfahren verkürzen; Behörden können unter Umständen auf eine Arbeitsmarktprüfung verzichten. Spanien und Portugal setzen hingegen auf bilaterale Vereinbarungen mit ausgewählten Drittstaaten.

Auch Deutschland plant Änderungen. Nach den vorliegenden Vorschlägen sollen Prüfungen zur beruflichen Qualifikation künftig in acht Sprachen möglich sein, darunter Ukrainisch, Polnisch, Rumänisch und Türkisch. Außerdem soll die für die Grundqualifikation erforderliche Fahrzeit um 30 Minuten verkürzt werden. Ein Prüfungsteil zu kritischen Situationen könnte entfallen. Zudem sollen Kandidaten die Prüfungen mehrfach wiederholen dürfen.

Vorgesehen ist außerdem eine vereinfachte Anerkennung von Führerscheinen aus ausgewählten Ländern, darunter der Ukraine und Montenegro.

Pilotprojekt bleibt zahlenmäßig begrenzt

Angesichts eines geschätzten Mangels von rund 500.000 Fahrern bleibt ein Projekt mit 600 Teilnehmern zahlenmäßig begrenzt. Nur 200 von ihnen erhalten einen begleiteten Weg in eine Beschäftigung in der EU.

Die IRU betont daher, dass die Anwerbung von Fahrern aus Drittstaaten andere Maßnahmen ergänzen muss. Sie dürfe nicht an die Stelle von Initiativen treten, die mehr Frauen und junge Menschen für den Beruf gewinnen sollen.

Im Mittelpunkt des Pilotprojekts steht die Frage, ob sich Ausbildung, rechtlich abgesicherte Mobilität, Arbeitgebervermittlung und Integrationshilfe zu einem Modell verbinden lassen, das später in größerem Umfang eingesetzt werden könnte.

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