- Das Vereinigte Königreich und die EU haben sich auf den Entwurf eines SPS-Abkommens für Lebensmittel sowie tierische und pflanzliche Erzeugnisse verständigt.
- Die endgültige Bestätigung wird beim Gipfeltreffen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU am 20. November in Brüssel erwartet.
- Nach Einschätzung von Logistics UK könnten die Exportkosten um bis zu 8 Prozent sinken. Pro Sendung wären Einsparungen von 150 bis 250 Pfund möglich.
- Für die meisten Agrar- und Lebensmittelwaren sollen künftig weder Ausfuhrgesundheitszeugnisse noch Pflanzengesundheitszeugnisse erforderlich sein.
- Zollkontrollen bleiben bestehen. Hafenbehörden warnen zudem, dass weniger Prüfungen nicht automatisch weniger Risiken bedeuten.
Entwurf vor dem Gipfeltreffen
Die Verhandlungspartner erzielten am 3. November eine vorläufige Einigung. Beim Gipfeltreffen in Brüssel am 20. November sollen Premierminister Andy Burnham, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa zusammenkommen. Dort könnte das Abkommen offiziell besiegelt werden.
Der vollständige Vertragstext ist bislang noch nicht veröffentlicht. Nach Angaben der britischen Regierung soll die Vereinbarung ab Mitte 2027 gelten.
Was sich an der Grenze ändern soll
Laut einer Leitlinie der britischen Regierung für Logistikunternehmen und Transporteure sind unter anderem folgende Erleichterungen vorgesehen:
- Für die meisten Agrar- und Lebensmittelwaren entfallen Ausfuhrgesundheits- und Pflanzengesundheitszeugnisse.
- Tierische, pflanzliche und Lebensmittelprodukte werden seltener oder gar keinen physischen Kontrollen mehr unterzogen.
- Das Risiko, dass Sendungen an Grenzkontrollstellen zurückgehalten werden, sinkt.
- Gemischte Ladungen lassen sich einfacher zusammenstellen.
Das Abkommen regelt allerdings nicht den Zoll. In der Leitlinie wird ausdrücklich klargestellt, dass Zollkontrollen bestehen bleiben. Auch nach dem Inkrafttreten müssen bestimmte Waren aus Drittstaaten kontrolliert werden.
Bis zu 250 Pfund weniger pro Sendung
Nach Angaben von Logistics UK könnten die Exportkosten für betroffene Agrar- und Lebensmittelwaren um bis zu 8 Prozent sinken. Daraus könnten sich Einsparungen von rund 150 bis 250 Pfund je Sendung ergeben. Besonders profitieren dürften Anbieter von Sammelguttransporten, die derzeit für jede einzelne Teilsendung innerhalb einer gemischten Ladung Gebühren entrichten.
Die EU ist Ziel von rund 40 Prozent der britischen Exporte. Ein umfassendes SPS-Abkommen könnte der britischen Wirtschaft nach den vorliegenden Schätzungen jährlich zusätzlich 5,1 Milliarden Pfund einbringen.
„Dass die Verhandlungen über ein SPS-Abkommen mit der EU vorankommen, ist eine äußerst positive Nachricht für britische Unternehmen“, sagte Ben Fletcher, Geschäftsführer von Logistics UK. Seiner Einschätzung nach würden dadurch Lieferketten effizienter und die Kosten für Logistikdienstleister, Händler und Hersteller sinken.
Hafenbehörden sehen offene Fragen
Die erwarteten Erleichterungen stoßen jedoch nicht überall auf uneingeschränkte Zustimmung. Anthony Baldock, Vorsitzender des Vorstands der Association of Port Health Authorities, begrüßte gegenüber trans.iNFO zwar die Bemühungen um einen reibungsloseren Handel. Zugleich warnte er: „Wenn eine Kontrolle entfällt, verschwindet nicht automatisch das Risiko, das sie bisher eingedämmt hat.“
Die Regierung müsse erklären, wer künftig die Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit trage und wer die Kosten dafür übernehme, wie Probleme erkannt würden und welche Maßnahmen im Ernstfall griffen, erklärte Baldock. Außerdem müsse nachgewiesen werden, dass es sich bei den prognostizierten Einsparungen tatsächlich um einen Nettovorteil handle und nicht lediglich um eine Verlagerung der Kosten auf andere öffentliche Stellen oder Unternehmen.
Weniger Bescheinigungen können eine gute Nachricht sein. Weniger Schutzmaßnahmen wären es nicht“, sagte Baldock.
Was das für Transporteure bedeutet
Für Transporteure, die Lebensmittel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU befördern, könnte das Abkommen weniger Papieraufwand, kürzere Aufenthalte an Grenzkontrollstellen und niedrigere Kosten pro Ladung bringen. Bis zum Inkrafttreten des Abkommens ändert sich jedoch zunächst nichts: Es gelten weiterhin die derzeitigen Vorschriften. Auch Zollerklärungen bleiben erforderlich.
Die Änderungen könnten zudem Auswirkungen auf Grenzkontrollstellen haben, die nach dem Brexit errichtet wurden – darunter Sevington. trans.iNFO hat außerdem untersucht, wie sich der Handel zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum entwickelt hat. Mehr dazu im Hintergrundbericht.









