Die wichtigsten Punkte:
- Die Zollkontrollen sollen ab Anfang 2027 aus Sevington in Anlagen des Port of Dover und von Getlink verlagert werden.
- Sevington soll keine Versandverfahren nach dem Übereinkommen über ein gemeinsames Versandverfahren mehr eröffnen oder abschließen.
- Für Fahrzeuge aus dem Eurotunnel-Verkehr, die zur Zollkontrolle ausgewählt werden, ist voraussichtlich Folkestone Services, vormals Stop24, vorgesehen.
- Der Border Control Post in Sevington bleibt für SPS-Kontrollen in Betrieb.
- Die Zollabfertigung in Holyhead soll in die vom Hafenbetreiber bereitgestellte Infrastruktur verlagert werden.
- Vorerst ändert sich nichts: Fahrer und Händler müssen die bestehenden Anlagen bis auf Weiteres nutzen.
HM Revenue & Customs will die Zollaufgaben aus den beiden verbliebenen, staatlich finanzierten Inland-Grenzanlagen künftig in Einrichtungen der jeweiligen Hafenbetreiber verlagern.
Betroffen sind die in Sevington abgewickelten Zollkontrollen für den Verkehr über den Port of Dover und den Eurotunnel. Auch die Zollabfertigung im Holyhead Inland Border Facility soll in Anlagen innerhalb des Holyhead Port verlagert werden.
Wann genau die einzelnen Änderungen umgesetzt werden, steht noch nicht fest.
Transitabfertigung in Sevington endet
Für Unternehmen, die das gemeinsame Versandverfahren nutzen, bringt die Neuordnung eine wesentliche Änderung: Sevington wird künftig weder als Abgangs- noch als Bestimmungszollstelle fungieren.
Betroffene Händler haben dann drei Möglichkeiten:
- Sie nutzen die Transitangebote des zuständigen Grenzbetreibers;
- sie beauftragen einen kommerziellen Authorised Consignor oder Authorised Consignee;
- oder sie lassen den eigenen Standort beziehungsweise den Standort eines Kunden für die Eröffnung oder Beendigung von Transitvorgängen genehmigen.
Für Waren, die über Dover transportiert werden, soll der Port of Dover entsprechende Transitmöglichkeiten bereitstellen. Im Verkehr durch den Eurotunnel bleiben die bestehenden Transitangebote von Getlink erhalten, wie aus einem Schreiben von HMRC an die beteiligten Unternehmen hervorgeht.
Ein Authorised Consignor darf Transitvorgänge an einem genehmigten Standort starten, ohne die Waren bei einer Zollstelle vorzuführen. Ein Authorised Consignee kann Sendungen an einer zugelassenen Adresse empfangen und das Verfahren dort beenden. Für diese Bewilligungen müssen Unternehmen jedoch unter anderem Zoll- und Aufzeichnungspflichten erfüllen. Teilweise gelten zusätzlich Anforderungen an die vorübergehende Lagerung.
Die Road Haulage Association sammelt derzeit Rückmeldungen von Unternehmen, die für ihre Transitvorgänge auf Sevington angewiesen sind. Auch Unternehmen mit dem Status eines Authorised Consignor oder Authorised Consignee werden einbezogen.
Eurotunnel-Kontrollen sollen nach Folkestone Services wechseln
Weitere Hinweise für Eurotunnel-Kunden enthält eine von Freightlink veröffentlichte Mitteilung von LeShuttle Freight.
Demnach sollen Zollkontrollen für den Eurotunnel-Verkehr künftig in Folkestone Services, dem früheren Stop24, abgewickelt werden. Die Anlage liegt in der Nähe der Anschlussstelle 11 der M20. Fahrzeuge, die nach der Tunneldurchfahrt einen orangefarbenen Zollstatus erhalten, sollen dorthin statt nach Sevington fahren.
Der Port of Dover hat bislang keine vergleichbaren operativen Angaben veröffentlicht. Daher ist weiterhin offen, an welchem genauen Standort die Ersatzkontrollen für den Dover-Verkehr stattfinden werden.
SPS-Kontrollen bleiben in Sevington
Die Ankündigung bedeutet nicht, dass der gesamte Standort Sevington geschlossen wird.
Der dortige Border Control Post kontrolliert weiterhin Waren wie Lebensmittel, Pflanzen und Erzeugnisse tierischen Ursprungs, die über Dover oder den Eurotunnel ins Vereinigte Königreich gelangen. Diese SPS-Prüfungen sind von der Verlagerung der Zollkontrollen nicht betroffen. Der Betrieb läuft unter den bisherigen Bedingungen bis auf Weiteres weiter.
Für Fahrer kann das künftig unterschiedliche Zielorte bedeuten – je nachdem, welche Kontrolle erforderlich ist. Eurotunnel-Sendungen, für die eine Zollprüfung erforderlich ist, sollen zu Folkestone Services geleitet werden, während für SPS-Kontrollen weiterhin Sevington angefahren wird.
Wie die SPS-Abfertigung langfristig aussehen wird, könnte auch vom Ausgang der Gespräche über ein mögliches Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union abhängen. Eine neue Regelung ist bislang jedoch nicht vereinbart.
Zollkontrollen in Holyhead sollen in den Hafen wechseln
In Holyhead will HMRC die Zollverfahren aus der Inland-Grenzanlage in Parc Cybi in die vom Betreiber des Holyhead Port bereitgestellte Infrastruktur verlagern.
Der derzeitige Standort ermöglicht Transitabfertigungen für Ein- und Ausfuhren sowie physische Zollkontrollen. Außerdem gibt es dort Anlaufstellen für ATA- und TIR-Carnets sowie CITES-Genehmigungen.
Die Detailplanung und der Zeitplan werden laut HMRC noch ausgearbeitet. Offen ist unter anderem, welche Dienstleistungen tatsächlich verlagert werden, welche Anlagen die Fahrer künftig nutzen müssen und wann die Umstellung beginnt.
Für Transportunternehmen ändert sich zunächst nichts
Bis zu einer offiziellen Bekanntgabe der Umstellungstermine müssen Spediteure und Händler Sevington und Holyhead genau wie bisher nutzen. Die aktuellen Meldeanweisungen und Zollverfahren bleiben zunächst gültig.
Viele praktische Fragen sind noch offen. Dazu gehören der genaue Ersatzstandort in Dover, die Öffnungszeiten, die Kapazität für Fahrzeuge, mögliche Gebühren sowie die künftige Abwicklung von ATA- und TIR-Carnets und CITES-Dokumenten.
Die Regierung begründet die Neuordnung damit, dass das vorübergehende Modell nach dem Brexit beendet werden soll. Dabei finanzierte der Staat Zollinfrastruktur für Häfen, denen geeignete Flächen fehlten. Nach dem Standardmodell in anderen Teilen des Vereinigten Königreichs müssen die Grenzstandorte selbst für die erforderlichen Anlagen sorgen.
Die Umstellung soll vorbehaltlich der endgültigen Bestätigung Anfang 2027 beginnen.









